Heute schließt in Toronto zum letzten Mal der Handel mit Almonty-Aktien. Ab morgen existiert das Papier an der TSX nicht mehr. Anfang September folgt der gleiche Schnitt in Sydney. Was wie ein stiller Rückzug wirkt, ist in Wahrheit eine radikale Neuausrichtung für einen der wichtigsten Wolfram-Förderer der Welt.
Der Abschied kommt mit einem kleinen Paukenschlag. Am vorletzten Handelstag in Toronto sprang die Aktie um 6,18 Prozent auf 16,32 kanadische Dollar. Der Kurssprung wirkt wie eine Trotzreaktion nach Wochen, in denen der Titel deutlich Terrain verloren hat.
Die Rallye ändert wenig am Gesamtbild. Binnen 30 Tagen hat der Titel fast ein Viertel seines Werts verloren und notiert gut die Hälfte unter dem Rekordhoch vom April.
Wer zwölf Monate zurückblickt, sieht ein anderes Bild: Der Kurs hat sich mehr als verdreifacht. Seit Jahresbeginn steht ein Plus von gut 35 Prozent zu Buche.
Index-Falle und Kapitalflucht aus Korea
Die jüngste Talfahrt ist kein reiner Nebeneffekt der Umstrukturierung. Ende Juni wurde Almonty in mehrere Indizes aufgenommen und geriet prompt in die klassische Index-Falle. Erste Käufe durch Indexfonds wichen fast sofort neuen Verkäufen.
Hinzu kommt die Nähe zu Südkorea. Almontys wichtigste Mine, Sangdong, liegt dort, und südkoreanische Aktien erleben gerade eine Kapitalflucht historischen Ausmaßes. Im Juni zogen ausländische Investoren umgerechnet 49,34 Billionen Won ab, den sechsten Monat in Folge. Asien-fokussierte Hedgefonds verzeichneten im Juli ihre größten Monatsverluste überhaupt. Almontys Korea-Exposure dürfte dabei mit in den Abverkauf gerutscht sein.
Wolfram-Nachfrage wächst schneller als das Vertrauen
Reicht ein neues Börsenparkett, um diese Verkaufswelle zu stoppen? Die Antwort hängt weniger vom Handelsplatz ab als vom operativen Geschäft. Und dort läuft es für Almonty rund.
Der Konzern hat sein Wolfram-Abnahmeabkommen kürzlich um 40 Prozent aufgestockt. Das Signal dahinter: Die industrielle Nachfrage nach dem Metall zieht unabhängig vom Aktienkurs an. Mit einer Marktbewertung von 2,70 Milliarden Euro ist Almonty längst kein kanadischer Nebenwert mehr, sondern einer der zentralen Namen im globalen Wolfram-Geschäft.
Überverkauft, aber mit Kurszielen bis 33 Dollar
Charttechnisch spricht einiges für eine Bodenbildung. Der 14-Tage-RSI ist auf 34,6 gefallen, eine Marke, ab der Aktien häufig als überverkauft gelten. Der Kurs liegt inzwischen deutlich unter seinem langfristigen Trend.
Analysten scheinen die Lücke zwischen Kurs und Fundamentaldaten eher als Chance zu sehen denn als Warnsignal. DA Davidson nennt ein Kursziel von 33 US-Dollar, mehr als das Doppelte des aktuellen Niveaus.
Ab dem 1. September ist der Rückzug endgültig. Dann verschwindet Almonty auch von der australischen Börse. Übrig bleiben zwei Handelsplätze, Nasdaq und Frankfurt, auf denen sich die Sangdong-Geschichte künftig allein abspielt.
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