Fast 30 Prozent Kurskorrektur in nur 30 Tagen. Bei Almonty Industries steckt hinter diesem Absturz aber keine Unternehmenskrise, sondern ein Umbau der eigenen Börsenstruktur. Der Wolfram-Produzent zieht sich freiwillig von der Toronto Stock Exchange zurück und sorgt damit für erzwungene Verkaufswellen bei Indexfonds.
Zwangsverkäufe durch Indexausschluss
Am 31. Juli 2026 endete die Notierung von Almonty in Toronto. Die Aktie schloss an ihrem letzten Handelstag bei 15,51 kanadischen Dollar, ein Minus von fast 5 Prozent. Der Rückzug aus Kanada löste einen automatischen Ausschluss aus dem FTSE Global Small Cap Index aus.
Für passive Fonds mit Toronto-spezifischem Mandat bedeutete das: verkaufen, und zwar vor dem letzten Handelstag. Die dadurch konzentrierte Verkaufswelle erklärt einen Großteil der Kursverluste der vergangenen Wochen. Analysten ordnen die Bewegung überwiegend als technisch bedingt ein, nicht als Reaktion auf die Geschäftsentwicklung.
Von drei Börsen auf zwei
Toronto ist erst der Anfang. Almonty hat auch grünes Licht für den Rückzug von der australischen Börse ASX erhalten. Der Handel mit den dortigen CHESS Depositary Interests (CDIs) endet am 28. August 2026, die endgültige Streichung folgt zum 1. September.
Der Schritt wirkt fast folgerichtig: Bis Mitte Juli waren nur noch rund 0,80 Prozent aller Aktien als CDIs in Australien registriert. Das Management bündelt die Liquidität künftig auf der Nasdaq unter dem Kürzel ALM sowie an der Frankfurter Börse. Ziel ist es, die Kosten für drei parallele Primärnotierungen einzusparen und den Handel effizienter zu machen.
Aufstieg in den Russell-Index
Während Almonty bei den Small-Cap-Indizes verschwindet, taucht das Unternehmen an anderer Stelle neu auf. Seit dem 29. Juni 2026 gehört die Aktie sowohl zum Russell 1000 als auch zum breiter gefassten Russell 3000 Index. Diese Aufnahme in Large-Cap-Benchmarks signalisiert einen Wandel im Profil des Unternehmens: weg vom Projektentwickler, hin zum etablierten Produzenten.
Sangdong nimmt Fahrt auf
Der Börsenumbau fällt zeitlich mit einem operativen Meilenstein zusammen. Seit dem 1. Juli 2026 erzielt die Wolfram-Mine Sangdong in Südkorea erstmals eigene Umsätze. Die Aufbereitungsanlage verarbeitet aktuell einen Anfangsbestand von rund 139.700 Tonnen Erz zu verkaufsfähigem Wolframkonzentrat.
Abnehmer für die erste Ausbauphase ist Global Tungsten & Powders. Der Liefervertrag mit dem Unternehmen wurde kürzlich auf eine Laufzeit von 21 Jahren verlängert. Läuft Sangdong auf voller Kapazität, soll die Mine rund 40 Prozent der Wolfram-Nachfrage außerhalb Chinas decken — ein Wert, der Almonty zu einem zentralen Lieferanten für westliche Verteidigungs- und Hightech-Industrien machen würde.
Die kommenden Wochen dürften zeigen, wie sich der Handel nach dem ASX-Rückzug Anfang September auf der Nasdaq und in Frankfurt einpendelt. Die technische Verkaufswelle aus Toronto sollte mit dem Abschluss der Indexanpassungen auslaufen.
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