Die Marktkonstellation für Wolfram verschärft sich zugunsten westlicher Anbieter wie Almonty. Grund ist eine neue US-Exportregelung, die den Handlungsspielraum Chinas im Rohstoffmarkt weiter einschränkt.
Die US-Handelsbehörde BIS hat Anfang August eine befristete Verordnung veröffentlicht, die den Export von Wolfram-Abfällen und -Schrott aus den USA künftig auf inländische Käufer beschränkt.
Die Regel greift ab dem 27. August. Sie ist kein Beschaffungsmandat für die Verteidigungsindustrie, sichert aber sekundäre Wolfram-Rohstoffe für die heimische Weiterverarbeitung und entzieht damit chinesischen Abnehmern eine mögliche Bezugsquelle.
Für Anleger ist die Stoßrichtung entscheidend: Washington baut systematisch an einer von China unabhängigen Wolfram-Lieferkette, und Almonty gehört zu den wenigen Produzenten außerhalb Chinas, die davon profitieren könnten.
Preisdivergenz zwischen West und Ost
Der westliche Referenzpreis für Ammoniumparatungstat (APT) lag laut Marktdaten zum 14. August bei 3.087,50 US-Dollar pro MTU auf Rotterdam-Basis – fast das Neunfache des Niveaus von Anfang 2025. Gleichzeitig ist der chinesische Inlandspreis seit dem Julihoch um rund 24,6 Prozent gefallen, belastet von schwacher Nachfrage und steigenden Lagerbeständen.
Der Markt fragmentiert sich: Während der Exportpreis für westliche Käufer hoch bleibt, gibt der chinesische Binnenmarkt nach. China kontrolliert weiterhin etwa 79 Prozent der globalen Minenproduktion, was die strukturelle Angebotslücke für Produzenten außerhalb Chinas untermauert.
Genau in dieses Umfeld fällt der Produktionsstart der Sangdong-Mine in Südkorea, die im Juni mit der Verarbeitung von rund 139.700 Tonnen aufgehaldetem Erz begann. Der Umsatz der zweiten Jahreshälfte dürfte davon zunehmend profitieren, nachdem die Erlöse im zweiten Quartal noch überwiegend aus der Panasqueira-Mine in Portugal stammten.
Geschäftszahlen bestätigen den Umbruch
Almonty hatte am 11. August Zahlen für das zweite Quartal 2026 vorgelegt, die den fundamentalen Wandel des Unternehmens illustrieren: Der Umsatz stieg gegenüber dem Vorjahresquartal um 498 Prozent auf 43,0 Millionen kanadische Dollar.
Der Nettogewinn von 181,8 Millionen kanadischen Dollar wurde allerdings maßgeblich von einer nicht zahlungswirksamen Neubewertung von Derivaten und Warrants in Höhe von rund 173,1 Millionen kanadischen Dollar getrieben. Operativ bleibt das Bild solide: Die Marge im Bergbaugeschäft lag bei 60,7 Prozent, das bereinigte EBITDA drehte von minus 4,8 Millionen auf plus 17,6 Millionen kanadische Dollar.
Finanziell hat sich Almonty zudem breiter aufgestellt. Anfang August schloss das Unternehmen eine Wandelanleihe über 800 Millionen US-Dollar ab, nachdem Käufer die Aufstockungsoption in voller Höhe genutzt hatten. Zusammen mit den operativen Mittelzuflüssen wuchs die Kassenposition auf 1,23 Milliarden kanadische Dollar.
Diese Liquidität war zuletzt auch Grundlage für das am Montag angekündigte Aktienrückkaufprogramm über bis zu 300 Millionen US-Dollar, das die Aktie seither um 3,3 Prozent steigen ließ.
Vertragslage stützt die Visibilität
Anfang Juli hatte Almonty bereits die langfristige Lieferbeziehung zu Global Tungsten & Powders, einem Mitglied der Plansee Group, neu verhandelt: Die Vertragslaufzeit wurde um sechs Jahre verlängert, das kontrahierte Volumen um 40 Prozent erhöht und die Preiskonditionen um etwa 6,3 Prozent verbessert.
Solche Abnahmeverträge geben dem Unternehmen Planungssicherheit über mehrere Jahre und dürften angesichts der laufenden Neuordnung westlicher Lieferketten an Bedeutung gewinnen.
Der Analyst von GBC AG hatte am 20. August ein Kaufrating mit einem Kursziel von 30,00 US-Dollar ausgesprochen und die Umstellung von Sangdong auf den Produktionsbetrieb als entscheidenden Risikofaktor bewertet, der sich nun auflöse.
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