Almonty hat in Sangdong den ersten Container mit Wolframkonzentrat auf den Weg gebracht. Es ist die erste Lieferung aus der südkoreanischen Mine seit mehr als 30 Jahren. Wird daraus ein verlässlicher Lieferfluss, der einen 21-jährigen Abnahmevertrag und den Anspruch als westliche Wolframquelle trägt, oder bleibt es vorerst bei einem einzelnen Meilenstein? Darüber sprechen wir mit Dieter Jaworski.

Almonty (CA0203987072) — Schlusskurse 04.05.2026 bis 28.10.2026, Angaben in EUR. Stand: 28.10.2026.
Kapitalmarktexperten Redaktion: Spitzen wir das größte Einzelrisiko zu. Angenommen, Sangdong verschifft diesen ersten Container und gerät dann für Monate ins Stottern. Was kostet das die Aktionäre?
Dieter Jaworski: Mehr, als viele glauben. Almonty hat das Geschäftsjahr 2025 mit klar negativem Free Cashflow abgeschlossen, also mit mehr Geldabfluss für Investitionen, als das laufende Geschäft hereingeholt hat.
Parallel dazu laufen Phase II in Sangdong, die Programme in Los Santos und Ruanda und das Gentung-Projekt in Montana. Das ist ein Unternehmen, das Geld ausgibt und den Rückfluss erst noch beweisen muss. Stockt Sangdong, fehlt genau die Einnahmequelle, die diese ganze Ausbaugeschichte finanzieren soll.
Dann wird frisches Kapital nötig, und zwar zu einem Zeitpunkt, an dem der Markt ohnehin misstrauisch ist. So entsteht Verwässerung: Neue Aktien werden billig ausgegeben, und die Altaktionäre zahlen die Verzögerung. Den Wolframpreis halte ich daneben für das kleinere Risiko. Ein schwacher Preis tut weh. Eine Mine, die nicht liefert, tut sehr viel mehr weh.
Kapitalmarktexperten Redaktion: Das klingt arg schwarz. Almonty hat einen Abnahmevertrag mit Global Tungsten & Powders über 21 Jahre, der rund 90 Prozent der geplanten Phase-I-Produktion abdeckt. Ist das Absatzrisiko damit nicht weitgehend erledigt?
Dieter Jaworski: Ein Vertrag hilft nur, wenn man liefern kann. Der Kunde zahlt für Ware, die ankommt, nicht für Ware, die im Berg liegt. Für später ist das ein gutes Sicherheitsnetz. Für die nächsten Monate schützt es kaum.
Kapitalmarktexperten Redaktion: Wie viel Erwartung steckt denn heute im Kurs, und was muss das Geschäft davon erst noch belegen?
Dieter Jaworski: Der Kurs bezahlt heute einen Produzenten auf Probe. Man sieht das am Abnahmevertrag. Die Vertragsmenge liegt bei 4,41 Millionen MTU, das ist die Handelseinheit für Wolframkonzentrat, und die vereinbarten Preise wurden im Juli 2026 um gut sechs Prozent verbessert.
Würde der Markt diese Mengen als gesichert einpreisen, sähe die Bewertung anders aus. Er tut es nicht, weil die Mengen erst entstehen müssen. Hinzu kommt, dass Almonty den starken Umsatzanstieg zuletzt selbst überwiegend höheren Wolframpreisen zugeschrieben hat.
Eine Marge, die über einen ganzen Preiszyklus hält, ist also noch nicht nachgewiesen. Meine Bedingung ist deshalb schlicht: Erst wenn Sangdong über zwei aufeinanderfolgende Quartale regelmäßig liefert, behandle ich den Hochlauf als belegt. Bis dahin ist der Abschlag im Kurs kein Versehen des Marktes.
Kapitalmarktexperten Redaktion: Sie sagen, „der Kurs bezahlt heute einen Produzenten auf Probe“. Nach Unternehmensangaben läuft der Mahlkreislauf aber bereits mit vollem Durchsatz, und das erste Schiff war für den 24. Oktober gebucht. Ist die Probe nicht längst bestanden?
Dieter Jaworski: Bestanden ist der erste Teil. Voller Durchsatz in der Mühle sagt mir, dass die Anlage technisch läuft, und das erkenne ich ausdrücklich an. Er sagt mir aber noch nichts über die Ausbeute im Dauerbetrieb, über Stillstände oder darüber, wie schnell der nächste Container folgt.
Genau da schaue ich hin. Die Größe, an der ich meine These laufend messe, ist der Abstand zwischen den Lieferungen aus Sangdong. Kommen die Container in einem festen, kurzen Takt, dann war meine Vorsicht übertrieben, und das sage ich dann auch.
Werden die Abstände unregelmäßig oder länger, kippt mein Szenario in Richtung des Verlustfalls, über den wir eingangs gesprochen haben. Ein Schiff ist ein Datum. Zehn Schiffe sind ein Betrieb.
Kapitalmarktexperten Redaktion: Ihr Niveau liegt praktisch auf dem Analysten-Konsens. Parallel dazu haben B. Riley und Cannon ihre Kursziele gesenkt, und Deutsche Rohstoff hat als Großaktionär zuvor Aktien verkauft. Laufen Sie da nicht einer Herde hinterher, die gerade den Rückzug antritt?
Dieter Jaworski: In Ihrer Frage stecken zwei Vorgänge, die miteinander wenig zu tun haben. Die Kurszielsenkungen sind Bewertungsarbeit: B. Riley ist von 25 auf 20 US-Dollar heruntergegangen und hält an der Kaufempfehlung fest, ausdrücklich mit Blick auf den Hochlauf in Sangdong. Ein Rückzug sieht anders aus.
Die Verkäufe von Deutsche Rohstoff sind dagegen die Portfolioentscheidung eines einzelnen Aktionärs, und nach dessen eigener Mitteilung ist seit Mitte Juli nichts mehr dazugekommen. Das beruhigt mich etwas, garantiert aber nichts für die Zukunft. Mein faires Niveau sehe ich bei rund 18 Euro.
Dass der Konsens ähnlich rechnet, ist für mich kein Argument, eher eine Warnung vor Bequemlichkeit. Wo ich vom Konsens abweiche, ist die Zeitachse. Die Spanne der Kursziele reicht weit auseinander, und das verrät, wie unsicher alle beim Tempo des Hochlaufs sind. Ich traue dem Zeitplan weniger als die meisten Häuser.
Kapitalmarktexperten Redaktion: Sie haben eine klare Bedingung genannt: zwei aufeinanderfolgende Quartale mit regelmäßigen Lieferungen aus Sangdong. Bis diese Bedingung erfüllt ist, rechtfertigt die mögliche Chance dann das Verlustrisiko einer Verwässerung, oder tut sie es nicht?
Dieter Jaworski: Sie rechtfertigt es, aber nur für jemanden, der den Verlustfall vorher zu Ende gedacht hat. Die Chance ist groß, weil der Kurs den Hochlauf bislang kaum bezahlt und der politische Rückenwind aus China-Exportkontrollen und US-Herkunftsregeln echt ist.
Das Risiko ist ebenfalls groß, und es konzentriert sich auf eine einzige Stelle: den Takt der Lieferungen. Ich gewichte diese Asymmetrie leicht positiv, mit einem schweren Vorbehalt beim Zeitplan. Wer hier investiert, wettet nicht auf Wolfram. Er wettet auf einen Fahrplan.
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