Die US-Regierung hat am heutigen Donnerstag ein einjähriges Exportverbot für wolframhaltigen Schrott und sogenannte „Black Mass“ aus recycelten Batterien in Kraft gesetzt. Ziel ist es, die heimische Versorgung mit dem strategischen Metall zu sichern.
Laut Reuters dürfte die Maßnahme die Nachfrage nach Produzenten außerhalb Chinas spürbar erhöhen – und genau hier positioniert sich Almonty Industries als einer der wenigen relevanten Anbieter im Westen.
Der Zeitpunkt könnte für das Unternehmen kaum günstiger sein. Vor wenigen Wochen ist die Sangdong-Mine in Südkorea von der Entwicklungs- in die aktive Produktionsphase übergegangen, eingelagertes Erz wird inzwischen zu verkaufsfähigem Wolframkonzentrat verarbeitet. Almonty rückt damit vom Explorer zum Produzenten auf – ein Schritt, der die Wahrnehmung des Unternehmens am Kapitalmarkt verändert hat.
Geschäftszahlen untermauern die Wende
Die operative Wende zeigt sich bereits in den Zahlen. Almonty meldete für das zweite Quartal 2026 einen Umsatz von 43,0 Millionen kanadischen Dollar, ein Plus von 498 Prozent gegenüber 7,2 Millionen kanadischen Dollar im Vorjahreszeitraum. Der Nettogewinn drehte auf 181,8 Millionen kanadischen Dollar. Solche Sprünge sind typisch für Unternehmen, die von der Bau- in die Produktionsphase übergehen – die Frage ist, ob sich das Tempo halten lässt.
Hier mahnt Diamond Equity zur Vorsicht: Das Analysehaus senkte am 14. August seine Gewinnschätzung je Aktie für 2026 von 0,55 auf 0,39 US-Dollar und begründete dies mit einem langsameren Hochlauf der Sangdong-Produktion als zunächst erwartet.
Andere Häuser sehen das optimistischer: GBC AG vergab am 20. August ein Kaufvotum mit Kursziel 30 US-Dollar und verwies auf den Produktionsstart in Sangdong als entscheidenden Meilenstein zur Risikoreduktion.
Langfristiger Abnahmevertrag stärkt Planbarkeit
Parallel zum operativen Fortschritt hat Almonty seine Kundenbasis abgesichert. Die Plansee Group verlängerte ihren langfristigen Abnahmevertrag für Wolfram um sechs weitere Jahre, sodass die Gesamtlaufzeit für den überwiegenden Teil der Phase-1-Produktion aus Sangdong nun 21 Jahre beträgt.
Für Anleger bedeutet das: Ein wesentlicher Teil der künftigen Erlöse ist bereits vertraglich fixiert, unabhängig von kurzfristigen Preisschwankungen am Wolframmarkt.
Auch institutionelle Investoren reagieren auf die veränderte Lage. Van Eck Associates Corp erhöhte seine Position auf 11.239.482 Aktien im Wert von rund 99 Millionen US-Dollar – eine Aufstockung um mehr als das Hundertfache gegenüber der vorherigen Meldeperiode. Solche Zukäufe fallen zeitlich mit dem Produktionsstart und der Exportbeschränkung zusammen und deuten auf eine strategische Neubewertung der Aktie durch größere Fondshäuser hin.
Kursreaktion spiegelt die Neubewertung
Die Aktie notiert aktuell bei 16,05 Euro und legt am heutigen Handelstag um 2,5 Prozent zu. Über die vergangenen zwölf Monate steht ein Kursplus von 343 Prozent, was die fundamentale Neubewertung seit Produktionsstart und Vertragsverlängerungen unterstreicht.
Vom 52-Wochen-Hoch bei 20,61 Euro, erreicht im April, ist das Papier derzeit noch 22 Prozent entfernt – Spielraum, den optimistische Analysten angesichts der jüngsten Entwicklungen für aufholbar halten.
Für Anleger verdichtet sich damit ein Bild: Ein Rohstoffproduzent, der außerhalb Chinas operiert, trifft in einer Phase des beginnenden Produktionshochlaufs auf eine politisch verschärfte Angebotslage. Die Diskrepanz zwischen der optimistischen Einschätzung von GBC AG und der vorsichtigeren Gewinnprognose von Diamond Equity zeigt jedoch, dass der Ramp-up in Sangdong noch nicht risikofrei verläuft.
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