Wer sich den Chart von Almonty Industries in den letzten vier Wochen anschaut, sieht einen brutalen Absturz. Wer sich die Geschäftszahlen anschaut, sieht ein Unternehmen im Aufschwung. Genau in diesem Widerspruch liegt für mich die eigentliche Geschichte dieser Aktie.
Heute legt der Titel um 5,73 Prozent auf 16,25 CAD zu. Das ist eine erste Erholung nach einem Monat, der Anlegern übel mitgespielt hat. Auf 30-Tage-Sicht steht immer noch ein Minus von 30,73 Prozent. Vom 52-Wochen-Hoch bei 33,35 CAD, erreicht im April 2026, trennen die Aktie inzwischen 51,27 Prozent.
Der Auslöser heißt Delisting, nicht Geschäftskrise
Der Grund für den Ausverkauf ist schnell erklärt. Almonty räumt seine Börsennotierungen auf. Zum 31. Juli 2026 verlässt das Unternehmen die Toronto Stock Exchange, am 1. September 2026 folgt der Rückzug von der australischen ASX. Übrig bleibt die NASDAQ als einzige Heimat für die Aktie.
Strategisch ergibt das Sinn. Weniger Listings bedeuten weniger Kosten und eine konzentriertere Investorenbasis. Für mich ist das eine überfällige Bereinigung, keine Schwäche im Geschäftsmodell.
Kurzfristig tut es trotzdem weh. Regionale Fonds und Privatanleger, die keine Aktien auf ausländischen Börsen halten dürfen oder wollen, verkaufen jetzt zwangsweise. Genau diese technische Verkaufswelle drückt den Kurs — nicht schlechte Nachrichten aus dem operativen Geschäft.
Die Zahlen erzählen eine andere Geschichte
Im ersten Quartal 2026 meldete Almonty einen Umsatz von 25,4 Millionen CAD. Getragen wurde das Wachstum von der Panasqueira-Mine in Portugal und von hohen Wolframpreisen. Einen Nettoverlust weist das Unternehmen zwar weiterhin aus, das ist für Minenbetreiber in der intensiven Bauphase von Großprojekten wie Sangdong aber normal.
Der 14-Tage-RSI liegt bei 34,3 und nähert sich der klassischen überverkauft-Marke von 30. Das spricht dafür, dass ein Großteil des Ausverkaufs technisch getrieben ist, nicht fundamental begründet.
Trotz der Talfahrt der letzten Wochen steht die Aktie auf Jahressicht immer noch mit 34,63 Prozent im Plus. Auf Zwölfmonatssicht sind es sogar 239,25 Prozent. Diese Zahlen relativieren den aktuellen Rückgang erheblich.
Analysten sehen einen Discount, ich sehe eine Wette mit Risiko
Der Analystenkonsens lautet aktuell „Strong Buy“. Discounted-Cashflow-Modelle deuten auf einen fairen Wert hin, der deutlich über dem aktuellen Kurs liegt — die These lautet, dass der Markt die langfristige Substanz der Wolframvorkommen von Almonty noch nicht einpreist.
Mit einer umgerechneten Marktkapitalisierung von 3,05 Milliarden Euro ist Almonty längst mehr als ein Nischenwert. Das Unternehmen positioniert sich als einer der wenigen westlich orientierten Produzenten kritischer Rohstoffe — in einem Markt, der genau danach sucht.
Die annualisierte Volatilität von 88,69 Prozent zeigt aber auch: Das ist kein Titel für schwache Nerven. Wer hier einsteigt, muss den Ausschlag nach beiden Seiten aushalten können.
Mein Fazit
Ich teile die Einschätzung, dass die Delisting-Bewegung eine technische Hürde ist, kein Fundamentalproblem. Sobald der Verkaufsdruck aus dem TSX-Ausstieg abklingt, dürfte der Blick wieder auf den operativen Fortschritt bei Sangdong und Panasqueira wandern. Almonty bleibt damit, was es schon vorher war: eine Hochrisiko-Position mit entsprechend hohem Potenzial — nur eben aktuell zu einem deutlich günstigeren Einstiegspunkt als noch vor einem Monat.
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