Almonty Industries hat einen zentralen Etappensieg erreicht: Im Juni 2026 begann das Unternehmen, gelagertes Erz in der südkoreanischen Sangdong-Mine zu verarbeiten und produzierte damit erstmals verkaufsfähiges Wolframkonzentrat. Der Vorrat umfasst rund 139.700 Tonnen Erz mit einem Wolframoxidgehalt von 0,25 Prozent und einem geschätzten Bruttowert von etwa 68 Millionen US-Dollar. Für den Produktionshochlauf setzt Almonty zunächst auf niedriger gradiges Material, um einen stabilen Anlauf sicherzustellen.
Der Zeitpunkt könnte kaum günstiger sein. Die Preise für Ammoniumparawolframat (APT) notieren in Rotterdam bei über 3.000 US-Dollar je Tonne und damit auf Rekordniveau. Hintergrund sind chinesische Exportbeschränkungen für Wolfram, die den westlichen Markt zunehmend unter Druck setzen. Wolfram gilt als kritisches Mineral für Verteidigung, Luft- und Raumfahrt sowie Elektronik – ein Umstand, der die strategische Bedeutung von Sangdong als eine der wenigen relevanten Lagerstätten außerhalb Chinas unterstreicht.
Rückzug von der TSX zum Monatsende
Parallel zur operativen Entwicklung vollzieht Almonty einen strukturellen Schritt: Das Unternehmen zieht sich zum 31. Juli 2026 freiwillig von der Toronto Stock Exchange zurück. Die entsprechende Mitteilung ging bereits am 17. Juli per Formular 6-K bei der US-Börsenaufsicht SEC ein, unterzeichnet von CEO Lewis Black. Der Handel der Aktie läuft künftig ausschließlich über Nasdaq, die australische Börse ASX sowie in Frankfurt weiter. Für Anleger in Kanada bedeutet das einen Wechsel des primären Handelsplatzes, ohne dass sich am operativen Geschäft etwas ändert.
Finanziell hat sich Almonty zuletzt zusätzlichen Spielraum verschafft: Eine Wandelanleihe über 700 Millionen US-Dollar wurde platziert, der Nettoerlös belief sich auf rund 772,7 Millionen US-Dollar. Damit dürfte der Ausbau der Sangdong-Kapazitäten, einschließlich der geplanten Phase II und eines Molybdänprojekts, weitgehend finanziert sein.
Abnahmevertrag verlängert, Sphene Capital bleibt bei Kaufempfehlung
Auf der Vertriebsseite hat Almonty sein Abnahmeabkommen mit Global Tungsten & Powders, einem Unternehmen der Plansee Group, deutlich ausgeweitet. Die Laufzeit wächst von 15 auf 21 Jahre, das Volumen steigt um 40 Prozent auf 4,41 Millionen MTU, der Preis legt um 6,3 Prozent zu. Der Vertrag deckt rund 90 Prozent der Phase-I-Produktion ab und soll zusätzlich mindestens 30 Millionen US-Dollar Jahresumsatz einbringen. GTP beliefert unter anderem US-Verteidigungs- und Industrieketten, was Almonty als verlässlichen Abnehmer sichert.
Das Analysehaus Sphene Capital bestätigte am 20. Juli seine Kaufempfehlung für Almonty und hob das Kursziel von 38,90 auf zuvor 37,40 kanadische Dollar an, angesetzt auf einen Anlagehorizont von 36 Monaten. Analyst Peter Thilo Hasler begründet die Anhebung mit der verlängerten Abnahmevereinbarung und der damit verbundenen höheren Umsatzsichtbarkeit. Bezogen auf den Schlusskurs von 19,25 kanadischen Dollar am Freitag ergibt sich daraus ein rechnerisches Kurspotenzial von gut 102 Prozent.
Kursbild bleibt volatil
Trotz der positiven operativen und analytischen Nachrichten zeigt sich die Aktie zuletzt angeschlagen. Der aktuelle Kurs liegt bei 19,45 kanadischen Dollar, ein Plus von 1,04 Prozent im Tagesverlauf. Auf Monatssicht steht dennoch ein Rückgang von 27,07 Prozent zu Buche, und zum 52-Wochen-Hoch von 33,35 kanadischen Dollar, erreicht Mitte April 2026, fehlen der Aktie aktuell 41,68 Prozent. Der Rücksetzer relativiert sich allerdings im längerfristigen Bild: Seit Jahresbeginn steht dennoch ein Plus von über 61 Prozent, auf Zwölfmonatssicht sogar von mehr als 214 Prozent zu Buche.
Die Gemengelage aus operativem Fortschritt, gesicherter Finanzierung und institutioneller Rückendeckung durch Sphene Capital trifft damit auf eine Aktie, die nach einem starken Lauf zuletzt kräftig konsolidiert hat. Ob der Produktionsstart in Sangdong den erhofften fundamentalen Umschwung einleitet, dürfte sich in den kommenden Quartalen an den tatsächlichen Verkaufsmengen und Erlösen zeigen.
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