Ein Metall steckt in jedem modernen KI-Chip. Es hat kein eigenes Börsenkürzel, keinen ETF, keinen Reddit-Thread. Es heißt Wolfram — und die vergangene Woche könnte der Moment gewesen sein, in dem die Welt endlich das Ausmaß der Versorgungskrise begriffen hat.
Almonty schloss den Freitag bei 26,67 CAD. Das entspricht einem Plus von 7,76 Prozent in den vergangenen sieben Handelstagen und einem Jahresgewinn von 121,70 Prozent. Diese Zahlen entstammen keinem Hype-Zyklus. Sie sind das Ergebnis eines strukturellen Bruchs in globalen Lieferketten — einem Bruch, der jetzt bis ins Herz der Halbleiterindustrie reicht.
Eine Krise, die sich lange ankündigte
Zwei japanische Chemieunternehmen — Kanto Denka und Central Glass — haben wichtigen Kunden mitgeteilt, dass sie die Produktion von Wolframhexafluorid (WF₆) ab dem 1. Juli 2026 einstellen werden. Nicht wegen schwacher Nachfrage. Japans Versorgung mit hochreinem Wolframpulver ist zusammengebrochen, nachdem Chinas verschärfte Exportkontrollen den Zugang zu diesem Vorprodukt abgeschnitten haben.
Zusammen stehen diese beiden Anbieter für rund ein Viertel der globalen WF₆-Kapazität. Der Ausfall trifft direkt TSMC, Samsung und SK Hynix — alle abhängig von Zulieferern, die dieses Material verarbeiten. WF₆ ist unverzichtbar für die Herstellung von 3D-NAND-Speicher, HBM und fortgeschrittenen Logikchips. Kein Ersatz auf Knopfdruck: Das Gas verlangt eine Reinheit von 99,999 Prozent und mehr. Fab-Betreiber können nicht einfach auf einen anderen Lieferanten umsteigen.
Die Zertifizierung neuer Kapazitäten dauert 18 bis 24 Monate. Das bedeutet: Diese Knappheit bleibt mindestens bis 2027.
China dreht den Hahn zu — Almonty öffnet einen neuen
Das WF₆-Problem ist nur die Spitze. Das eigentliche Problem sitzt eine Ebene höher: Chinas Kontrolle über Roh-Wolfram.
Im Februar 2025 führte China Exportgenehmigungspflichten für Wolfram ein. Was vorher durch kommerzielle Kanäle floss, unterliegt seitdem staatlicher Steuerung. Bis Anfang 2026 hatten die Exportrestriktionen China als verlässlichen Lieferanten für internationale Märkte faktisch eliminiert. APT-Exporte sanken auf nahezu null. Der Wolframpreis stieg 2025 um mehr als 160 Prozent. WF₆ verteuerte sich gegenüber dem Vorjahr um über 200 Prozent.
In diesem Umfeld ist Almonty keine Nischenstory mehr. Das Unternehmen ist der größte westlich ausgerichtete Wolframproduzent — und der einzige in den USA ansässige Anbieter, der aktuell produziert. Die Sangdong-Mine in Südkorea soll nach Erreichen der Vollkapazität ein wesentlicher Pfeiler der Wolfram-Versorgung außerhalb Chinas werden.
Molybdän: Eine zweite Front öffnet sich
Was diese Woche besonders bemerkenswert macht: Almonty ist längst nicht mehr nur eine Wolfram-Geschichte.
Am 16. Juni 2026 meldete das Unternehmen Fortschritte bei seinem Bohrprogramm am Sangdong-Molybdän-Projekt — direkt neben der bestehenden Wolfram-Mine in der Provinz Gangwon. Südkorea erlebt gerade eine Molybdän-Versorgungskrise. Die nationalen Lagerbestände sind kritisch niedrig. Die Regierung hat öffentliche Bekanntmachungen herausgegeben, in denen private Unternehmen aufgefordert werden, Molybdän zu sichern.
Bisher wurden rund 37 Prozent der 26 geplanten Bohrlöcher abgeteuft — insgesamt sind 12.000 Meter vorgesehen. Die bisherigen Analyseergebnisse entsprechen historischen Bohrwerten. Molybdän findet zunehmend Verwendung in Halbleitern und erneuerbaren Energien.
Der Sangdong-Standort sitzt auf zwei strategischen Metallen. In einem Land, das beide dringend braucht. Das ist kein Zufall.
Technisches Bild: Konsolidierung nach dem Sprint
Nach dem 52-Wochen-Hoch von 33,35 CAD im April hat die Aktie rund 20 Prozent korrigiert. Sie konsolidiert knapp unterhalb des 50-Tage-Durchschnitts von 27,21 CAD — ein kurzfristiger Widerstand. Der 200-Tage-Durchschnitt liegt bei 17,59 CAD; die Aktie notiert 51,59 Prozent darüber. Das zeigt, wie stark die fundamentale Neubewertung dieser Geschichte in den vergangenen zwölf Monaten war.
Ein RSI von 53 signalisiert weder überkaufte Dynamik noch Erschöpfung. Der Markt verdaut — er flieht nicht.
Der 12-Monats-Gewinn von rund 461 Prozent gegenüber dem Tief vom Juli 2025 ist außergewöhnlich. Aber er ist nicht aus dem Nichts entstanden. Hinter der Rally steckt eine Abfolge nachprüfbarer operativer und geopolitischer Ereignisse.
Was diese Wette wirklich bedeutet
Wolfram ist Teil eines größeren Rahmens: der Neuordnung westlicher Lieferketten bei strategischen Rohstoffen. Luft- und Raumfahrt, Verteidigung, Energie, Werkzeugbau — überall suchen Abnehmer aktiv nach Alternativen zu China. Substitution ist für die meisten Anwendungen nahezu unmöglich. Recycling skaliert kurzfristig nicht ausreichend.
Almonty befindet sich an einem Wendepunkt. Das erste Quartal 2026 markiert den Übergang von Nettoverlusten zu positivem Cashflow und positivem EBITDA — getragen von Rekordpreisen. Aber der Weg von hier erfordert fehlerlose Umsetzung in Sangdong und disziplinierte Kapitalallokation nach der jüngsten Schuldenaufnahme.
Die Marktkapitalisierung liegt bei 4,63 Milliarden Euro. Günstig ist die Aktie nach keinem klassischen Maßstab mehr. Was der Markt einpreist, ist eine Welt, in der das Metall im Inneren jedes KI-Chips nicht mehr aus China kommen kann — und in der Almonty die bedeutendste alternative Lagerstätte außerhalb Chinas kontrolliert. Ob diese Prämie gerechtfertigt ist, entscheidet sich nicht auf einem Handelsbildschirm. Es entscheidet sich tief unter der Erde in Südkorea.
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