Während Alibaba auf der Apsara-Konferenz mit einem neuen KI-Chip und XXL-Ausbauplänen für Aufsehen sorgt, bekommt der Konzern zeitgleich Besuch von Chinas Internetregulierer. Der Grund: Vorwürfe, sensible Nutzerdaten seien unautorisiert an US-Modelle von Anthropic weitergeleitet worden. Zwei völlig gegensätzliche Nachrichten an einem Tag — Wachstumsfantasie auf der einen, Regulierungsdruck auf der anderen Seite.
Chip-Vorstellung mit Ansage
Alibaba präsentierte den neuen Hochleistungschip Zhenwu V900, der nach Unternehmensangaben dreimal so leistungsfähig sein soll wie sein Vorgänger. Ein einzelner Cluster kann laut Konzern bis zu 500.000 Chips verbinden. Die Serienproduktion ist für das erste Quartal 2027 geplant, künftig soll die Zhenwu-Reihe jährlich erneuert werden.
Parallel dazu will Alibaba die weltweite Rechenzentrumskapazität bis 2032 auf mehr als 20 Gigawatt ausbauen. Über drei Jahre sollen dafür mehr als 53 Milliarden Dollar in Chips, Rechenzentren und Modelle fließen. Im August hatte der Konzern über eine Kapitalmaßnahme in Hongkong bereits rund 10,2 Milliarden Dollar eingesammelt.
CEO Eddie Wu spricht von „exponentiell steigender Nachfrage“ nach Rechenleistung — auch die kommenden Modellgenerationen Qwen 4.5 und Qwen 5 sollen mit bis zu zehn Billionen Parametern deutlich größer ausfallen als das aktuelle Spitzenmodell.
Der größere Hebel für Anleger liegt im Cloud-Geschäft: Alibaba strebt an, den jährlichen Umsatz mit Cloud- und KI-Diensten binnen fünf Jahren zu verfünffachen, auf rund 100 Milliarden Dollar. Bereits im laufenden Quartal sollen KI-Produkte auf einen annualisierten Umsatz von etwa 10 Milliarden Dollar kommen.
Cyberspace-Administration ermittelt
Gleichzeitig gerät Alibaba in eine Datenschutzaffäre, die über den eigenen Konzern hinausreicht. Die Cyberspace Administration of China untersucht neben DeepSeek und Moonshot AI auch Alibaba sowie SenseTime, Zhipu, MiniMax und Xiaomi.
Auslöser war ein Bericht von Anthropic, wonach sieben chinesische Firmen unautorisiert Claude-Modelle genutzt und dabei teils sensible Anfragen — bis hin zu Daten aus Polizei- und Militärkontexten — an die US-Modelle weitergeleitet haben sollen. Die Behörde hatte Vertreter der genannten Unternehmen bereits zur Befragung geladen.
Konkrete Details zur Rolle Alibabas in dem Verfahren sind bislang nicht bekannt. Für den Konzern, der gerade seine eigene Chip- und Modellstrategie als Antwort auf US-Exportbeschränkungen positioniert, ist die Untersuchung dennoch unangenehmes Timing — sie trifft ausgerechnet in eine Phase, in der Alibaba sich als unabhängige, souveräne KI-Infrastruktur Chinas präsentieren will.
Die Investitionsoffensive bleibt der bestimmende Faktor für die Aktie. Ob Alibaba die milliardenschweren Ausgaben durch das geplante Cloud-Wachstum rechtfertigen kann, dürfte sich in den kommenden Quartalszahlen zeigen — ebenso, welche Konsequenzen die Datenschutzprüfung der Cyberspace Administration am Ende nach sich zieht.
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