Albemarle liefert starke Zahlen, der Kurs fällt trotzdem. Genau dieser Widerspruch prägt die Aktie des Lithiumproduzenten gerade. Operativ zieht das Geschäft an, Analysten erhöhen ihre Erwartungen spürbar. Am Markt dominiert aber kurzfristig der Verkaufsdruck.
Am Freitag notiert die Albemarle-Aktie bei 139,00 Euro und verliert 1,87 Prozent. Auf Monatssicht steht ein Minus von 15,24 Prozent. Damit hat sich die Korrektur deutlich beschleunigt.
Starke Zahlen, schwacher Kurs
Der Rücksetzer wirkt auf den ersten Blick hart. Seit dem Hoch vom 7. Mai bei 187,05 Euro liegt die Aktie rund 25,69 Prozent tiefer. Der RSI von 33,3 signalisiert zudem eine angeschlagene technische Lage.
Operativ zeigt Albemarle ein anderes Bild. Im ersten Quartal stieg der Umsatz auf 1,4 Milliarden Dollar, ein Plus von 33 Prozent. Das bereinigte EBITDA erreichte 664 Millionen Dollar.
Auch beim Ergebnis gab es einen deutlichen Sprung. Der Nettogewinn lag bei 319 Millionen Dollar. Bereinigt verdiente Albemarle 2,95 Dollar je Aktie.
Der wichtigste Treiber bleibt das Geschäft mit Energiespeichern. Dort legten die Volumina um 14 Prozent zu, die Preise sogar um 51 Prozent. Im Spezialitätengeschäft stiegen die Mengen um 7 Prozent, die Preise um 2 Prozent.
Die Börse honoriert das bisher nicht. Kein Wunder, dass der Titel gerade zwischen besseren Fundamentaldaten und schwacher Marktstimmung zerrieben wird.
Analysten drehen Erwartungen nach oben
Bei den Gewinnschätzungen hat sich der Ton klar verbessert. Die Konsensprognose für den Gewinn je Aktie stieg binnen eines Monats um 49,57 Prozent. Zacks führt Albemarle deshalb mit dem Rang „Strong Buy“.
Für den nächsten Quartalsbericht rechnen Analysten mit 3,08 Dollar Gewinn je Aktie. Der Umsatz soll 1,48 Milliarden Dollar erreichen. Das wäre ein Plus von 11,36 Prozent zum Vorjahr.
Für das Gesamtjahr liegen die Erwartungen bei 12,39 Dollar Gewinn je Aktie. Beim Umsatz rechnen Analysten mit 5,99 Milliarden Dollar. Damit steckt im Modell der Experten bereits eine kräftige Erholung.
Auch die Bewertung wirkt im Branchenvergleich nicht überzogen. Albemarle handelt mit einem erwarteten KGV von 13,59. Der Branchenschnitt liegt bei 16,55.
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Das durchschnittliche Kursziel von 29 Wall-Street-Analysten beträgt 218,69 Dollar. In den vergangenen Monaten wurde es um 27,69 Prozent angehoben. Der Markt preist diese Zuversicht derzeit aber nur begrenzt ein.
Bilanz gibt Rückenwind
Albemarle hat auch auf der Finanzierungsseite gearbeitet. Ende März verfügte der Konzern über geschätzte Liquidität von 2,7 Milliarden Dollar. Darin enthalten waren 1,1 Milliarden Dollar an Barmitteln.
Die Gesamtverschuldung lag bei 1,9 Milliarden Dollar. Das Verhältnis von Nettoschulden zu bereinigtem EBITDA betrug etwa 1,0. Für einen zyklischen Rohstoffwert ist das ein wichtiger Stabilitätsanker.
Im März baute das Unternehmen Schulden über 1,3 Milliarden Dollar ab. Der gewichtete Durchschnittszins sank dadurch. Niedrigere Zinskosten sollen einen Teil der Belastungen im laufenden Jahr ausgleichen.
Auch die Dividende bleibt ein Signal. Albemarle zahlt 0,405 Dollar je Aktie. Auszahlungstag ist der 1. Juli, Stichtag ist der 12. Juni.
Die Quartalsdividende steigt seit 30 Jahren ohne Unterbrechung. Das ändert nichts an den Lithiumrisiken, stützt aber das Bild einer finanziell robusten Firma.
Lithium-Nachfrage bleibt der Hebel
Der Ausblick hängt weiter stark am Lithiummarkt. Albemarle rechnet für 2026 mit einem Nachfrageplus zwischen 15 und 40 Prozent. Der aktuelle Verbrauch läuft mit 37 Prozent nahe am oberen Ende dieser Spanne.
Besonders stark bleibt die Nachfrage aus dem Bereich Energiespeicher. Dort meldet Albemarle ein Wachstum von 117 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Das erklärt, warum höhere Mengen und bessere Preise die Zahlen so stark heben.
Belastungen gibt es trotzdem. Störungen in Lieferketten im Nahen Osten sollen 70 bis 90 Millionen Dollar kosten. Albemarle will das durch niedrigere Zinsen und bessere Preise im Spezialitätengeschäft ausgleichen.
Der nächste Quartalsbericht Ende Juli wird damit zum konkreten Prüfpunkt. Bestätigen sich höhere Mengen und stabile Preise, verliert der Abverkauf sein stärkstes Argument. Bis dahin bleibt die Aktie technisch angeschlagen, fundamental aber deutlich besser unterstützt als der Kursverlauf vermuten lässt.
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