Almonty Industries hat den Sprung vom Entwickler zum Produzenten geschafft. Die Wolfram-Mine Sangdong in Südkorea läuft seit Juli 2026 im Verarbeitungsbetrieb. Im selben Zeitraum verliert die Aktie ein Viertel ihres Werts. Kein Wunder, dass Anleger nun zwei völlig gegensätzliche Geschichten erzählen.
Ausgangslage: Neuer Vertrag, neue Zahlen
Parallel zum Produktionsstart hat Almonty seinen Abnahmevertrag mit Global Tungsten & Powders (GTP) neu verhandelt. Der neue Kontrakt läuft 21 Jahre. Das Liefervolumen steigt um 40 Prozent auf 4.410.000 MTU. Zusätzlich verbessert sich der Preis um 6,3 Prozent.
Der Vertrag deckt rund 90 Prozent der Phase-1-Produktion ab. Bei aktuellen Preisen für Ammoniumparawolframat (APT) entspricht das einer erwarteten Jahresumsatzbasis von etwa 490 Millionen US-Dollar. Diese Zahl ist der Ankerpunkt für die gesamte Bewertungsdebatte.
Trotz dieser Nachricht schloss die Aktie am Freitag bei 19,25 kanadischen Dollar. Das liegt 42,28 Prozent unter dem 52-Wochen-Hoch von 33,35 kanadischen Dollar aus dem April. Der Markt hat die guten Nachrichten offenbar schon vorweggenommen – und verkauft jetzt.
Die entscheidende Frage
Kann der Produktionsstart in Sangdong die Bewertung stabilisieren? Die neue Umsatzprognose soll dabei helfen. Allerdings hat sich die Aktie zuletzt weit von ihrem Höchststand entfernt. Oder überschattet die technische Korrektur am Ende die langfristige Umsatzsicherheit aus dem GTP-Vertrag? Genau an dieser Gabelung entscheidet sich, wie es mit der Aktie weitergeht.
Bull-Szenario: Der Produzenten-Status zahlt sich aus
Die bullische These stützt sich auf zwei Säulen: die massive Ausweitung der GTP-Partnerschaft und den erfolgreichen Betriebsstart in Sangdong. Mit der 21-jährigen Abnahmevereinbarung hat Almonty den Großteil seiner Phase-1-Produktion vor kurzfristigen Marktschwankungen abgeschirmt.
Trotz des jüngsten Rückschlags steht die Aktie noch immer 209,49 Prozent höher als vor zwölf Monaten. Seit Jahresbeginn bleibt ein Plus von 59,49 Prozent. Die langfristige Wachstumsgeschichte könnte also intakt sein.
Der RSI von 38,1 nähert sich einer Zone, die manche Chartanalysten als überverkauft einstufen. Nach einem Kursrückgang von 25,45 Prozent binnen 30 Tagen könnte das Käufer anlocken, die einen Einstiegspunkt suchen. Setzt sich der Produktionshochlauf ohne größere Probleme fort, dürfte der Produzenten-Status eine Neubewertung in Richtung des 50-Tage-Durchschnitts von 24,61 kanadischen Dollar rechtfertigen.
Bär-Szenario: Das Risiko einer überkauften Story
Die bärische Sichtweise sieht in der jüngsten Kursbewegung ein klassisches Muster: Erst wird das Gerücht gekauft, dann folgt der Verkauf bei Bekanntgabe der Nachricht. Binnen sieben Tagen verlor die Aktie 17,66 Prozent. Diese scharfe Korrektur zeigt, wie riskant das Papier bleibt – die annualisierte 30-Tage-Volatilität liegt bei 84,83 Prozent.
Der Markt könnte die besten Produktionsszenarien bereits eingepreist haben. Das macht die Aktie verwundbar, sollte der Hochlauf in Phase 1 teurer werden als erwartet. Auch eine mögliche Finanzierung für eine Phase-2-Erweiterung birgt Verwässerungsrisiken, falls sie ungünstiger ausfällt als geplant.
Hinzu kommt: Die Aktie notiert 21,77 Prozent unter ihrem 50-Tage-Durchschnitt. Das deutet auf einen anhaltenden Abwärtstrend hin. Operative Meilensteine allein dürften diesen Trend kaum durchbrechen, solange die Stimmung gegenüber kleinen Minengesellschaften vorsichtig bleibt.
Ausblick: Die 200-Tage-Linie als Prüfstein
In den kommenden Monaten dürfte sich die Kursrichtung an einer einzigen Marke entscheiden: dem 200-Tage-Durchschnitt bei 18,96 kanadischen Dollar. Der Freitagsschluss liegt nur 1,53 Prozent darüber. Hält diese Unterstützung und liefert das Unternehmen belastbare Daten zu einem stabilen Durchsatz in Sangdong, bleibt das fundamentale Argument für eine Erholung intakt.
Rutscht die Aktie jedoch unter diesen Durchschnitt, könnte das eine tiefere Korrektur einläuten – in Richtung des 52-Wochen-Tiefs von 4,36 kanadischen Dollar. Der Markt würde dann die gesamte Produzenten-Prämie neu bewerten. Der nächste konkrete Prüfstein ist das erste Produktionsupdate nach dem Verarbeitungsstart im Juli: Es muss zeigen, ob die 490-Millionen-Dollar-Umsatzprognose auch operativ Substanz hat.
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