Am 6. Juli 2026 hat Almonty Industries die Verarbeitung in seiner Sangdong-Mine in Südkorea gestartet. Der Zeitpunkt könnte kaum besser sein. Die Wolfram-Preise explodieren, China dreht wichtigen Abnehmern den Hahn zu, und die USA planen ein Importverbot für das Metall aus vier Ländern.
Verarbeitung läuft an, Lager sind voll
Bevor die Anlage anlief, hatte Almonty bereits kräftig vorgesorgt. Rund 139.700 Tonnen Erz lagern derzeit auf dem Gelände, mit einem durchschnittlichen Wolframtrioxid-Gehalt von 0,25 Prozent. Das reicht nach Unternehmensangaben für etwa 2,6 Monate Verarbeitung in der ersten Ausbaustufe.
Zu aktuellen Marktpreisen hat dieser Erzvorrat einen geschätzten Bruttowert von rund 68 Millionen Dollar. Sangdong soll sich damit zu einem der größten Wolfram-Produzenten außerhalb Chinas entwickeln. Das ist keine Kleinigkeit: China beherrscht den globalen Markt für dieses Metall fast vollständig.
Der Countdown für chinesisches Wolfram läuft
Ab dem 1. Januar 2027 dürfen US-Streitkräfte kein Wolfram mehr aus China, Russland, Iran und Nordkorea beziehen. Das Verbot ist bereits beschlossen. Für die Rüstungs- und Luftfahrtindustrie im Westen bedeutet das: Alternativen müssen her, und zwar schnell.
China kontrolliert etwa 80 Prozent der weltweiten Wolfram-Produktion. Genau das macht Sangdong so interessant. Die Mine liegt in einer politisch stabilen Region und verfügt über große Reserven – zwei Kriterien, die für westliche Abnehmer inzwischen schwerer wiegen als der Preis allein.
Preise ziehen massiv an
Die Zahlen aus dem ersten Halbjahr 2026 zeigen, wie angespannt der Markt bereits ist. Der europäische Preis für Ammoniumparawolframat (APT) ist seit Jahresbeginn um 232 Prozent gestiegen. Aktuell bewegt er sich zwischen 2.900 und 3.210 Dollar.
Ein Grund dafür: China hat seine Exporte von Wolframcarbid und -pulver nach Japan zwischen Februar und April 2026 auf null gefahren. Das trifft auch die Chipindustrie. Der Preis für Wolframhexafluorid, ein Gas, das für die Halbleiterfertigung unverzichtbar ist, sprang im April 2026 um 204 Prozent.
Südkoreas Chip-Ausbau als zusätzlicher Hebel
Almonty profitiert dabei nicht nur vom globalen Wettlauf um Alternativen zu chinesischem Wolfram. Die Mine liegt zudem in einem Land, das seine Halbleiterindustrie massiv ausbaut. Südkoreas Regierung plant ein Chip-Großprojekt in der Region Honam, mit vier neuen Fabriken von Samsung und SK Hynix.
Wasser- und Stromversorgung für dieses Vorhaben sind noch nicht vollständig geklärt. Der Bedarf an kritischen Rohstoffen für die Chipproduktion bleibt davon unberührt – und Almonty sitzt als heimischer Wolfram-Produzent an einer strategisch günstigen Stelle in dieser Lieferkette.
Der eigentliche Test für Sangdong beginnt jetzt: Die Anlage muss zeigen, dass sie den aufgestauten Erzvorrat zuverlässig in verkaufsfähiges Wolframkonzentrat umwandelt. Bis zum US-Importverbot am 1. Januar 2027 bleiben noch knapp sechs Monate, in denen sich Almonty als verlässlicher Lieferant außerhalb Chinas beweisen muss.
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