Der chinesische E-Commerce-Gigant Alibaba hat am gestrigen Donnerstag seine Bilanz für das erste Quartal des Geschäftsjahres 2027 vorgelegt und damit ein deutliches Signal an den Markt gesendet.
Während der Konzern beim Umsatz moderat wächst, fordert der massive Ausbau der Infrastruktur für künstliche Intelligenz (KI) einen hohen Preis beim Gewinn. Die Zahlen verdeutlichen den tiefgreifenden Umbau des Unternehmens, das seine Prioritäten weg von kurzfristigen Profiten hin zur technologischen Marktführerschaft verschiebt.
Cloud-Sparte profitiert von massiver KI-Nachfrage
Ein zentraler Lichtblick im Quartalsbericht ist das Cloud-Geschäft. Der externe Umsatz in diesem Segment kletterte im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 45 Prozent auf 48,44 Milliarden Yuan. Laut Medienberichten ist dies das stärkste Wachstum seit 22 Quartalen.
Getrieben wurde diese Entwicklung primär durch die Nachfrage nach KI-Infrastruktur und zugehörigen Produkten. KI-bezogene Umsätze verzeichneten dabei das zwölfte Quartal in Folge ein dreistelliges Wachstum und machen mittlerweile rund 35 Prozent des gesamten Cloud-Umsatzes aus.
In der Cloud-Sparte konnte Alibaba zudem die Profitabilität steigern: Das bereinigte EBITA des Segments legte um 133 Prozent auf 5,63 Milliarden Yuan zu. CEO Eddie Wu betonte in diesem Zusammenhang die „Full-Stack-AI-Strategie“ des Konzerns. Ein Beleg für diese technologische Offensive ist die Vorstellung des neuen Modells Qwen 3.8 Max, das die Wettbewerbsfähigkeit im Bereich der Large Language Models weiter festigen soll.
Hoher Kapitalbedarf belastet den Cashflow
Der massive Ausbau der Kapazitäten spiegelt sich jedoch auch in den Ausgaben wider. Die Kapitalausgaben (Capex) schossen im Berichtsquartal um 75 Prozent auf 67,68 Milliarden Yuan in die Höhe. Dies blieb nicht ohne Folgen für die Bilanz: Der Nettogewinn brach im Vergleich zum Vorjahr um 75 Prozent auf 10,54 Milliarden Yuan ein.
Neben den hohen Investitionen belasteten auch eine Goodwill-Abschreibung in Höhe von 4,46 Milliarden Yuan sowie eine EU-Geldbuße von 550 Millionen Euro das Ergebnis.
Besonders kritisch wird am Markt die Entwicklung des Cashflows beobachtet. Analysten der Citi äußerten sich besorgt über den freien Cashflow, der mit minus 44,67 Milliarden Yuan tief in den negativen Bereich rutschte. Dies markiert einen drastischen Umschwung gegenüber dem Vorjahr und unterstreicht die finanzielle Intensität der aktuellen Expansionsphase.
Auch das Kerngeschäft im chinesischen E-Commerce zeigte sich zuletzt volatil: Während der Umsatz in diesem Bereich um 8 Prozent auf 110,9 Milliarden Yuan sank, konnte das Segment Quick Commerce ein Plus von 45 Prozent auf 53,3 Milliarden Yuan erzielen. Die Zahl der zahlungskräftigen 88VIP-Mitglieder stieg zudem auf 64 Millionen.
Strategischer Fokus auf langfristige Amortisation
Anleger reagierten am gestrigen Handelstag zunächst mit Verkäufen auf die verfehlten Gewinnwarnungen, doch der Kurs konnte sich im Verlauf stabilisieren. Die Aktie schloss gestern bei 111,20 Euro. Damit notiert das Papier aktuell rund 12 Prozent über seinem 50-Tage-Durchschnitt, bleibt jedoch mit einem Abstand von 32 Prozent deutlich unter seinem 52-Wochen-Hoch von 164,20 Euro.
Für die Zukunft hat die Unternehmensführung klare Ziele definiert. CEO Eddie Wu gab an, dass der Konzern über einen Zeitraum von drei Jahren Investitionen von mehr als 380 Milliarden Yuan plane. Das Ziel ist ehrgeizig: In fünf Jahren soll der kombinierte Umsatz aus Cloud und KI die Marke von 100 Milliarden US-Dollar erreichen.
Wu rechnet damit, dass die aktuellen Investitionen in die KI-Infrastruktur in etwa drei Jahren die Gewinnschwelle erreichen werden. Für Alibaba steht fest, dass die technologische Transformation Vorrang vor der kurzfristigen Margenoptimierung hat, um im harten Wettbewerb mit nationalen und internationalen Rivalen bestehen zu können.
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