Almonty Industries zieht die Konsequenz aus seiner veränderten Investorenbasis: Der Wolframproduzent kündigte an, seine Stammaktien freiwillig sowohl von der Australian Securities Exchange als auch von der Toronto Stock Exchange zu delisten. Künftig soll die Nasdaq die primäre Notierung des Unternehmens sein.
Der Schritt fällt in eine Phase, in der sich das operative Bild bei Almonty grundlegend gewandelt hat. Die Wolframmine Sangdong in Südkorea ist im Juli in die kommerzielle Verarbeitung von Erzhalden übergegangen, nachdem die Verarbeitungsanlage im März fertiggestellt wurde.
Aus einem Bauprojekt wird damit ein produzierender Betrieb – ein Übergang, den Analyst Matthias Greiffenberger von GBC AG in einer am Donnerstag veröffentlichten Studie als bedeutenden Meilenstein zur Risikoreduzierung des Unternehmens bezeichnete. Er bestätigte seine Kaufempfehlung mit einem Kursziel von 30,00 US-Dollar, gültig bis Ende 2027.
Bilanz durch Kapitalaufnahme massiv gestärkt
Die finanzielle Ausgangslage für den Rückzug von zwei Börsenplätzen ist ungewöhnlich komfortabel. Almonty verfügte zum 30. Juni über eine Barposition von 1,23 Milliarden kanadischen Dollar, nach 268,4 Millionen kanadischen Dollar zum Jahresende 2025. Der Sprung geht maßgeblich auf den im Juni abgeschlossenen Verkauf von Wandelanleihen im Volumen von 800 Millionen US-Dollar zurück.
Mit dieser Liquidität im Rücken lässt sich ein Delisting von zwei kleineren Handelsplätzen leichter verschmerzen, wenn die Kapitalmarktstory stattdessen auf die Nasdaq konzentriert werden soll.
Auch die jüngsten Quartalszahlen unterstreichen den Wandel: Im zweiten Quartal 2026 erzielte Almonty einen Umsatz von 43,0 Millionen kanadischen Dollar, ein Plus von 498 Prozent gegenüber dem Vorjahr.
Unter dem Strich stand ein Nettogewinn von 181,8 Millionen kanadischen Dollar, wobei allein 173,1 Millionen kanadische Dollar auf nicht zahlungswirksame Gewinne aus der Neubewertung von Derivaten entfielen. Im Vorjahresquartal hatte das Unternehmen noch einen Verlust von 58,2 Millionen kanadischen Dollar ausgewiesen.
Board beschließt umfangreiches Rückkaufprogramm
Parallel zum Delisting-Plan hat der Vorstand ein Aktienrückkaufprogramm beschlossen: Bis zu 14.400.000 Stammaktien, rund 5 Prozent des ausstehenden Kapitals, sollen zwischen dem 24. August 2026 und dem 24. August 2029 für insgesamt bis zu 300 Millionen US-Dollar zurückgekauft werden. Zusammen mit dem Rückzug von TSX und ASX signalisiert das Unternehmen, seine Kapitalmarktpräsenz zu konzentrieren, statt sie über mehrere Handelsplätze zu streuen.
Nicht alle externen Einschätzungen zeichnen ein rundum positives Bild. Diamond Equity senkte Mitte August die Gewinnschätzung für das Geschäftsjahr 2026 auf 0,39 US-Dollar je Aktie, nach zuvor 0,55 US-Dollar.
Weiss Ratings stufte das Unternehmen zwar von „sell (d-)“ auf „hold (c-)“ hoch, bleibt damit aber im unteren Bewertungsbereich. Auch automatisierte Scoring-Modelle attestieren Almonty zwar hohes Wachstumspotenzial, sehen die Profitabilität jedoch weiterhin als schwach an.
Für Anleger bündelt sich damit ein Bild aus operativem Fortschritt in Sangdong, einer außergewöhnlich starken Kassenlage und einer strategischen Neuausrichtung der Börsennotierung – bei gleichzeitig vorsichtigeren kurzfristigen Gewinnschätzungen einzelner Analysehäuser.
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