Nach sieben Tagen im freien Fall dreht Almonty Industries. Die Aktie legte am Donnerstag 6,39 Prozent auf 22,65 CAD zu — eine erste Gegenbewegung nach einem Rückgang von über 21 Prozent in der Vorwoche. Hinter der Erholung stecken gleich drei Ereignisse, die sich am 9. Juni überlagert haben.
Hauptversammlung und Anleihe: Zwei Weichen gestellt
Die Jahreshauptversammlung in Toronto verlief ohne Überraschungen. Alle sieben Vorstandsmitglieder wurden bestätigt, die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Zeifmans LLP mit breiter Mehrheit wiederberufen. Das Ergebnis ist unspektakulär — und genau das ist der Punkt. Governance-Unsicherheiten scheiden damit als Risikofaktor aus.
Zeitgleich schloss Almonty eine überzeichnete Wandelanleihe ab. Das Volumen: 700 Millionen US-Dollar, Laufzeit bis 2031, Kupon 2,25 Prozent. Der Wandlungspreis liegt rund 32,5 Prozent über dem Schlusskurs vom 4. Juni. Hinzu kommt eine Kaufoption für die Erstkäufer über weitere 100 Millionen US-Dollar. Das Kapital stärkt die Bilanz — löste aber zuvor den Ausverkauf aus, weil Märkte die mögliche Verwässerung einpreisten.
Russell-Aufnahme als struktureller Nachfrageschub
Der eigentliche Kurstreiber steht noch bevor. Ab dem 29. Juni soll Almonty in den Russell 1000 und den Russell 3000 aufgenommen werden — so zeigt es die vorläufige Liste von FTSE Russell vom 22. Mai. Rund 12,2 Billionen US-Dollar sind gegen die Russell-Indizes benchmarkt. Index-ETFs und Fonds müssen Almonty dann anteilig halten. Das schafft systematische Kaufnachfrage, die bisher schlicht nicht existierte.
Die Aufnahme in den Russell 3000 zieht automatisch die Mitgliedschaft im Large-Cap Russell 1000 nach sich — inklusive der entsprechenden Wachstums- und Wertindizes.
Sangdong und die Wolfram-Lücke
Almontys Kernasset ist die Sangdong-Mine in Südkorea — historisch eine der größten und erzreichsten Wolfram-Lagerstätten weltweit. Eine geplante Phase-2-Erweiterung soll 2027 die Verarbeitungskapazität auf rund 1,2 Millionen Tonnen Erz pro Jahr steigern. Das würde die Wolfram-Produktion auf etwa 4.600 Tonnen jährlich verdoppeln. Bei voller Kapazität könnte Sangdong rund 40 Prozent der globalen Wolfram-Nachfrage außerhalb Chinas decken — ein strategisch relevanter Wert angesichts chinesischer Exportbeschränkungen und US-amerikanischer Beschaffungsverbote.
Trotz des Jahresgewinns von 88 Prozent notiert die Aktie noch 32 Prozent unter ihrem April-Hoch von 33,35 CAD. Der RSI liegt bei 41 — technisch noch kein überkauftes Terrain. Ob die Kombination aus bereinigter Bilanz, stabiler Unternehmensführung und dem bevorstehenden Index-Eintritt reicht, um die Lücke zum April-Hoch zu schließen, entscheidet sich in den nächsten drei Wochen vor dem Reconstitution-Datum.
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