Die Allianz baut ihre Präsenz in Asien deutlich aus. Der Versicherungskonzern gab am Freitag vergangener Woche die Übernahme von HSBC Life Singapore bekannt und besiegelte gleichzeitig eine exklusive, auf 15 Jahre angelegte Vertriebspartnerschaft mit HSBC Singapore. Damit will das Unternehmen seine Stellung im Lebens- und Krankenversicherungsgeschäft der Region signifikant erweitern.
Die Expansion nach Asien reiht sich in eine Serie internationaler Initiativen ein. Erst wenige Tage zuvor hatte die Allianz in Spanien ein KI- und satellitengestütztes Frühwarnsystem für Waldbrände gestartet, um Risiken im Sachversicherungsportfolio besser zu steuern. Beide Schritte unterstreichen den Anspruch des Konzerns, technologisch und geografisch zu wachsen, während gleichzeitig operative Risiken enger überwacht werden sollen.
Rekordkurs und laufendes Rückkaufprogramm
Der Aktienmarkt honorierte die strategischen Nachrichten. Die Aktie kletterte am Montag auf ein neues Allzeithoch und schloss zuletzt am Dienstag bei 432,90 Euro – nur 0,14 Prozent unter der bisherigen 52-Wochen-Bestmarke von 433,50 Euro. Seit Jahresbeginn steht damit ein Plus von 10,86 Prozent zu Buche, ein Beleg dafür, wie stabil sich der Titel durch das Jahr bewegt hat.
Parallel zur Expansion treibt die Allianz ihr Aktienrückkaufprogramm voran, das im März gestartet wurde. Zwischen dem 20. und 24. Juli erwarb der Konzern 261.863 eigene Aktien zu einem Durchschnittskurs von rund 424,64 Euro. Seit Programmstart summiert sich das Volumen damit auf 4.480.671 zurückgekaufte Anteile. Der Rückkauf entzieht dem Markt kontinuierlich Aktien und stützt damit tendenziell den Kurs, während gleichzeitig die Nachfrage durch positive Unternehmensnachrichten gestiegen ist.
Analysten erhöhen Kursziele
Die jüngste Kursentwicklung fand auch bei Analysten Anklang. RBC Capital Markets hob am Montag das Kursziel für die Allianz-Aktie von 400 auf 440 Euro an, beließ die Einstufung jedoch bei „Sector Perform“. Begründet wurde die Anhebung mit erwarteten starken Ergebnissen im Schaden- und Unfallgeschäft, da die Belastungen durch Naturkatastrophen zuletzt gering ausgefallen seien.
Bereits Ende der Vorwoche hatte JPMorgan Chase sein Kursziel im Vorfeld der anstehenden Berichtssaison von 415 auf 430 Euro erhöht. Beide Anpassungen liegen damit unterhalb des zuletzt erreichten Rekordniveaus der Aktie, was die Erwartungshaltung des Marktes für die kommenden Quartalszahlen widerspiegelt.
Vorstandsumbau und Blick auf die Berichtssaison
Neben dem operativen Geschäft sorgt auch ein struktureller Einschnitt für Aufmerksamkeit. Der Aufsichtsrat beschloss vergangene Woche, den Vorstand zum Jahresende von neun auf acht Mitglieder zu verkleinern. Günther Thallinger verlässt das Gremium zum 31. Dezember; seine Zuständigkeiten, darunter das Investment Management, übernehmen künftig Andreas Wimmer, Tomas Kunzmann und Sirma Boshnakova.
Auf der Investmentseite mahnte die Fondstochter Allianz Global Investors zuletzt zur Vorsicht: Die anstehende Zinsentscheidung der Europäischen Zentralbank könne für zusätzliche Volatilität sorgen. Gleichzeitig rechnet die Investmenttochter für die zweite Jahreshälfte mit einem robusten Wachstum des Welthandels.
Im Fokus der Anleger steht nun der 7. August, wenn die Allianz ihre Zahlen zum zweiten Quartal und die Halbjahresbilanz vorlegt. Die Berichtssaison dürfte zeigen, ob sich die von RBC prognostizierten geringen Schadenbelastungen im Ergebnis niederschlagen. Bereits terminiert ist zudem der 12. November für die Quartalsmitteilung zum dritten Quartal – ein weiterer Prüfstein für die zuletzt kräftige Kursentwicklung des Versicherungskonzerns.
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