Ein Rückzug von zwei Börsenplätzen, ein Insider-Verkauf und der Start der Wolfram-Produktion – bei Almonty Industries überlagern sich gerade drei Entwicklungen, die kaum unterschiedlicher sein könnten. Während die Aktie technisch angeschlagen wirkt, meldet der Konzern operativ einen der größten Fortschritte seiner Firmengeschichte.
Am Freitag fiel die Aktie um 5,52 Prozent auf 18,81 kanadische Dollar. Damit rutschte der Kurs unter den 200-Tage-Durchschnitt von 19,15 kanadischen Dollar – ein technisches Warnsignal, ausgerechnet in der letzten Handelswoche an der Toronto Stock Exchange.
Rückzug von gleich zwei Börsen
Almonty zieht sich zum Handelsschluss am 31. Juli 2026 freiwillig von der TSX zurück. Künftig soll sich die Handelsliquidität auf die Nasdaq unter dem Kürzel ALM und die Frankfurter Börse konzentrieren.
Parallel dazu verlässt das Unternehmen auch die australische ASX. Der Handel dort wird ab dem 28. August ausgesetzt, das endgültige Delisting folgt zum 1. September. Als Gründe nennt das Management die geringen Handelsvolumina an den Nebenbörsen und die hohen Verwaltungskosten für mehrere parallele Notierungen.
Schon vergangene Woche hatte die ASX den Handel mit Almonty-Aktien auf Wunsch des Unternehmens ausgesetzt – am 23. Juli, im Vorfeld eines angekündigten Markt-Updates. Dieses Update sollte ursprünglich am Montag, den 27. Juli, veröffentlicht werden.
Großaktionär verkauft, Kurs gerät unter Druck
Die Aussetzung fiel zeitlich mit einer weiteren Nachricht zusammen: Der Großaktionär Deutsche Rohstoff AG hat Ende Juli rund 5 Millionen Aktien verkauft und damit seine Position deutlich reduziert. Der Verkäufer erzielte dabei einen erheblichen Gewinn vor Steuern.
Für den Kurs bedeutete das zusätzlichen Druck. Über die vergangenen 30 Tage verlor die Aktie 18,22 Prozent an Wert. Vom 52-Wochen-Hoch bei 33,35 kanadischen Dollar, erreicht im April, liegt der Titel inzwischen 43,60 Prozent entfernt.
Sangdong startet – trotz allem
Operativ läuft bei Almonty derweil ein zentrales Projekt an: die Wolframmine Sangdong in Südkorea. Am 1. Juli nahm das Unternehmen offiziell den Durchsatz in der Aufbereitungsanlage auf – der Übergang von der Entwicklungs- in die Produktionsphase.
Aktuell verarbeitet Almonty einen Vorrat von rund 139.700 Tonnen Roherz. Der geschätzte Bruttowert dieses Materials liegt bei aktuellen Marktpreisen bei 68 Millionen US-Dollar. Die erste Verarbeitungsphase soll helfen, die Erzmischung zu optimieren und die Zufuhrqualität zu stabilisieren, bevor die Anlage ihre volle Phase-I-Kapazität erreicht.
Langfristiger Abnahmevertrag abgesichert
Für zusätzliche Planungssicherheit sorgte am 14. Juli ein erweiterter Liefervertrag mit Global Tungsten & Powders. Die wichtigsten Eckpunkte der Vereinbarung:
- Laufzeit: 21 Jahre ab dem Datum der ersten Lieferung
- Volumen: Anstieg um 40 Prozent auf insgesamt 4,41 Millionen Metric Tonne Units (MTU)
- Erlöspotenzial: rund 490 Millionen US-Dollar über die gesamte Vertragslaufzeit, bei aktuellem Preisniveau
Das Vertragsvolumen sichert Almonty über Jahrzehnte einen verlässlichen Abnehmer für sein Kernprodukt – zu einem Zeitpunkt, an dem die Aktie selbst mit erheblicher Unsicherheit kämpft.
Der Relative-Stärke-Index liegt derzeit bei 38,8 und deutet auf eine überverkaufte Aktie hin. Ob die operativen Fortschritte in Sangdong und der abgesicherte Abnahmevertrag ausreichen, um das technische Bild zu drehen, dürfte sich in den kommenden Wochen zeigen – wenn das angekündigte Markt-Update vorliegt und die ersten Produktionszahlen aus Südkorea eintreffen.
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