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Aixtron Aktie: ROHM baut GaN-Fertigung mit G10-System

Aixtron profitiert vom Trend zur vertikalen Integration in der Halbleiterindustrie und setzt verstärkt auf Galliumnitrid-Technologie.

Die wichtigsten Punkte im Überblick

  • Fokuswechsel von Siliziumkarbid zu Galliumnitrid
  • Strategische Partnerschaft mit ROHM Semiconductor
  • Forschungsaufträge vom MIT Lincoln Laboratory
  • Aktienkurs mit 171 Prozent Plus seit Januar

Aixtron hat sich in den vergangenen zwölf Monaten neu erfunden. Zumindest sehen die Kapitalmärkte das so. Der Aktienkurs stieg um fast 239 Prozent. Das alte 52-Wochen-Tief von 12,02 Euro wirkt wie ein Relikt aus einer vergangenen Zeit. Was treibt diese massive Neubewertung fernab der reinen Zahlen wirklich an? Die Antwort lautet nicht mehr primär Siliziumkarbid. Der neue Fokus heißt Galliumnitrid.

Von der SiC-Flaute zum neuen Rekord

Im ersten Quartal 2026 spürte das Unternehmen noch einen deutlichen Einbruch bei der Leistungselektronik. Siliziumkarbid-Werkzeuge trugen nur noch 14 Prozent zum Geräteerlös bei. Kunden lasten ihre Anlagen weiterhin nicht voll aus. Wer darin eine Krise sah, übersah den entscheidenden Kurswechsel.

Der Auftragseingang kletterte parallel dazu auf 171,4 Millionen Euro. Das entspricht einem Plus von 30 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Eine außergewöhnlich starke Nachfrage nach Optoelektronik-Systemen trug diese Entwicklung. Sie machten fast 70 Prozent der neuen Aufträge aus. Galliumnitrid rückt als struktureller Wachstumstreiber in den Vordergrund.

Vertikale Integration als Megatrend

Was in der Halbleiterindustrie gerade passiert, zeigt eine aktuelle Partnerschaft. Aixtron baut eine strategische Produktionslinie mit ROHM Semiconductor auf. Das japanische Unternehmen wählte Aixtrons G10-GaN-System für sein Werk in Hamamatsu. ROHM zieht dort eine eigene Epitaxie-Fertigung hoch.

Bisher ließ ROHM seine 650-Volt-Bauteile extern fertigen. Indem der Konzern die Produktion ins Haus holt, gewinnt er die Kontrolle über einen kritischen Fertigungsschritt zurück. Das System produziert aktuell 8-Zoll-Wafer für Hochleistungsanwendungen. Diese Bauteile landen in KI-Rechenzentren und Elektrofahrzeugen.

Eine weitere 100-Volt-Produktlinie zielt auf Spannungsregelmodule für KI-Beschleuniger ab. Aixtron-Chef Felix Grawert sieht darin einen entscheidenden Wandel. Führende Bauelementehersteller sichern ihre Lieferketten zunehmend selbst ab. Das ist kein Einzelfall. Auch Renesas bestellte kürzlich mehrere Anlagen für die Hochvolumenfertigung.

Von der Fabrik ins Labor

Aixtron setzt inzwischen auch auf der Forschungsseite klare Maßstäbe. Das MIT Lincoln Laboratory kaufte im Juni zwei Hyperion-Systeme. Die Anlagen unterstützen die Forschung zu Leistungselektronik und neuartigen Transistoren.

Solche Forschungsaufträge sind strategisch enorm wertvoll. Sie verankern Aixtrons Technologie als Referenzplattform im akademischen Ökosystem. Die Folge: Langfristig entstehen daraus lukrative industrielle Folgeaufträge.

Zwischen Hochpunkt und Gleichgewicht

Die Aktie notiert aktuell bei 52,98 Euro. Damit liegt das Papier exakt auf der 50-Tage-Linie. Nach dem Rückzug vom Jahreshoch bei 62,68 Euro findet der Kurs ein technisches Gleichgewicht.

Seit Januar steht dennoch ein massives Plus von 171 Prozent auf der Kurstafel. Der RSI signalisiert mit einem Wert von 47 eine neutrale Zone. Eine annualisierte Volatilität von fast 67 Prozent erinnert Anleger an das hohe Tempo.

Dem Börsenwert von 5,88 Milliarden Euro stehen klare operative Ziele gegenüber. Für das laufende Jahr erwartet der Vorstand einen Umsatz von rund 560 Millionen Euro. Die operative Marge soll bei bis zu 20 Prozent liegen.

Die Nachfrage nach Siliziumkarbid lässt derweil auf sich warten. Das Management rechnet erst für Ende 2026 oder Anfang 2027 mit neuen Impulsen.

Das eigentliche Thema

Was die Aixtron-Geschichte in diesem Sommer so interessant macht, ist der tieferliegende Grund der Kurserholung. Bauelementehersteller setzen zunehmend auf Lieferkettenkontrolle. Sie investieren massiv in eigene Fertigungskapazitäten.

ROHM positioniert sich in einem Zukunftsmarkt. Dieser soll bis 2030 auf rund drei Milliarden US-Dollar anwachsen. Aixtron steht bei dieser Transformation nicht im Rampenlicht. Der Konzern agiert als unverzichtbarer Ausrüster im Hintergrund. Wer den Markt dominieren will, kommt an den Anlagen aus Herzogenrath kaum vorbei.

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