Die Rekordserie ist gerissen. Nach einem starken Börsenjahr mit einer Reihe neuer Allzeithochs hat die Allianz-Aktie in den vergangenen Tagen deutlich an Boden verloren — und das Chartbild hat sich spürbar eingetrübt.
Nach einem bereits schwachen Handelstag mit einem Minus von 3,4 Prozent büßte das Papier am Mittwoch weitere 3,97 Prozent ein. Damit wurden gleich zwei wichtige technische Marken gerissen: die 50-Tage-Linie und die Marke von 440 Euro. Am Donnerstag zeichnete sich zwar eine leichte Erholung ab, an der grundsätzlichen Lage ändert das bislang wenig.
Charttechnik zeigt Warnsignale
Seit Anfang Juli hatte sich der Rekordlauf technisch bereits nicht mehr bestätigt. RSI und MACD bildeten bearishe Divergenzen, während die Aktie weiter neue Hochs markierte — ein klassisches Fehlsignal, das schließlich in eine Topbildung zwischen 440 und 455 Euro mündete. Der MACD ist inzwischen unter seine Signallinie und die Nulllinie gefallen und zeigt damit einen kurzfristigen Abwärtstrend an.
Der RSI ist auf Tagesbasis in den überverkauften Bereich gerutscht, was eine technische Gegenreaktion begünstigen könnte. Auf Wochen- und Monatsbasis bleibt allerdings noch Spielraum nach unten. Sollte die aktuelle Aufwärtstrendlinie brechen, rückt die Marke von 395 Euro in den Fokus — dort verläuft sowohl die Ausbruchsmarke vom Juni als auch die 200-Tage-Linie.
Anleihemarkt und Finanzsektor als Belastung
Der Kursrutsch fällt zusammen mit einem Ausverkauf am Anleihenmarkt, der bei US-Staatsanleihen zuletzt einen neuen Höhepunkt erreicht hat. Steigende Renditen werden für die Allianz nicht mehr als Rückenwind gewertet, sondern als Risiko für Buchwerte im bestehenden Anleiheportfolio — insbesondere bei der Tochter PIMCO.
Der gesamte Finanzsektor zeigt sich derzeit angeschlagen: Der Branchen-ETF Financial Sector Select hat gegenüber seinen Hochs bereits rund 10 Prozent eingebüßt. Hinzu kommt wachsende Nervosität rund um die Finanzierung des KI-Booms — die Kosten für Kreditausfallversicherungen bei Unternehmen wie SoftBank und Oracle haben zuletzt den höchsten Stand seit Jahren erreicht.
Für eine Stabilisierung müsste die Allianz-Aktie den Bereich um 440 Euro zurückerobern. Angesichts der eingetrübten technischen Lage dürfte das kurzfristig schwer zu erreichen sein.
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