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Almonty Aktie: Sangdong liefert erstes Konzentrat

Almonty startet Produktion in Südkorea und wird zum aktiven Wolfram-Förderer. Die Aktie reagiert mit einem deutlichen Kurssprung.

Die wichtigsten Punkte im Überblick

  • Erste verkaufsfähige Wolframkonzentrate produziert
  • Aktie steigt um 12,4 Prozent
  • Analysten erhöhen Kursziel auf 33 Dollar
  • Wandelanleihe belastet langfristige Kursentwicklung

Fast vier Jahre Bauzeit, dann geht es plötzlich schnell: Die Sangdong-Mine in Südkorea produziert jetzt verkaufsfähiges Wolframkonzentrat. Almonty Industries schafft damit den Sprung vom reinen Minenentwickler zum aktiven Produzenten. Die Aktie reagierte am Freitag mit einem Kurssprung von 12,4 Prozent auf 23,38 kanadische Dollar.

Der Auslöser: Sangdong läuft an

Die Aufbereitungsanlage in Sangdong verarbeitet mittlerweile rund 139.700 Tonnen Rohmaterial mit einem Wolframoxid-Gehalt von etwa 0,25 Prozent. Beim aktuellen Metallpreis entspricht dieser Bestand einem Bruttowert von schätzungsweise 68 Millionen US-Dollar. Das reicht für etwa 2,6 Monate Durchsatz in der Anfangsphase.

Die Analysten von DA Davidson honorierten den operativen Fortschritt und hoben ihr Kursziel von 25 auf 33 US-Dollar an. Begründung: Die Mine speist jetzt tatsächlich Erz durch die Mühle und produziert Konzentrat – kein theoretisches Projekt mehr, sondern laufender Betrieb.

Der Zeitplan bestätigt sich. Phase 1 wurde im März 2026 abgeschlossen, die Anlage verarbeitet nun jährlich 640.000 Tonnen Erz für 2.300 Tonnen Wolframkonzentrat. Phase 2, für 2027 angesetzt, soll den Durchsatz auf 1,2 Millionen Tonnen verdoppeln und die Wolframproduktion auf rund 4.600 Tonnen steigern.

Die Wandelanleihe bleibt ein Belastungsfaktor

Der Freitagssprung täuscht über die längerfristige Kursentwicklung hinweg. Die Aktie notiert noch immer knapp 30 Prozent unter ihrem Rekordhoch von 33,35 kanadischen Dollar, erreicht im April 2026. Auf Wochensicht steht trotz der guten Nachrichten nur ein Plus von gut einem Prozent zu Buche.

Der Grund für die Zurückhaltung liegt in einer milliardenschweren Finanzierung vom Juni. Almonty platzierte Wandelanleihen im Volumen von 800 Millionen US-Dollar – aufgestockt von ursprünglich 700 Millionen, nachdem institutionelle Investoren die volle Mehrzuteilungsoption zogen. Die Notes laufen bis 2031, tragen einen Kupon von 2,25 Prozent und einen Wandlungspreis von 27,40 US-Dollar je Aktie.

Diese Finanzierung hat bereits Spuren in der Bilanz hinterlassen. Nicht-zahlungswirksame Neubewertungen der eingebetteten Derivate trugen zu einem Nettoverlust von 161,9 Millionen US-Dollar im Geschäftsjahr 2025 bei – davon allein 87,3 Millionen aus Derivatebewertungen. Paradox dabei: Ausgelöst wurden diese Belastungen ausgerechnet durch den steigenden Aktienkurs.

Almonty hat parallel 83 Millionen US-Dollar für einen Anti-Verwässerungsschutz zurückgelegt. Dieser Baustein soll Investoren vor den üblichen Verwässerungseffekten einer so großen Wandelanleihe schützen. Zusätzlich behält sich das Unternehmen vor, Wandlungen in bar statt in Aktien zu begleichen – eine Option, die den Verwässerungsdruck weiter begrenzen könnte.

