Manchmal erzählt eine Aktie ihre Geschichte nicht über Kursverläufe, sondern über die Handelsplätze, die sie verlässt. Almonty Industries hat sich in diesem Sommer gleich von zwei Börsenplätzen verabschiedet: Ende Juli verschwand die Aktie von der Toronto Stock Exchange, Anfang September folgte die Streichung von der Australian Securities Exchange, nachdem die CHESS Depositary Interests bereits Ende August vom Handel ausgesetzt worden waren. Was bleibt, ist die Nasdaq – und genau darin liegt die eigentliche Geschichte.
Wolfram ist eines jener Metalle, die in keiner Anlegerpräsentation glänzen, aber in jeder Waffe, jedem Bohrer und jeder Turbine stecken. Es ist ein strategisches Metall, dessen Lieferketten seit Jahren im Fokus westlicher Regierungen stehen, die sich von chinesischer Dominanz unabhängiger machen wollen.
Almonty betreibt mit der Sangdong-Mine in Südkorea genau jenes Projekt, das diese Unabhängigkeit liefern soll – und die Verlagerung des Börsenlistings auf die Nasdaq wirkt wie eine Bestätigung, wo das Kapital für solche Projekte inzwischen herkommt.
Ein Konzern im Umbau – finanziell wie operativ
Die Zahlen aus dem zweiten Quartal untermauern, dass diese Neuausrichtung nicht nur symbolischer Natur ist. Almonty meldete einen Umsatz von 43,0 Millionen kanadischen Dollar, ein Plus von 498 Prozent gegenüber dem Vorjahr, getragen von Rekordpreisen für Wolfram.
Der Nettogewinn lag bei 181,8 Millionen kanadischen Dollar, nachdem im Vorjahresquartal noch ein Verlust von 58,2 Millionen kanadischen Dollar zu Buche stand. Das bereinigte EBITDA drehte von minus 4,8 Millionen auf plus 17,6 Millionen kanadische Dollar.
Noch auffälliger ist die Kassenposition: Zum 30. Juni verfügte das Unternehmen über 1,23 Milliarden kanadische Dollar in bar, gegenüber 268,4 Millionen kanadischen Dollar zum Jahresende 2025. Möglich wurde das durch die Ausgabe von wandelbaren Anleihen über 800 Millionen US-Dollar mit einem Kupon von 2,25 Prozent, fällig 2031 – eine Platzierung, die überzeichnet war und bei der die Konsortialbanken zusätzlich eine Option über 100 Millionen US-Dollar vollständig ausübten.
Wer als Rohstoffproduzent eine solche Summe am Kapitalmarkt einsammeln kann, sendet ein Signal: Investoren trauen dem Projekt Sangdong zu, dass es die Erwartungen erfüllt.
Von Kanada und Australien in den Mainstream
Die Delistings von TSX und ASX lassen sich als logische Konsequenz lesen. Ende Juni war Almonty bereits in die Russell-1000- und Russell-3000-Indizes aufgenommen worden – eine Aufnahme, die üblicherweise breiteres institutionelles Kapital anzieht, das an US-Benchmarks gebunden ist.
Ein Unternehmen, das in diesen Indizes mitschwimmt, braucht keine Nebenschauplätze mehr an kleineren Börsen. Die Konzentration auf die Nasdaq bündelt Liquidität, vereinfacht die Berichterstattung und spart Verwaltungsaufwand – ein Schritt, der zu einem Unternehmen passt, das sich selbst zunehmend als globalen, nicht mehr rein kanadischen Akteur begreift.
Auch personell hat sich das Unternehmen neu aufgestellt: Mit Jorge Beristain übernahm zum 1. Juni ein neuer Finanzchef die Rolle von Brian Fox, der Anfang Mai ausgeschieden war. Der Zeitpunkt fällt in eine Phase, in der Almonty nach eigener Darstellung die nächste Wachstumsstufe an der Sangdong-Mine einläutet – seit Juli läuft dort die Verarbeitungsanlage im Durchsatzbetrieb.
Was von der Rally bleibt
Der Kurs hat diese Entwicklung honoriert: Seit Jahresbeginn steht ein Plus von 108 Prozent zu Buche, auf Sicht von zwölf Monaten sind es 335 Prozent. Zuletzt kletterte die Aktie am Dienstag um 9,2 Prozent auf 16,52 Euro, nachdem sie sich bereits auf Wochensicht um 8,3 Prozent verteuert hatte – wenngleich sich für diesen jüngsten Sprung keine neue Unternehmensmeldung erkennen lässt.
Vom 52-Wochen-Hoch bei 20,61 Euro, erreicht im April, trennen das Papier derzeit 20 Prozent, während der Abstand zum Jahrestief vom September vergangenen Jahres bei 349 Prozent liegt.
Diese Kursspanne zeigt, wie sehr die Geschichte von Almonty inzwischen zwei Ebenen hat: die operative, in der Sangdong ans Laufen kommt und Kapital in Rekordhöhe fließt, und die symbolische, in der ein kanadisches Bergbauunternehmen seine Heimatbörsen verlässt, um dort zu handeln, wo die Investoren sitzen, die an die Zukunft strategischer Metalle glauben.
Ob sich diese Wette langfristig auszahlt, hängt weniger vom Börsenplatz ab als davon, ob Sangdong tatsächlich liefert, was die Bilanzen bereits versprechen.
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