Wolfram wird knapp. Nicht, weil die Nachfrage explodiert, sondern weil das Angebot nicht mitkommt. Genau diese These stellt Lewis Black, Chef von Almonty Industries, in den Mittelpunkt seines jüngsten CEO-Newsletters vom 16. August.
Nicht die Nachfrage, das Angebot ist das Problem
In seinem Rundschreiben „Hard Work“ beschreibt Black einen Markt, der an seine Grenzen stößt. Strategische Lagerbestände schrumpfen. Halbleiterhersteller kämpfen mit Engpässen. Die Lücke zwischen angekündigten Minenprojekten und tatsächlicher Förderung wird größer, während die Wolfram-Preise historische Höchststände erreichen.
Der Newsletter kommt zu einem entscheidenden Zeitpunkt. Erst in diesem Sommer hat Almonty den Start der Verarbeitungsanlage an der Sangdong-Mine in der südkoreanischen Provinz Gangwon vermeldet. Marktbeobachter verknüpfen diesen Meilenstein direkt mit der Engpass-Erzählung, die Black nun öffentlich vorträgt.
Die Aktie reagiert
Blacks Kommentar erreichte die Anleger, während die Aktie bereits in der Nähe ihrer jüngsten Höchststände handelte. Am 17. August 2026 notierte Almonty Industries bei 15,09 US-Dollar — exakt auf Vorschlusskursniveau. Die Tagesspanne reichte von 14,01 bis 15,47 US-Dollar.
Der Kontrast zur Jahresspanne zeigt die Wucht der Bewegung: Zwischen 3,97 und 24,41 US-Dollar hat sich die Aktie in den vergangenen zwölf Monaten bewegt. Acht Analysten empfehlen den Kauf, keiner rät zum Verkauf. Das durchschnittliche Zwölf-Monats-Kursziel liegt bei 25,30 US-Dollar — spürbar über dem aktuellen Niveau.
Sangdong als Schlüssel zur Angebotslücke
Almontys eigene Positionierung passt exakt zur Engpass-These. Das Unternehmen gilt als führender Anbieter von konfliktfreiem Wolfram, einem Metall, das für Rüstungsindustrie und Hochtechnologie unverzichtbar ist. Angesichts wachsender geopolitischer Spannungen wird der Rohstoff für Panzerungen, Munition und Elektronik immer wichtiger.
Die Sangdong-Mine gilt historisch als eine der größten und hochgradigsten Wolfram-Lagerstätten weltweit. Erreicht sie volle Kapazität, soll sie zu einem zentralen Baustein der globalen Wolfram-Lieferkette außerhalb Chinas werden.
Die Zahlen des zweiten Quartals, veröffentlicht Anfang August, zeigen bereits den finanziellen Effekt steigender Wolfram-Preise — noch bevor Sangdong voll zur Wertschöpfung beiträgt. Der Umsatz kletterte um 498 Prozent im Jahresvergleich auf 43,0 Millionen kanadische Dollar, verglichen mit 7,2 Millionen im Vorjahresquartal. Der durchschnittliche europäische APT-Preis stieg dabei von rund 453 auf etwa 3.075 US-Dollar je MTU.
Wichtig: Der Umsatz im zweiten Quartal stammte noch überwiegend aus der Panasqueira-Mine. Sangdong befand sich zum Quartalsende weiterhin in der Inbetriebnahme- und Hochlaufphase. Die kommenden Quartale dürften also erstmals den vollen Ertragsbeitrag der neuen Flaggschiff-Anlage zeigen.
Kriegskasse für den Ausbau
Almonty geht mit erheblichem finanziellem Spielraum in diese Wachstumsphase. Zum 30. Juni 2026 verfügte das Unternehmen über liquide Mittel von 1,2 Milliarden US-Dollar — nach 268,4 Millionen zum Jahresende 2025. Diese Kriegskasse verschafft dem Konzern deutlichen Spielraum für seine Wachstumspipeline.
Möglich wurde dieser Sprung durch eine milliardenschwere Kapitalmarkttransaktion. Am 9. Juni 2026 schloss Almonty eine überzeichnete Anleiheemission ab: 2,25-prozentige Wandelanleihen mit Fälligkeit 2031, die Bruttoerlöse von 800 Millionen US-Dollar einbrachten. Die Erstkäufer übten dabei ihre Option auf zusätzliche Anleihen vollständig aus.
Sangdong wechselt nun von der Inbetriebnahme in den vollen kommerziellen Betrieb. Black positioniert Wolfram-Verfügbarkeit öffentlich als zentrales Problem der gesamten Branche. Die nächsten Produktionsupdates aus Sangdong dürften damit zum entscheidenden Prüfstein werden — für die Frage, ob sich das aktuelle Preisumfeld tatsächlich in nachhaltiges Ertragswachstum übersetzen lässt.
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