Almonty Industries meldet binnen weniger Wochen gleich drei Nachrichten mit Gewicht. Die Wolfram-Mine Sangdong in Südkorea beginnt mit der Produktion. Der Konzern steigt in zwei wichtige Russell-Indizes auf. Trotzdem verliert die Aktie in der vergangenen Woche rund 13 Prozent an Wert.
Vom Lagerbestand zum Konzentrat
Almonty hat die Verarbeitungsanlage in Sangdong in Betrieb genommen. Seit Juni läuft dort bereits gefördertes Erz durch die Anlage und wird zu Wolframkonzentrat verarbeitet. Damit vollzieht die Mine den Sprung von der Bauphase in die tatsächliche Produktion.
Zum Ende des ersten Quartals lagerten rund 120.000 Tonnen Erz mit einem Gehalt von 0,24 Prozent Wolframtrioxid. Im zweiten Quartal kam frisches Material hinzu: 19.700 Tonnen mit einem höheren Gehalt von 0,35 Prozent.
Der Gesamtbestand summiert sich damit auf rund 139.700 Tonnen bei einem Mischgehalt von etwa 0,25 Prozent. Nach aktuellen Wolframpreisen entspricht dieser Lagerbestand rechnerisch 2,6 Monaten Verarbeitungskapazität der ersten Ausbaustufe. Der geschätzte Bruttowert des im Prozess gebundenen Wolframs liegt bei rund 68 Millionen US-Dollar.
Zahlen, die schon vor dem Produktionsstart überzeugten
Auch ohne Sangdong lief das Geschäft zuletzt gut. Der Umsatz stieg im ersten Quartal 2026 um 221 Prozent auf 25,4 Millionen US-Dollar. Haupttreiber war die Mine Panasqueira in Portugal, wo sich der Umsatz binnen eines Jahres mehr als verdreifachte.
Der operative Cashflow lag bei 9,7 Millionen US-Dollar im Plus. Das bereinigte EBITDA erreichte 6,1 Millionen US-Dollar. Zum Quartalsende verfügte Almonty über eine Kassenposition von 259,9 Millionen US-Dollar, das Working Capital lag bei 169,5 Millionen US-Dollar.
Nach der Russell-Neugewichtung Ende Juni lag die Marktkapitalisierung bei rund 4,6 Milliarden US-Dollar. Die Aktie notierte zu diesem Zeitpunkt zwischen 16,21 und 16,28 US-Dollar.
Russell-Aufnahme und frisches Kapital
Am 29. Juni 2026 nahm Almonty in den großkapitalisierten Russell 1000 sowie den breiter gefassten Russell 3000 Index auf. Vorstandschef Lewis Black bezeichnete diesen Schritt als Meilenstein, der „auf Basis der Zahlen und nicht durch Einladung“ erreicht wurde. Die Indexaufnahme öffnet den Titel für Fonds und institutionelle Investoren, die zuvor an Benchmark-Vorgaben gebunden waren und die Aktie gar nicht halten durften.
Kurz zuvor hatte der Konzern seine Finanzierung bereits abgesichert. Anfang Juni bepreiste Almonty eine Wandelanleihe über 700 Millionen US-Dollar mit einem Kupon von 2,25 Prozent und Laufzeit bis 2031. Die Abwicklung erfolgte am 9. Juni 2026, die Erstkäufer erhielten zusätzlich eine Option auf weitere 100 Millionen US-Dollar innerhalb von 13 Tagen.
Rund 50 Millionen US-Dollar der Erlöse sollen bestehende Schulden ablösen. Die restlichen 543 Millionen US-Dollar fließen in das Working Capital und mögliche Zukäufe.
Geopolitischer Rückenwind, volatiler Kurs
Der Zeitpunkt des Produktionsstarts trifft auf ein günstiges Marktumfeld. Wolframpreise profitieren derzeit von geopolitischen Lieferengpässen, während westliche Abnehmer verstärkt nach Alternativen zu chinesischem Wolfram suchen. Sangdong gilt dabei als eines der größten und hochgradigsten Wolframvorkommen weltweit und soll künftig westliche Industrie- und Verteidigungslieferketten absichern.
Der Kursverlauf zeigt allerdings, dass gute Nachrichten nicht automatisch zu steigenden Kursen führen. Am Montag nach der Indexaufnahme fiel die Aktie auf 22,33 kanadische Dollar und rutschte unter ihre 50-Tage-Linie. Binnen einer Woche verlor das Papier rund 13 Prozent.
Die annualisierte Volatilität lag bei auffälligen 91 Prozent. Seit Jahresbeginn steht dennoch ein Plus von rund 86 Prozent. Binnen zwölf Monaten hat sich der Kurs mehr als verdreifacht.
Mit dem Anlauf der Verarbeitungsanlage rückt nun die operative Umsetzung in den Mittelpunkt. Entscheidend wird, wie schnell Sangdong die volle Kapazität erreicht und welche Margen sich bei den aktuellen Wolframpreisen tatsächlich realisieren lassen. Typische Anlaufschwankungen einer neu in Betrieb genommenen Anlage dürften die Produktionszahlen in den kommenden Quartalen begleiten.
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