Fast eine Milliarde kanadische Dollar mehr Bargeld in nur sechs Monaten. Almonty Industries hat seine Bilanz in der ersten Jahreshälfte 2026 komplett umgebaut. Der Wolfram-Spezialist zahlte zudem seinen kompletten Kreditvertrag bei der KfW IPEX-Bank vollständig zurück.
Zum 30. Juni 2026 verfügte das Unternehmen über 1,2 Milliarden kanadische Dollar in bar. Zum Vergleich: Ende 2025 waren es gerade einmal 268,4 Millionen kanadische Dollar. Der Sprung geht vor allem auf eine überzeichnete Wandelanleihe über 800 Millionen US-Dollar zurück.
Schuldenfrei und finanziell flexibel
Die Rückzahlung des KfW-Kredits erfolgte nach Ende des zweiten Quartals. Sie beseitigt eine zentrale Verbindlichkeit aus der Bilanz. CEO Lewis Black erklärte, die neue Liquidität erlaube es dem Konzern, seine globalen Projekte parallel statt nacheinander voranzutreiben.
Dazu zählen das Gentung-Wolframprojekt in Montana sowie der Ausbau der Mine Panasqueira in Portugal. Beide Vorhaben sollen künftig gleichzeitig statt schrittweise entwickelt werden.
Umsatz explodiert im zweiten Quartal
Die operativen Zahlen für die drei Monate bis Ende Juni zeigen einen deutlichen Sprung. Der Bruttoumsatz stieg auf 43,0 Millionen US-Dollar. Das sind 498 Prozent mehr als im Vorjahresquartal, als Almonty lediglich 7,2 Millionen US-Dollar umsetzte.
Das bereinigte EBITDA drehte auf plus 17,6 Millionen US-Dollar, nach einem Verlust von 4,8 Millionen US-Dollar im Vorjahreszeitraum. Der operative Gewinn aus dem Bergbaugeschäft erreichte 26,1 Millionen US-Dollar. Vor einem Jahr stand hier noch ein Verlust von 0,9 Millionen US-Dollar.
Treiber dieses Wachstums ist die Inbetriebnahme der Sangdong-Wolframmine in Südkorea. Almonty meldete für das Quartal einen Erzvorrat von rund 139.700 Tonnen mit einem durchschnittlichen Gehalt von 0,25 Prozent Wolframtrioxid. Ziel ist eine Verarbeitungskapazität von 640.000 Tonnen pro Jahr in der ersten Ausbaustufe.
Neue Führung, neuer Standort
Der Wandel vom Entwickler zum Großproduzenten zeigt sich auch in der Konzernstruktur. Am 1. Juni 2026 übernahm Jorge Beristain den Posten des Finanzvorstands von Brian Fox. Zeitgleich verlegte Almonty seinen Firmensitz offiziell von Toronto nach Dillon im US-Bundesstaat Montana.
Der Umzug in die USA und die neue Finanzchefposition sollen die Integration in westliche Lieferketten für strategische Metalle stärken. Almonty ist zudem kürzlich in die Aktienindizes Russell 1000 und Russell 3000 aufgenommen worden. Das spiegelt die gewachsene Marktkapitalisierung und die zunehmende institutionelle Aufmerksamkeit wider.
Ausbaupläne und starke Preise
Während die erste Phase in Sangdong noch hochgefahren wird, plant Almonty bereits die zweite Ausbaustufe. Diese ist bereits vollständig genehmigt und würde die Verarbeitungskapazität auf 1,2 Millionen Tonnen pro Jahr verdoppeln.
Hinzu kommt ein erweiterter Liefervertrag mit Global Tungsten & Powders. Die Laufzeit verlängert sich um sechs Jahre, das Volumen steigt um 40 Prozent. Der europäische APT-Durchschnittspreis lag im Quartal bei 3.075 US-Dollar pro MTU — ein Umfeld, von dem Almonty als Zulieferer für Verteidigung, Luftfahrt und Energiesektor profitieren dürfte.
Mit voller Kriegskasse, getilgten Schulden und einer laufenden Produktionshochlaufphase in Südkorea hat Almonty in wenigen Monaten den Sprung vom Projektentwickler zum etablierten Produzenten vollzogen.
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