Almonty Industries hat einen entscheidenden operativen Schritt geschafft: Die Sangdong-Mine produziert erstmals verkaufsfähiges Wolframkonzentrat. Der Aktienkurs quittiert diesen Meilenstein trotzdem mit einem Rückschlag. Am Freitag verlor das Papier 5,52 Prozent und notiert nun 43,60 Prozent unter seinem 52-Wochen-Hoch von 33,35 CAD, erreicht am 17. April 2026.
Diese Diskrepanz ist der Kern der Geschichte. Der Markt hat die guten Nachrichten offenbar schon vorweggenommen. Jetzt muss Almonty liefern.
Die entscheidende Frage
Im Juni 2026 begann das Unternehmen, gelagertes Rohmaterial durch die neu in Betrieb genommene Aufbereitungsanlage zu schicken. Das markiert den Übergang von der Minenentwicklung zum aktiven, umsatzgenerierenden Betrieb. Aktuell verarbeitet die Anlage jedoch niedriggradiges Erz aus dem Lagerbestand – höhere Gehalte sollen erst folgen, wenn der Prozess weiter voranschreitet.
Sangdongs Erz liegt im Schnitt etwa dreimal höher konzentriert als das der portugiesischen Panasqueira-Mine des Unternehmens. Ob diese Gradsteigerung planmäßig eintritt, ist die konkrete operative Variable, die über das kurzfristige Gewinnmomentum entscheidet. Gelingt der Übergang zu höherwertigem Material schnell genug, könnte Almonty die zuletzt ausgeweiteten Abnahmeverträge zeitnah in Umsatz verwandeln – bevor Anlegern die Geduld ausgeht.
Bullisches Szenario
Die kommerzielle Basis für den Hochlauf hat sich zuletzt spürbar verbessert. Am 14. Juli 2026 gab Almonty eine Erweiterung seines langfristigen Abnahmevertrags mit Global Tungsten & Powders bekannt. Die Laufzeit der Sangdong-Phase-I-Lieferung verlängert sich von 15 auf 21 Jahre, das vereinbarte Volumen steigt um 40 Prozent auf 4,41 Millionen MTU.
Die verbesserten Preiskonditionen heben den erwarteten Jahresumsatz auf rund 490 Millionen US-Dollar bei aktuellen Wolframpreisen. Das stärkt Almontys Position als Lieferant für konfliktfreies Wolfram an westliche Verteidigungs- und Industriemärkte.
Hinzu kommt ein breiterer Investorenkreis: Mit der Index-Umstellung im Juni 2026 wurde Almonty in den Russell 1000 und Russell 3000 aufgenommen. Das öffnet institutionellen Anlegern den Zugang und könnte die Liquidität der Aktie langfristig verbessern. Die Investmentbank DA Davidson reagierte mit einer Anhebung ihres Kursziels und bestätigte gleichzeitig die Kaufempfehlung – begründet mit angehobenen langfristigen Preisannahmen für Wolfram, die nach eigener Einschätzung der Bank noch konservativ gegenüber den aktuellen Spotpreisen bleiben. Halten sich die Wolframpreise auf erhöhtem Niveau, getrieben von westlichen Rüstungsbeschaffungen und knapper chinesischer Angebotslage, könnten erweiterte Vertragsvolumina und höhere realisierte Preise die Umsatzentwicklung deutlich stärker antreiben als bislang eingepreist.
Bärisches Szenario und Risiken
Der erweiterte Abnahmevertrag deckt nur einen Teil der künftigen Kapazität ab – nicht die gesamte Wachstumsstory, die der Markt teilweise schon einpreist. Die Vereinbarung bezieht sich ausschließlich auf die Phase-I-Produktion in Sangdong. Sie schließt weder die geplante Phase-II-Erweiterung ein, die die jährliche Verarbeitungskapazität der Mine ungefähr verdoppeln soll, noch die Produktion aus Almontys anderen Standorten.
Die aktuell sichtbaren 490 Millionen US-Dollar Umsatzpotenzial hängen also an einer Produktionsstufe, die sich noch in einer frühen, lagerbestandsgestützten Inbetriebnahmephase befindet – nicht an der späteren Vollkapazität der Mine.
Das operative Risiko im Hochlauf selbst bleibt real. Die Anlage verarbeitet zunächst gemischtes, niedriggradiges Erz, höhere Gehalte werden erst mit fortschreitendem Prozess erwartet. Diese Reihenfolge lässt Produktqualität und Mengenentwicklung kurzfristig unbewiesen. Mehrere öffentliche Einschätzungen sehen die Bewertung der Aktie bereits der fundamentalen Entwicklung vorausgeeilt, während schwache Profitabilität und Kapitalverbrauch als Gegengewicht zum beschleunigten Umsatzwachstum genannt werden.
Auch das Kursbild spiegelt diese Nervosität. Die Aktie notiert 20,99 Prozent unter ihrem 50-Tage-Durchschnitt, die annualisierte 30-Tage-Volatilität liegt bei über 81 Prozent. Ein RSI von 38,8 zeigt: Das Momentum ist klar negativ gedreht, nicht überverkauft-bullisch. Kein Wunder, dass Anleger bei dieser Schwankungsbreite nervös reagieren.
Ausblick
Solange die Aufbereitungsanlage in Sangdong den Durchsatz kontinuierlich in Richtung der Phase-I-Zielgehalte steigert und die Wolfram- beziehungsweise APT-Preise nahe ihrer jüngsten Höchststände bleiben, bleibt die Chance auf eine Neubewertung in Richtung der früheren Kursspitzen intakt. Gestützt wird dieses Szenario durch die Umsatzsichtbarkeit aus dem erweiterten GTP-Vertrag.
Stockt der Hochlauf dagegen bei Erzgehalt oder Fördermenge, oder geben die Wolframpreise von ihrem aktuell erhöhten Niveau nach, könnte sich der Abstand zum 52-Wochen-Hoch weiter festigen oder sogar vergrößern. Ein Großteil der optimistischen Einschätzung hängt schließlich daran, dass Phase I von der Inbetriebnahme in einen verlässlichen kommerziellen Betrieb übergeht – nicht an der noch nicht vertraglich gesicherten Phase-II-Kapazität.
Das nächste konkrete Signal: die Geschwindigkeit, mit der sich die Erzmischung in Sangdong vom anfänglichen niedriggradigen Lagerbestand zu hochwertigerem Fördergut verschiebt. Zusammen mit den kommenden Quartalsmeldungen zu verschifften Mengen und realisierten APT-Preisen zeigt sich dann, ob die erweiterten Abnahmekonditionen tatsächlich in berichtetem Umsatz ankommen.
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