Almonty steht vor entscheidenden Wochen. Die Aktie konsolidiert derzeit bei 26,28 kanadischen Dollar. Zuvor erlebte das Papier eine massive Rally. Seit Jahresbeginn steht ein Plus von rund 118 Prozent auf der Anzeigetafel. Im Juli 2026 stoppen zwei japanische Chemiekonzerne ihre Produktion von Wolframhexafluorid. Dieses Gas ist für die Halbleiterindustrie unverzichtbar. Almonty fährt exakt jetzt die erste Phase seiner Sangdong-Mine in Südkorea hoch. Der Konzern positioniert sich als westliche Alternative für Chipriesen wie Samsung und TSMC.
Die entscheidende Frage
Reicht die operative Stabilität der neuen Anlage in Sangdong aus, um das drohende Angebotsvakuum im Juli zu füllen? Diese Frage entscheidet über die aktuelle Marktbewertung von 4,68 Milliarden Euro. Ein Blick auf die Szenarien zeigt die Spannweite der möglichen Entwicklung.
Bullen-Szenario: Strategische Knappheit und Index-Fantasie
Für weiter steigende Kurse spricht eine seltene Mischung aus fundamentalem und technischem Rückenwind. Der japanische Produktionsstopp im Juli dürfte eine sofortige Angebotslücke bei hochreinen Wolframprodukten aufreißen. Almonty hat die erste Phase in Sangdong bereits in Betrieb genommen. Im ersten Quartal 2026 meldete der Konzern ein dreistelliges Umsatzwachstum. Damit steht das Unternehmen als einziger westlich orientierter Produzent bereit.
Am 29. Juni 2026 rückt die Aktie in die Indizes Russell 1000 und Russell 3000 auf. Diese Umstufung könnte massive institutionelle Käufe auslösen. Indexfonds müssen die Papiere dann erwerben. Das könnte den jüngsten Kursrückgang von gut 21 Prozent seit dem April-Hoch umkehren.
Parallel dazu läuft ein Bohrprogramm für ein angrenzendes Molybdän-Projekt. Bisher sind 37 Prozent der Arbeiten abgeschlossen. Die bestätigten Erzgehalte könnten Almonty zu einem Rohstoff-Hub für die Rüstungsindustrie machen.
Bären-Szenario: Hohe Volatilität und teure Expansion
Die Gegenthese fokussiert sich auf die extreme Schwankungsbreite und operative Risiken. Die annualisierte 30-Tage-Volatilität liegt bei über 95 Prozent. Solche heftigen Ausschläge schrecken konservative Investoren ab.
Trotz eines Jahresgewinns von beeindruckenden 445 Prozent schwächelt das kurzfristige Momentum. Der Kurs notiert aktuell rund drei Prozent unter der 50-Tage-Linie von 27,20 Dollar.
Kritiker verweisen auf den enormen Kapitalbedarf für die zweite Ausbauphase. Bis 2027 will das Management die Kapazität verdoppeln. Das belastet die Bilanz schwer. Die Folge: Verzögert sich das Hochfahren der Anlage oder enttäuschen die Ausbeuteraten, droht ein Bewertungsabschlag. Der Kurs notiert immer noch fast 48 Prozent über seinem 200-Tage-Durchschnitt von 17,79 Dollar. Hier besteht reichlich Fallhöhe für eine tiefere Korrektur.
Ausblick: Bewährungsprobe Ende Juni
Die weitere Richtung hängt von der erfolgreichen Integration in die globale Halbleiter-Lieferkette ab. Solange der Kurs die 200-Tage-Linie verteidigt, bleibt der langfristige Aufwärtstrend intakt. Kurzfristig muss die Aktie jedoch den 50-Tage-Durchschnitt bei 27,20 Dollar zurückerobern.
Der nächste konkrete Impuls folgt am 29. Juni mit der Russell-Aufnahme. Federt dieses Ereignis den jüngsten Verkaufsdruck ab, rückt das 52-Wochen-Hoch bei 33,35 Dollar wieder ins Visier. Der Markt dürfte dann den japanischen Lieferausfall im Juli einpreisen. Verpufft die Index-Aufnahme ohne Kurserholung, droht eine längere Seitwärtsphase. Investoren warten dann auf Fortschrittsberichte zur zweiten Ausbauphase. In den kommenden Wochen entscheiden zwei Faktoren: die Stabilität des Wolfram-Spotpreises und offizielle Updates zu den Molybdän-Schätzungen.
