Knapp unter dem Allzeithoch, starke Quartalszahlen — und dennoch warnt eine der renommiertesten europäischen Investmentbanken vor der Aktie. Bei der Allianz klaffen gerade operative Realität und Kurspotenzial auseinander.
Barclays sieht 40 Euro Luft nach unten
Analyst Ivan Bokhmat von Barclays bestätigt sein „Underweight“-Rating und ein Kursziel von 350 Euro. Beim aktuellen Kurs von rund 391 Euro impliziert das ein Korrekturpotenzial von gut zehn Prozent.
Seine Begründung: Im Schaden- und Unfallgeschäft lief das erste Quartal schwächer als bei einigen Wettbewerbern. Marktvolatilität belastete das Lebensversicherungsgeschäft. Trotz solider Gewinne fehle dem Konzern die nötige Ergebnisdynamik, um die aktuelle Bewertung zu rechtfertigen. Innerhalb der Branche zieht Barclays derzeit Münchener Rück und AXA vor.
Der RSI liegt aktuell bei 82 — das Papier gilt technisch als überkauft. Mit einem Kurs knapp ein Prozent unter dem 52-Wochen-Hoch von 394,80 Euro ist der Spielraum nach oben eng.
Rekordergebnis trifft auf skeptische Bewertung
Operativ läuft es bei der Allianz gut. Das operative Ergebnis stieg im ersten Quartal um 6,6 Prozent auf einen Rekordwert von 4,5 Milliarden Euro. Sachversicherung und Asset Management trieben das Wachstum.
Das Management hält am Jahresziel von 17,4 Milliarden Euro fest. Dazu läuft das im Februar angekündigte Rückkaufprogramm: Von den geplanten 2,5 Milliarden Euro zog der Konzern im ersten Quartal bereits Anteile im Wert von 300 Millionen Euro ein.
Für Einkommensinvestoren bleibt die Dividende ein Argument. Nach 17,10 Euro je Aktie für das Vorjahr rechnen Marktbeobachter mit einer weiteren Steigerung — die Dividendenrendite liegt aktuell über vier Prozent.
Konsens gegen Barclays
Der Analystenkonsens sieht das mittlere Kursziel noch bei knapp 400 Euro. Barclays bildet damit eine klare Gegenposition zu optimistischeren Einschätzungen anderer Häuser.
Wie sich die Allianz bei Schadenbelastungen durch Naturkatastrophen und anhaltender Kapitalmarktvolatilität schlägt, wird die nächste Berichtssaison zeigen. Die Quartalszahlen für das zweite Quartal liefern dann den nächsten konkreten Stresstest für die Barclays-These.
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