Ein Direktor verkauft Aktien im Wert von fast fünf Millionen Dollar. Wenige Tage später hebt eine Investmentbank ihr Kursziel um satte 32 Prozent an. Bei Almonty Industries prallen zwei völlig gegensätzliche Signale aufeinander — und der Kurs zahlt gerade den Preis dafür.
Die Aktie des Wolfram-Produzenten fiel am Montag um 8,60 Prozent auf 21,37 kanadische Dollar. Damit liegt Almonty inzwischen 15,32 Prozent unter dem 50-Tage-Durchschnitt und 35,92 Prozent unter dem 52-Wochen-Hoch von 33,35 Dollar, das erst im April erreicht wurde. Auf Jahressicht steht trotzdem ein Plus von 77,64 Prozent, auf Zwölfmonatssicht sogar von 227,76 Prozent.
Verkaufswelle trifft auf Produktionsstart
Der Zeitpunkt der Insider-Verkäufe wirkt brisant. Genau als Almonty am 1. Juli die kommerzielle Produktion in der Flaggschiff-Mine Sangdong aufnahm und damit vom Entwickler zum zertifizierten Produzenten aufstieg, verkauften Führungskräfte in großem Stil.
In den vergangenen 90 Tagen summierten sich Insider-Verkäufe auf einen Nettowert von 227,6 Millionen Dollar, davon 75,1 Millionen Dollar allein durch Führungskräfte. Michael Lewis Black und Daniel D’Amato veräußerten größere Aktienpakete, zudem sind weitere Verkäufe durch verbundene Parteien angekündigt. Black kaufte zwischenzeitlich zwar auch Aktien im Wert von 1,5 Millionen Dollar zurück — die Verkaufswelle blieb davon aber unbeeindruckt.
Konkreter wird es bei Direktor Mark Trachuk. Er verkaufte am 2. Juli 200.000 Stammaktien zu je 24,07 Dollar. Das entspricht einem Erlös von 4.814.000 Dollar und einer Reduktion seines Anteilsbestands um 7,4 Prozent.
Analysten sehen Kaufgelegenheit
Während die Insider Kasse machten, wurden die Analysten optimistischer. DA Davidson hob das Kursziel am Freitag von 25 auf 33 Dollar an und bestätigte die Kaufempfehlung. Analyst Matt Summerville verwies nach einer virtuellen Roadshow mit Gründer und CEO Lewis Black auf positive Fortschritte bei Sangdong, eine mögliche Zusammenarbeit mit der US-Regierung, eine solide Bilanz und Rekordpreise für Wolfram.
Auch andere Häuser zogen mit. Texas Capital stufte die Aktie im April auf „Strong Buy“ hoch, B. Riley Financial erhöhte im März das Kursziel von 17 auf 23 Dollar. Nach Daten von MarketBeat bewerten derzeit ein Analyst mit „Strong Buy“, vier mit „Buy“ und einer mit „Sell“ — das durchschnittliche Kursziel liegt bei 21,88 Dollar. Weiss Ratings bleibt mit einem „Sell (D-)“ die klare Gegenstimme im Analystenlager.
TipRanks brachte die Kehrseite der Aufwertungen auf den Punkt: Der Übergang von der Bauphase zur tatsächlichen Erzverarbeitung in Sangdong sollte langfristig für stabilere Produktion und eine breitere Umsatzbasis sorgen. Kurzfristig bleibt aber der hohe Cash-Verbrauch ein Risiko — verbunden mit der Gefahr weiterer Verwässerung, falls der Hochlauf nicht schnell in nachhaltige Gewinne mündet.
Zahlen zeigen Wachstum und Schwäche zugleich
Die jüngsten Geschäftszahlen liefern Stoff für beide Lager. Am 11. Mai meldete Almonty einen Quartalsumsatz von 18,52 Millionen Dollar — deutlich über der Analystenschätzung von 15,44 Millionen Dollar. Der Gewinn je Aktie traf mit 0,01 Dollar exakt die Erwartungen.
Die Profitabilität bleibt dagegen schwach. Die Nettomarge lag bei minus 262,29 Prozent, die Eigenkapitalrendite bei minus 11,01 Prozent.
Institutionelle Investoren bauten ihre Positionen zuletzt trotzdem massiv aus. Van Eck Associates erhöhte seinen Bestand im vierten Quartal um 13.294,7 Prozent und hält nun 11.239.482 Aktien im Wert von rund 99 Millionen Dollar. Cooper Creek Partners Management stockte seine Position um 110,4 Prozent auf und besitzt jetzt Aktien im Wert von etwa 69 Millionen Dollar.
Index-Aufnahme sorgt für zusätzliche Schwankungen
Ende Juni wurde Almonty in die Russell-1000- und Russell-3000-Indizes aufgenommen. Passive Fonds mussten daraufhin zwangsweise Aktien kaufen — anschließend folgten heftige Gewinnmitnahmen. Die 30-Tage-Volatilität liegt inzwischen bei annähernd 100 Prozent, damit gehört Almonty zu den schwankungsreichsten Werten im gesamten Rohstoffsektor für kritische Metalle.
Der RSI von 41,3 signalisiert dabei keine Überverkauft-Situation, sondern eher eine Konsolidierung nach dem steilen Anstieg der vergangenen Monate. Der Kurs liegt trotz der jüngsten Verluste noch 13,94 Prozent über dem 200-Tage-Durchschnitt von 18,76 Dollar.
Der nächste Quartalsbericht dürfte zeigen, ob sich die kommerzielle Produktion in Sangdong tatsächlich in stabilen Cashflows niederschlägt. Genau diese Bestätigung dürfte darüber entscheiden, ob sich die Lücke zwischen operativen Fortschritten und dem Aktienkurs schließt.
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