Fast eine Milliarde kanadische Dollar mehr in der Kasse, ein Umsatzsprung von 498 Prozent und der Sprung in den Russell 3000 Index. Almonty Industries hat innerhalb weniger Monate den Sprung vom Entwicklungsprojekt zum produzierenden Wolfram-Konzern geschafft. Die Bilanz zum zweiten Quartal 2026 zeigt, wie radikal sich die finanzielle Lage des Unternehmens gewandelt hat.
Die Kassenlage hat sich verfünffacht
Zum 30. Juni 2026 saß Almonty auf 1,23 Milliarden kanadischen Dollar in bar. Ende Dezember 2025 waren es noch 268,4 Millionen. Der Sprung kommt vor allem von einer überzeichneten Wandelanleihe mit 2,25 Prozent Zinskupon, die im Juni 2026 brutto 800 Millionen US-Dollar einbrachte.
Das Management sieht darin mehr als nur einen Liquiditätspuffer. Die Mittel sollen es erlauben, mehrere Wachstumsprojekte parallel statt nacheinander voranzutreiben. Im Fokus stehen das Gentung-Wolframprojekt in Montana und die Erweiterung der Mine Panasqueira in Portugal. Nach Quartalsende zahlte Almonty zudem den KfW-Kredit vollständig zurück und entlastete damit seine Schuldenstruktur weiter.
Sangdong liefert erste Umsätze
Der eigentliche Wendepunkt kam im Juli: Die Flaggschiff-Mine Sangdong in Südkorea nahm den produktiven Betrieb auf. Der Umsatz im zweiten Quartal 2026 erreichte 43,0 Millionen kanadische Dollar, nach nur 7,2 Millionen im Vorjahresquartal. Getragen wurde dieses Wachstum von Rekordpreisen für Wolfram — der europäische APT-Durchschnittspreis kletterte auf 3.075 US-Dollar je MTU.
Auch operativ zeigt sich der Umschwung deutlich. Das bereinigte EBITDA lag bei 17,6 Millionen kanadischen Dollar, nach einem bereinigten Verlust von 4,8 Millionen im Vorjahr. Der Ertrag aus dem Bergbaubetrieb summierte sich auf 26,1 Millionen kanadische Dollar, die Bruttomarge im Minengeschäft auf 60,7 Prozent.
Der ausgewiesene Nettogewinn von 181,8 Millionen kanadischen Dollar braucht eine Einordnung. Darin stecken 173,1 Millionen an nicht zahlungswirksamen Gewinnen aus der Neubewertung von Derivaten und Warrants. Das operative Bild — Umsatzwachstum, positives EBITDA, hohe Marge — bleibt davon unberührt und ist die eigentliche Nachricht des Quartals.
Ausbau, Indexaufnahme und frische Aktien
Bei Sangdong läuft aktuell die Phase I der Expansion, das Ziel liegt bei 640.000 Tonnen Erzdurchsatz pro Jahr. Eine bereits vollständig genehmigte Phase II könnte die Kapazität später auf 1,2 Millionen Tonnen verdoppeln. Ende Juni 2026 wurde Almonty zudem in den Russell 1000 und den breiter gefassten Russell 3000 Index aufgenommen — ein Signal für institutionelle Investoren, die auf Indexnähe achten.
Anfang August reichte das Unternehmen Regalregistrierungen für die mögliche Ausgabe neuer Stammaktien im Volumen von rund 246,79 Millionen US-Dollar ein. Enthalten ist auch eine Komponente für einen Mitarbeiterbeteiligungsplan, der Management-Anreize direkt an die Kapitalbeschaffung koppeln soll.
Kurs erholt sich, bleibt aber unter Druck
Am Mittwoch, den 12. August, sprang die Almonty-Aktie um 8,3 Prozent nach oben — die Reaktion auf die Quartalszahlen. Auf Sicht von drei Monaten liegt der Kurs dennoch rund 22 Prozent im Minus. Die Erholung nach den Zahlen konnte den vorherigen Rückgang bislang nicht ausgleichen.
Diamond Equity Research hob nach den Quartalszahlen den klaren Wechsel des Unternehmens hin zu tatsächlichem Cashflow hervor. Der Analysten-Konsens sieht ein Kursziel von 21,88 US-Dollar. Almonty handelt inzwischen konzentriert an zwei Börsenplätzen: an der Nasdaq unter dem Kürzel „ALM“ und in Frankfurt unter „ALI1“, nachdem das Unternehmen seine Notierungen bereinigt hat.
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