Der jüngste Handelstag brachte für die Aktionäre von Almonty Industries einen spürbaren Dämpfer. Am gestrigen Donnerstag gab das Papier um 4,4 Prozent auf 10,32 Euro nach. Für diese Kursbewegung lag keine neue Unternehmensmitteilung vor.
Dennoch lässt sich die Zurückhaltung an den Märkten meiner Ansicht nach nicht isoliert betrachten. Hinter den jüngsten Schwankungen steht ein Spannungsfeld aus korrigierenden Rohstoffnotierungen und den hohen Erwartungen an den Produktionsstart der Sangdong-Mine.
Rohstoffpreise bremsen die Erwartungen
Ein wesentlicher Faktor für die Nervosität im Sektor dürfte in der Entwicklung am Wolframmarkt liegen. Medienberichten zufolge gab der Preis für Ammoniumparawolframat (APT) spürbar nach und fiel von 3.050 US-Dollar auf rund 2.700 US-Dollar je metrische Tonneneinheit. Eine solche Preiskorrektur trifft ein Bergbauunternehmen genau an der empfindlichsten Stelle, nämlich bei den künftigen Erlöserwartungen.
Für mich ist die Marktreaktion daher weniger ein Misstrauensvotum gegen das Management als vielmehr eine Neubewertung des Marktumfelds. Wenn der maßgebliche Rohstoffpreis um mehr als zehn Prozent nachgibt, preisen Anleger die veränderten Margenaussichten zügig ein. Mit einem Abstand zum 52-Wochen-Hoch von minus 50 Prozent spiegelt der Kursverlauf wider, wie schnell vorschusslorbeeren an den Rohstoffmärkten wieder einkassiert werden können.
Fortschritte in Sangdong stehen im Fokus
Gleichzeitig verstellt der Blick auf die Rohstoffnotierungen leicht die Sicht auf die operativen Fakten. Vor rund zwei Wochen meldete das Unternehmen die erste Wolframproduktion in Sangdong. Auf dem 20. Internationalen Investorenforum beschrieb Vorstandschef Lewis Black den Hochlauf der Verarbeitungsanlage. Der Zeitplan steht: Die erste Verschiffung von Wolframkonzentrat ist für den 24. Oktober gebucht.
Aus meiner Sicht ist genau dieses Datum die entscheidende Wegmarke für das laufende Quartal. Schafft es das Unternehmen, die erste Schiffsladung termingerecht und in der geforderten Spezifikation auf den Weg zu bringen, verwandelt sich Sangdong endgültig von einer Erschließungsgeschichte in einen produzierenden Minenbetrieb.
Bereits am 29. September hatte das Management in einem Aktionärsbrief und Unternehmensupdate die Phase-II-Entwicklung sowie den Ausbau der Wolfram-Lieferstrategie thematisiert. Das operative Fundament wird also schrittweise gelegt.
Mehr Transparenz in der Unternehmensführung
Positiv werte ich zudem die Schritte, die das Unternehmen abseits des Tagebaus unternommen hat. Mit Wirkung zum 29. September wurde PricewaterhouseCoopers LLP als neuer Abschlussprüfer bestellt und löste Zeifmans LLP ab.
Aus den Pflichtmitteilungen geht hervor, dass dieser Wechsel nicht auf Unstimmigkeiten über Rechnungslegung oder Prüfungsumfang zurückging. Für ein wachsendes Rohstoffunternehmen bedeutet das Mandat einer international führenden Wirtschaftsprüfungsgesellschaft eine klare Stärkung der institutionellen Glaubwürdigkeit.
Zusätzlich konnte Almonty Altlasten bereinigen. Am 2. Oktober gab das Unternehmen eine rechtliche Einigung mit Pure Tungsten bekannt. Im Zuge einer Richtigstellung wurde bestätigt, dass Tiger Kim zu keinem Zeitpunkt eine Position als Vorstand, leitender Angestellter oder Direktor bei Almonty innehatte; seine Tätigkeit als unabhängiger Auftragnehmer endete bereits am 31. Dezember 2015. Solche Klarstellungen sind für Anleger unspektakulär, schaffen aber rechtliche Ruhe, die in Übergangsphasen unerlässlich ist.
Fazit: Geduld vor dem 24. Oktober
Unterm Strich überwiegen für mich die Chancen die kurzfristigen Risiken. Die gesunkenen APT-Preise mahnen zweifellos zur Vorsicht und dämpfen überzogene Gewinnerwartungen für den anfänglichen Minenbetrieb. Doch Almonty liefert operativ bislang im Rahmen des angekündigten Fahrplans.
Solange der Hochlauf in Sangdong stabil verläuft und die Auslieferung am 24. Oktober gelingt, spricht vieles dafür, dass die aktuelle Kursschwäche vor allem dem Rohstoffumfeld und nicht hausgemachten Problemen geschuldet ist.
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