Nach den Halbjahreszahlen vom vergangenen Freitag hat sich die Nachrichtenlage bei Allianz beruhigt – die Analysten haben ihre Bewertungen in den Tagen danach jedoch spürbar nachgezogen. Innerhalb einer Woche hoben gleich drei Häuser ihre Kursziele an, zwei davon deutlich über das aktuelle Kursniveau.
Goldman Sachs und JPMorgan mit den größten Bewegungen
Goldman Sachs erhöhte am 12. August das Kursziel von 450 auf 465 Euro und bestätigte die Einstufung „Buy“. Zwei Tage später zog JPMorgan nach und hob sein Kursziel auf 460 Euro an, beließ die Einstufung allerdings bei „Neutral“ – ein Hinweis darauf, dass trotz höherer Bewertung nicht alle Analysten von weiterem Kurspotenzial ausgehen. RBC hatte sein Ziel bereits am 10. August von 440 auf 450 Euro angepasst, bei unveränderter Einstufung „Sector Perform“.
Die Bandbreite der Einschätzungen bleibt insgesamt groß. Während Goldman Sachs und Berenberg – letzteres mit einem Kursziel von 684 Euro nach der Telefonkonferenz zu den Halbjahreszahlen – deutlich optimistischer sind als der aktuelle Kurs, sehen andere Häuser wie Jefferies mit 325 Euro oder UBS mit 430 Euro deutlich weniger Spielraum.
Diese Einschätzungen datieren jedoch vom 7. August, dem Tag der Zahlenveröffentlichung, und sind damit älter als die jüngeren Anhebungen von Goldman Sachs, JPMorgan und RBC.
Kurs nahe am Rekordhoch
Die Aktie notiert aktuell bei 440,50 Euro und damit nur knapp unter ihrem 52-Wochen-Hoch von 443,80 Euro, das erst am 6. August erreicht wurde. Der Abstand zum Hoch beträgt lediglich 0,7 Prozent.
Zum 52-Wochen-Tief von 337,10 Euro, notiert im März, hat sich das Papier um 31 Prozent nach oben entwickelt – ein Bild, das die zunehmend zuversichtlichere Haltung der Analysten stützt.
Der Rekurs auf die neuen Kursziele fällt in eine Phase, in der die operative Substanz des Konzerns bereits belegt ist: Allianz hatte am Freitag ein operatives Rekordergebnis von 4,9 Milliarden Euro im zweiten Quartal gemeldet und die Jahresprognose von 17,4 Milliarden Euro plus/minus 1 Milliarde Euro bestätigt.
Reuters wies zugleich darauf hin, dass der bereinigte Quartalsgewinn wegen Restrukturierungsaufwendungen von 643 Millionen Euro unter den Erwartungen blieb. Der auf Anteilseigner entfallende bereinigte Nettogewinn lag im Quartal bei 2,6 Milliarden Euro, nach 2,841 Milliarden Euro im Vorjahresquartal.
Was die Kursziel-Anhebungen für Anleger bedeuten
Dass mehrere Häuser ihre Ziele erst Tage nach der eigentlichen Zahlenvorlage anheben, deutet darauf hin, dass die Restrukturierungskosten bei genauerer Betrachtung als weniger belastend eingeschätzt wurden als im ersten Reflex. Die Bestätigung der Jahresprognose und das robuste Geschäftsvolumen von 45,6 Milliarden Euro im Quartal scheinen bei den optimistischeren Analysten stärker zu wiegen als der kurzfristige Gewinndruck.
Für die Aktie bedeutet das: Sie bewegt sich mit einem RSI von 63,4 in einem noch nicht überhitzten, aber klar positiven Marktumfeld. Der Abstand zum 200-Tage-Durchschnitt von 14 Prozent zeigt einen intakten Aufwärtstrend seit Monaten. Ob sich das Kurspotenzial der optimistischeren Kursziele tatsächlich materialisiert, dürfte sich erst in den kommenden Quartalen zeigen, wenn sich die Restrukturierungskosten in der Bilanz auflösen.
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