Charttechnik und Indexeffekt

Die 50-Tage-Linie und die 100-Tage-Linie verlaufen beide nahe 25,40 kanadischen Dollar und bilden damit einen Widerstand. Aktuell liegt die Aktie knapp 8 Prozent unter diesem 50-Tage-Schnitt – die Marke muss für eine nachhaltige Trendwende erst noch überwunden werden.

Ende Juni kam ein zusätzlicher Rückenwind hinzu: Almonty wurde im Rahmen der jährlichen Neugewichtung in die großen Russell-Indizes aufgenommen. Das trieb die Handelsvolumina und rückte die Aktie ins Blickfeld von Fondsmanagern, die diese Indizes abbilden.

Auch die Rohstoffpreise spielen Almonty in die Karten. Chinesische Exportkontrollen, eingeführt Anfang 2025, ließen die globalen Wolframpreise um mehr als 550 Prozent steigen. Die europäischen APT-Preise kletterten zwischen Mitte Februar und Ende März 2026 von rund 1.800 auf über 3.100 US-Dollar je Tonneneinheit. Molybdän, ein Nebenprodukt der Förderung, lieferte im Mai einen zusätzlichen Preisschub.

Bilanz bleibt angespannt

Operativ zeigt Almonty erste handfeste Fortschritte. Der Umsatz im ersten Quartal stieg um 221 Prozent auf 25,4 Millionen kanadische Dollar. Das bereinigte EBITDA drehte von minus 2,4 Millionen auf plus 6,1 Millionen kanadische Dollar ins Positive.

Auch der operative Cashflow wurde mit 9,7 Millionen kanadischen Dollar erstmals positiv. Zum 31. März verfügte das Unternehmen über liquide Mittel von 259,9 Millionen kanadischen Dollar und ein Working Capital von 169,5 Millionen – wohlgemerkt noch vor der jüngsten Anleiheplatzierung.

Wer die Aktie schon länger hält, wurde belohnt. Über zwölf Monate hat sich der Kurs mehr als verdreifacht, seit Jahresbeginn steht ein Plus von 94 Prozent zu Buche. Vom 52-Wochen-Tief bei 4,36 kanadischen Dollar im Juli vergangenen Jahres aus betrachtet, wirkt der Anstieg noch deutlicher. Bei einer annualisierten 30-Tage-Volatilität von rund 97 Prozent bleibt die Aktie aber ein Papier für Anleger mit starken Nerven.

Bis zum nächsten Quartalsbericht dürfte der Kurs vor allem auf zwei Faktoren reagieren: Bewegungen beim Wolframpreis und neue Details zu den Wandlungsbedingungen der Anleihe. Die Widerstandszone bei 25,40 kanadischen Dollar bleibt dabei die technische Marke, an der sich ein nachhaltiger Ausbruch entscheiden dürfte.

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Diskussion zu Almonty

Felix Baarz

Felix Baarz ist Wirtschaftsjournalist mit mehr als 15 Jahren Erfahrung in der Berichterstattung über internationale Finanzmärkte. Als gebürtiger Kölner begann er seine Laufbahn bei einer deutschen Fachpublikation, bevor er für sechs Jahre nach New York zog.

In New York berichtete er direkt aus dem Zentrum der globalen Finanzwelt über Entwicklungen an der Wall Street und wirtschaftspolitische Entscheidungen von internationaler Tragweite. Diese Zeit prägte seine analytische Herangehensweise an komplexe Wirtschaftsthemen.

Heute arbeitet Baarz als freier Journalist für führende deutschsprachige Wirtschafts- und Finanzmedien. Seine Schwerpunkte liegen auf der fundierten Analyse globaler Finanzmärkte und der verständlichen Aufbereitung wirtschaftspolitischer Zusammenhänge. Neben seiner schriftlichen Arbeit moderiert er Fachdiskussionen und nimmt an Expertenrunden teil.

Sein journalistischer Ansatz kombiniert tiefgreifende Recherche mit präziser Analyse, um Lesern Orientierung in einer sich wandelnden Wirtschaftswelt zu bieten.