Während Baidu mit einbrechenden Werbeerlösen kämpft, gerät Alibaba gleich an mehreren Fronten in den Blick — als Konkurrent, als Investor und als Ziel einer politischen Einstufung, gegen die der Konzern nun juristisch vorgehen will.
Baidus Online-Marketing-Sparte brach im zweiten Quartal 2026 um 19 Prozent auf 13,1 Milliarden Yuan ein. Als Grund nennt das Unternehmen selbst den wachsenden Marktanteil von ByteDance und Alibaba im Werbegeschäft.
Für Alibaba ist das ein Beleg dafür, dass die eigene Werbeplattform trotz des harten Konkurrenzumfelds in China weiter Boden gutmacht — während der einstige Platzhirsch Baidu bereits das fünfte Quartal in Folge schrumpfende Umsätze meldet.
Militär-Label sorgt für Streit
Brisanter ist die Auseinandersetzung um eine Einstufung des US-Verteidigungsministeriums. Das Pentagon hatte Alibaba im Juni als „chinesisches Militärunternehmen mit Aktivitäten in den USA“ gelistet — eine Kategorisierung, die dem Verteidigungsministerium jegliche Geschäftsbeziehung mit dem Konzern untersagt.
Ein Alibaba-Sprecher wies die Einordnung als „willkürlich und rechtswidrig“ zurück und kündigte eine Klage zur Aufhebung der Liste an. Der Konzern betont, weder ein Militärunternehmen zu sein noch Teil einer zivil-militärischen Fusionsstrategie.
Zusätzliche Brisanz erhält das Thema durch Berichte über die Kryptofirma World Liberty Financial des Trump-Umfelds, die über die Plattform WorldClaw auch auf chinesische KI-Modelle zugreift — darunter Modelle von Alibaba und Baidu.
Die Verbindung wirft ein Schlaglicht darauf, wie widersprüchlich der Umgang der US-Politik mit chinesischer KI-Technologie derzeit ausfällt: Sicherheitsbedenken auf der einen Seite, kommerzielle Nutzung im Umfeld der Regierungsfamilie auf der anderen.
Investment in KI-Video-Startup
Auf der Investitionsseite bleibt Alibaba aktiv. Das von Alibaba mitfinanzierte KI-Videounternehmen ShengShu Technology, Betreiber der Plattform Vidu, prüft einem Bericht zufolge einen Börsengang in Hongkong mit einem Volumen von mehr als 500 Millionen Dollar, möglicherweise im kommenden Jahr.
Alibaba hatte im April eine Finanzierungsrunde über umgerechnet rund 297 Millionen Dollar für ShengShu angeführt. Vidu konkurriert im chinesischen KI-Video-Markt mit ByteDance und Kuaishou — einem Feld, das seit der Einstellung von OpenAIs Sora-Plattform an Bedeutung gewinnt.
Die Aktie selbst bewegte sich zuletzt nur moderat, während das Marktumfeld für Technologiewerte durch steigende Zinsen und Inflationssorgen belastet blieb. Der juristische Streit um die Pentagon-Einstufung dürfte sich über Monate hinziehen — ein Ausgang zugunsten Alibabas würde die Unsicherheit für US-Geschäftspartner des Konzerns spürbar verringern.
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