Fast 20,62 Euro erreichte die Almonty-Aktie Mitte April, mittlerweile notiert das Papier gut ein Viertel darunter. Wer auf den Kursverlauf der vergangenen Wochen schaut, sieht eine Konsolidierung nach einer außergewöhnlichen Rally – seit Jahresbeginn steht dennoch ein Plus von 91 Prozent zu Buche. Die entscheidende Frage für Anleger: Trägt das operative Fundament des Wolfram-Förderers diese Bewertung noch, oder war der Anstieg reine Fantasie?
Ein Blick in die Zahlen liefert eine erste Antwort. Im zweiten Quartal 2026 stieg der Umsatz um 498 Prozent auf 43,0 Millionen US-Dollar, aus einem Verlust von 58,2 Millionen US-Dollar im Vorjahresquartal wurde ein Nettogewinn von 181,8 Millionen US-Dollar. Das bereinigte EBITDA drehte von minus 4,8 Millionen auf plus 17,6 Millionen US-Dollar.
Schon im ersten Quartal hatte Almonty operativ die Wende geschafft, getrieben vom deutlich gestiegenen Spotpreis für Wolfram-APT und einer stabilen Förderung im Werk Panasqueira.
Kapitalbasis auf solidem Fundament
Untermauert wird die operative Erholung durch eine massiv gestärkte Bilanz. Almonty schloss im Zuge der Quartalszahlen eine überzeichnete Wandelanleihe über 800 Millionen US-Dollar ab und verfügt nun über eine Kassenposition von umgerechnet 1,2 Milliarden kanadischen Dollar.
Diese Finanzkraft dürfte dem Unternehmen erlauben, den Ausbau der Förderprojekte Sangdong und Browns Lake sowie die geplante Kapazität für Wolframoxid-Downstream-Produkte ohne akuten Finanzierungsdruck voranzutreiben.
Der Kursrückgang der vergangenen Wochen relativiert sich vor diesem Hintergrund. Auf 30-Tage-Sicht steht sogar ein Plus von 31 Prozent, und die Aktie notiert weiterhin deutlich über ihren gleitenden Durchschnitten – 14 Prozent über der 50-Tage-Linie, 17 Prozent über dem 200-Tage-Schnitt.
Der Relative-Stärke-Indikator von 57,3 signalisiert dabei weder Überhitzung noch Schwäche, sondern einen ausgeglichenen Trend nach der vorangegangenen Kursverdreifachung binnen zwölf Monaten.
Strukturelle Neuausrichtung begleitet den Aufstieg
Parallel zur operativen Entwicklung hat Almonty in den vergangenen Monaten seine Unternehmensstruktur konsequent auf den US-Markt ausgerichtet. Die Verlegung des Firmensitzes von Toronto nach Dillon im US-Bundesstaat Montana, die Berufung von Jorge Beristain zum Chief Financial Officer im Juni sowie der geregelte Rückzug von der Toronto Stock Exchange und der australischen Börse fügen sich zu einem klaren Bild: Almonty positioniert sich als US-fokussierter Anbieter im Aufbau westlicher Wolfram-Lieferketten, fernab chinesischer Dominanz in diesem Rohstoffsegment.
Für Anleger bleibt die hohe Schwankungsbreite der Aktie ein Risikofaktor – die annualisierte 30-Tage-Volatilität liegt bei 87 Prozent, ein Vielfaches dessen, was etablierte Standardwerte aufweisen. Wer in Almonty investiert, kauft damit weiterhin eine Wette auf den westlichen Rohstoff-Reshoring-Trend, nun aber mit einer Bilanz, die diese Wette deutlich besser abgesichert erscheinen lässt als noch vor einem Jahr.
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