Die Allianz SE hat ihren Kurs auf Expansion in den vergangenen Wochen konsequent fortgesetzt. Während die Halbjahreszahlen von Anfang August und die Einordnung des Rechenzentrums-Versicherungsmarktes bereits verarbeitet sind, rücken nun zwei andere Entwicklungen in den Fokus: die Neuordnung des Vorstands zum Jahreswechsel und eine ganze Serie kleinerer, aber strategisch bedeutsamer Übernahmen im Asset- und Versicherungsgeschäft.
Vorstand wird verkleinert und neu sortiert
Ende Juli hatte der Münchener Versicherungskonzern eine tiefgreifende personelle Neuordnung angekündigt. Günther Thallinger, im Vorstand zuständig für Global Health Insurance und Investment Management, scheidet zum Jahresende aus dem Gremium aus. Der Vorstand schrumpft damit von neun auf acht Mitglieder.
Seine Ressorts werden neu verteilt: Andreas Wimmer, bislang für das Asset Management verantwortlich, übernimmt künftig das Investment Management und soll damit Kapitalmarkt-, Investment- und Steuerungsthemen enger verknüpfen. Renate Wagner erhält zusätzlich zu Personal und M&A auch die Region Deutschland, Schweiz sowie Zentral- und Osteuropa.
Zum 1. Januar 2027 rückt zudem Tomas Kunzmann, seit Mitte 2022 Chef von Allianz Partners, in den Vorstand auf. Er verantwortet dann den Asien-Pazifik-Raum inklusive Indien, das Global-Health-Geschäft und Nachhaltigkeitsthemen. Der Umbau fällt in eine Phase, in der der Konzern operativ so profitabel arbeitet wie nie zuvor – im zweiten Quartal erzielte Allianz einen operativen Gewinn von 4,9 Milliarden Euro, ein Rekordwert.
Zukäufe in Asien, Europa und Australien
Parallel zur Führungsneuordnung baut Allianz sein internationales Geschäft über mehrere Übernahmen weiter aus. Größter Posten ist der Erwerb von HSBC Life Singapore für rund 2,1 Milliarden Euro, verbunden mit einer langfristigen Vertriebskooperation mit HSBC. Der Abschluss ist für die erste Jahreshälfte 2027 geplant.
Über die Fondstochter AllianzGI kommt zudem UOB Asset Management für 555 Millionen Singapur-Dollar hinzu, umgerechnet etwa 376 Millionen Euro – das verwaltete Vermögen von UOBAM beläuft sich auf 28 Milliarden Euro und hebt die verwalteten Assets von AllianzGI in der Region auf über 170 Milliarden Euro.
Kleinere, aber ebenfalls strategisch angelegte Schritte betreffen den portugiesischen Erwerb von Caravela für rund 150 Millionen Euro sowie die Übernahme des Reiseversicherungsgeschäfts der australisch-neuseeländischen nib Group durch Allianz Partners für bis zu 50 Millionen australische Dollar. Zusätzlich vereinfacht der Konzern seine Beteiligungsstruktur bei der Fondstochter PIMCO, indem er ausstehende PIMCO-M-Units gegen Barmittel zurückkauft.
Kurs nahe Rekordhoch, Bewertung bleibt anspruchsvoll
Die Investitionsoffensive fällt in eine Phase hoher Marktbewertung. Die Allianz-Aktie schloss am Mittwoch bei 450,40 Euro und liegt damit nur 0,5 Prozent unter ihrem 52-Wochen-Hoch von 452,80 Euro. Seit Jahresbeginn hat das Papier 15 Prozent zugelegt, auf Zwölfmonatssicht sogar 24 Prozent.
Der Abstand zum 200-Tage-Durchschnitt beträgt 16 Prozent – ein Zeichen für den anhaltend robusten Aufwärtstrend, den Anleger angesichts der Rekordgewinne und der internationalen Expansionsstrategie bislang honorieren.
Für Investoren bleibt der 12. November als nächster wichtiger Termin im Blick: Dann legt Allianz die Zahlen zum dritten Quartal und den ersten neun Monaten 2026 vor – und dürfte zeigen, ob sich die Zukaufserie bereits in den Kennziffern niederschlägt.
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