Almonty Industries erreicht einen Meilenstein und die Aktie fällt trotzdem. Am Dienstag verlor das Papier 5,04 Prozent auf 21,85 kanadische Dollar. Der Grund: Anleger verkaufen die gute Nachricht, statt sie zu feiern.
Produktionsstart in Südkorea
Am 1. Juli 2026 meldete Almonty den Start der Aufbereitungsanlage an der Sangdong-Mine in der Provinz Gangwon. Die Anlage verarbeitet zunächst gelagertes Erz zu verkaufsfähigem Wolframkonzentrat. Damit wandelt sich Almonty vom reinen Minenentwickler zum aktiven Produzenten.
Die Ausgangslage für die Hochlaufphase wirkt solide. Zum Ende des zweiten Quartals lagerten rund 139.700 Tonnen Erz mit einem Wolframtrioxid-Gehalt von etwa 0,25 Prozent. Nach aktuellen Marktpreisen taxiert das Unternehmen den Bruttowert dieses Lagerbestands auf ungefähr 68 Millionen US-Dollar.
Nach Unternehmensangaben reicht dieser Vorrat für rund 2,6 Monate Produktion in der ersten Ausbaustufe. Danach soll Almonty von Erz aus dem Lagerbestand auf höherwertiges Material aus dem aktiven Untertagebau umsteigen.
Die Kehrseite: eine Milliardenanleihe drückt auf die Stimmung
Der eigentliche Belastungsfaktor liegt woanders. Almonty hat eine Wandelanleihe über 800 Millionen US-Dollar platziert. Investoren zeichneten das Papier deutlich über der geplanten Summe und übten zusätzlich eine Mehrzuteilungsoption über 100 Millionen US-Dollar vollständig aus.
Die Anleihe läuft bis 2031 und trägt einen Zinssatz von 2,25 Prozent jährlich. Der anfängliche Wandlungspreis liegt bei 27,40 US-Dollar je Aktie. Aus dem Nettoerlös von rund 772,7 Millionen US-Dollar stärkt Almonty seine Bilanz, finanziert Betriebskapital und refinanziert Schulden.
Genau hier liegt das Problem für kurzfristig orientierte Anleger. Der Wandlungspreis erzeugt einen technischen Überhang. Zusammen mit dem schieren Volumen der Anleihe belastet das die Stimmung stärker als der operative Fortschritt sie stützt.
Charttechnik zeigt Abkühlung nach starkem Lauf
Der aktuelle Kurs liegt rund 34,48 Prozent unter dem 52-Wochen-Hoch von 33,35 kanadischen Dollar aus dem April 2026. Auf Sieben-Tage-Sicht verlor die Aktie 6,86 Prozent, der 14-Tage-RSI ist auf 38,8 gefallen und nähert sich damit überverkauftem Terrain.
Die Korrektur relativiert sich allerdings im Jahresverlauf. Seit Jahresbeginn steht Almonty noch immer mit 81,63 Prozent im Plus – einer der stärksten Werte im Sektor kritischer Rohstoffe. Auf Zwölf-Monats-Sicht summiert sich der Kursgewinn sogar auf 193,29 Prozent.
Almonty positioniert sich als einer der wenigen bedeutenden Wolfram-Lieferanten außerhalb Chinas. Das Metall gilt als unverzichtbar für Verteidigungstechnik und Hochtechnologie-Anwendungen. Parallel zum Sangdong-Projekt treibt das Unternehmen ein Molybdän-Bohrprogramm in unmittelbarer Nähe voran und prüft zudem sein Gentung-Projekt in Montana.
Für die kommenden Wochen zählt vor allem eines: die ersten Sangdong-Chargen müssen sich in echten Umsatz übersetzen. Erst wenn die Ramp-up-Phase reale Verkaufserlöse liefert, dürfte sich zeigen, ob der Kurs seinen Boden nach der finanzierungsbedingten Volatilität findet.
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