Samsung und SK Hynix haben ein Problem. Japanische Produzenten von Wolframhexafluorid — kurz WF₆ — haben ihre südkoreanischen Kunden formell vor möglichen Lieferengpässen in der zweiten Jahreshälfte 2026 gewarnt. Die Lagerbestände reichen voraussichtlich nur bis Juni. Danach könnte die Produktion von 3D-NAND-Speicherchips ins Stocken geraten.
Der Auslöser: Chinas Exportkontrollen auf Wolfram-Rohmaterialien. Japanische Hersteller, die rund 25 Prozent des globalen WF₆-Angebots liefern, kommen an den Rohstoff kaum noch heran. WF₆ ist in der Chipfertigung nicht ersetzbar — kein alternatives Prozessgas übernimmt seine Funktion bei fortschrittlichen Speicherchips.
Preisexplosion beim Rohstoff
Der Markt hat reagiert. Ammoniumparawolframat (APT) — ein zentrales Wolfram-Zwischenprodukt — kletterte von rund 900 US-Dollar je metrischer Tonneneinheit Ende 2025 auf über 3.000 Dollar im April 2026. Das entspricht einem Anstieg von mehr als 230 Prozent in wenigen Monaten.
Kein Wunder, dass Almonty Industries in diesem Umfeld Aufmerksamkeit bekommt.
Sangdong: Westliches Gegengewicht
Das kanadische Unternehmen betreibt mit der Sangdong-Mine in Südkorea die einzige nennenswerte Wolframmine außerhalb Chinas im westlichen Einflussbereich. Phase 1 der Inbetriebnahme schloss Ende März 2026 ab. Die Anlage verarbeitet jährlich 640.000 Tonnen Erz und produziert rund 2.300 Tonnen Wolframkonzentrat.
Bei voller Auslastung könnte Sangdong etwa 40 Prozent der globalen Wolfram-Nachfrage außerhalb Chinas decken. Der Erzgehalt liegt bei rund 0,51 Prozent Wolframtrioxid — etwa dreimal so hoch wie der weltweite Durchschnitt. Das schützt die Margen auch dann, wenn die Preise wieder fallen.
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Analysten von DA Davidson erwarten, dass die Mine im zweiten Quartal 2026 volle kommerzielle Kapazität erreicht. Eine geplante Phase-2-Erweiterung für 2027 soll die Verarbeitungskapazität auf rund 1,2 Millionen Tonnen Erz pro Jahr verdoppeln.
Tarifschutz und Pentagon-Mandat
Almonty profitiert von einem strukturellen Vorteil im aktuellen Handelsumfeld. Washington hat Wolframerze, -konzentrate und -oxide des Unternehmens ausdrücklich von US-Gegenzöllen ausgenommen. Grundlage ist ein langfristiger Liefervertrag mit Global Tungsten & Powders in Pennsylvania.
Ab dem 1. Januar 2027 verschärft sich die Lage für Wettbewerber: Ein Pentagon-Mandat verpflichtet US-Rüstungsunternehmen dann, Wolfram ausschließlich von nicht-chinesischen Lieferanten zu beziehen. Almonty hat seine Verteidigungskontakte zuletzt ausgebaut — unter anderem durch eine Partnerschaft mit American Defense International und die Teilnahme am vom Verteidigungsministerium geförderten Critical Minerals Forum.
Quartalsbericht und Kurs im Blick
Am 21. Mai veröffentlicht Almonty seinen Quartalsbericht — inklusive der ersten konkreten Produktionsdaten aus Sangdong. Investoren warten seit Monaten auf diese Zahlen. Am 8. Juni folgt die Hauptversammlung, auf der das Management voraussichtlich Updates zur Phase-2-Erweiterung und zur Integration der US-Aktivitäten geben wird.
Der Umsatz stieg im vierten Quartal 2025 um 39 Prozent auf 8,7 Millionen US-Dollar. Der ausgewiesene Nettoverlust von 102,3 Millionen Dollar ist überwiegend buchhalterischer Natur: 87,3 Millionen Dollar entfallen auf eine nicht zahlungswirksame Neubewertung von Derivatverbindlichkeiten, ausgelöst durch den starken Kursanstieg der Aktie. Almonty schloss das Geschäftsjahr 2025 mit 268,4 Millionen Dollar in der Kasse.
Die Aktie notierte zuletzt bei 26,59 CAD — ein Plus von rund 121 Prozent seit Jahresbeginn und mehr als 650 Prozent über zwölf Monate. Texas Capital, DA Davidson und B. Riley Financial raten alle zum Kauf, mit Kurszielen zwischen 23 und 25 US-Dollar. Damit liegen die Ziele bereits unter dem aktuellen Kurs — ein Hinweis darauf, dass die Rally die Erwartungen der Analysten längst überholt hat. Der Quartalsbericht am 21. Mai wird zeigen, ob die Produktionszahlen aus Sangdong das Tempo rechtfertigen.
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