Die Allianz baut ihr Asiengeschäft aus und krempelt gleichzeitig den Vorstand um. Der Münchener Versicherungskonzern übernimmt HSBC Life Singapore für rund zwei Milliarden Euro und sichert sich zugleich eine exklusive Vertriebspartnerschaft mit der Bank für die kommenden 15 Jahre. Der Deal markiert den nächsten Anlauf des Konzerns, in Südostasien Fuß zu fassen.
Zwei Milliarden Euro für den Zugang zu Singapur
Die Allianz Asia Holding übernimmt sämtliche Anteile an HSBC Life Singapore. Der Kaufpreis liegt bei umgerechnet rund zwei Milliarden Euro. Zusätzlich zahlt die Allianz eine Vorabsumme für die exklusive Bancassurance-Vereinbarung mit HSBC Singapore, die über 15 Jahre läuft und den Vertrieb von Lebens-, Kranken-, Schutz- und Rentenversicherungsprodukten über das Bankennetz sichert. Der Abschluss der Transaktion ist für das erste Halbjahr 2027 geplant, vorbehaltlich der Zustimmung der Regulierungsbehörden, darunter die Monetary Authority of Singapore. Anusha Thavarajah, CEO der Allianz Asia Pasifik, sprach von einer Stärkung der Position des Konzerns in Singapur und einem klaren Bekenntnis zu langfristigem Wachstum in der Region. Das Management der Allianz rechnet mittelfristig mit einer zweistelligen Rendite aus dem neuen Geschäft. Für HSBC bedeutet der Verkauf eine Fokussierung auf das Kernbankgeschäft.
Der Vorstoß fügt sich in ein größeres Bild: Asiatische Aktienmärkte zeigten sich zuletzt insgesamt in aufgehellter Stimmung, während Investoren zunehmend über die USA hinausblicken und Wachstumsmärkte in Asien und Südostasien stärker gewichten. Für die Allianz ist Singapur als Finanzplatz ein strategischer Ankerpunkt, um von dieser Kapitalverschiebung zu profitieren.
Vorstand schrumpft, Thallinger und Röhler gehen
Parallel zur Übernahme verkleinert die Allianz ihren Vorstand von neun auf acht Mitglieder. Günther Thallinger, zuständig für Kapitalanlagen, Krankenversicherung und Nachhaltigkeit, verlässt den Konzern zum Jahresende 2026 vorzeitig. Auch Klaus-Peter Röhler geht zum Jahresende in den Ruhestand. Die Aufgaben werden neu verteilt: Andreas Wimmer übernimmt ab 2027 die Eigenanlagen und das Asset Management, Tomas Kunzmann wird zusätzlich zu seiner Rolle als Asien-Chef für globale Gesundheit und Nachhaltigkeit zuständig und ersetzt Röhler. Der Umbau signalisiert, dass die Allianz ihre Führungsstruktur stärker auf das Wachstum in Asien ausrichtet, während sie zugleich die Kapitalanlage-Kompetenz neu bündelt.
Bewertung bleibt im Sektorvergleich moderat
Am Aktienmarkt kam die Nachricht bislang ohne große Ausschläge an. Die Allianz-Aktie schloss am Freitag bei 425,30 Euro und liegt damit nur 1,23 Prozent unter ihrem 52-Wochen-Hoch. Seit Jahresbeginn steht ein Plus von 8,91 Prozent zu Buche – solide, aber im Versicherungssektor nicht an der Spitze: Generali etwa legte im laufenden Jahr um mehr als 20 Prozent zu, während Münchener Rück und Hannover Rück im Minus notieren.
Im direkten Vergleich mit AXA fällt die Allianz bei der Ausschüttungsrendite zurück: AXA kommt auf eine erwartete Dividendenrendite von 5,6 Prozent für 2026, die Allianz auf 4,3 Prozent. Beim Kurs-Gewinn-Verhältnis liegt die Allianz mit 13,9 deutlich über dem AXA-Wert von 10,8, was auf eine höhere Bewertung durch den Markt hindeutet. Das mittlere Analystenkursziel für die Allianz-Aktie liegt bei 419,42 Euro – die Aktie notiert damit bereits über dieser Marke. Anleger dürften nun vor allem auf die für den 7. August angekündigten Quartalszahlen schauen, die zeigen sollen, wie sich das operative Geschäft neben der laufenden Asien-Expansion entwickelt.
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