Nach einem Kursanstieg von fast 365 Prozent in zwölf Monaten hat die Aixtron-Aktie am 28. Mai ein neues Dekadenhoch bei 59,30 Euro markiert. Am heutigen Montag gibt sie rund fünf Prozent nach — und der Analystenkonsens liegt weit unterhalb des aktuellen Niveaus. Das Spannungsfeld zwischen operativer Stärke und Bewertungsrealität ist kaum zu übersehen.
Marktdominanz als Rally-Fundament
Die Kursrally fußt auf einer außergewöhnlichen Wettbewerbsposition. Bei Galliumnitrid-Anlagen für KI-Rechenzentren kontrolliert Aixtron nach Angaben der Bank of America über 90 Prozent des Marktes. Dieselbe Dominanz gilt für optoelektronische Komponenten — Laser und Übertragungselemente für Rechenzentren. Die G10-AsP-Plattform hat sich dort als Standardlösung etabliert.
Operativ läuft das Geschäft. Der Auftragseingang sprang um 30 Prozent auf 171,4 Millionen Euro, der Auftragsbestand kletterte bis Ende März auf 359,1 Millionen Euro — nach 257,8 Millionen Euro zum Jahresende 2025.
Analysten halten Abstand
Trotzdem bleibt die Deutsche Bank bei „Hold“ und einem Kursziel von 43 Euro — das entspricht einem Abschlag von mehr als 26 Prozent gegenüber dem Freitagsschlusskurs von 58,70 Euro. Grundlage war ein Gespräch mit dem Aixtron-Finanzchef, bei dem die Bank deutlich verbesserte Aussichten attestierte. An der Zurückhaltung änderte das nichts.
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Das liegt auch an der Bewertung. Das aktuelle KGV liegt bei rund 110, das Forward-KGV bei rund 18 — der Markt preist also stark steigende Gewinne ein. Die Aktie notiert auf einem Aufschlag von mehr als drei Standardabweichungen gegenüber dem langjährigen Umsatzdurchschnitt. Wer heute kauft, wettet auf anhaltendes, beschleunigtes Wachstum ohne Verzögerung.
Engpässe und der Test im zweiten Quartal
Ein strukturelles Problem bremst den Hochlauf: Kunden haben keine freien Produktionsflächen. Aixtron muss größere Bestellungen deshalb auf 2027 verschieben. Im Siliziumkarbid-Segment — relevant für Hochvoltanwendungen in KI-Systemen und Elektrofahrzeugen, Marktanteil rund 40 Prozent — bleibt die Nachfrage wegen bestehender Überkapazitäten schwach.
Das zweite Quartal wird zum ersten echten Belastungstest. Aixtron peilt für Q2 einen Umsatz von 110 Millionen Euro an und hat größere Systemlieferungen angekündigt. Ob diese planmäßig abgewickelt werden und in stabile Margen münden, zeigt der Halbjahresbericht am 30. Juli 2026.
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