Digitale Souveränität ist für Airbus längst mehr als ein Schlagwort — jetzt wird sie konkret. Der Flugzeugbauer hat mit dem Iliad-Tochterunternehmen Scaleway einen mehrjährigen Vertrag für Cloud-Infrastruktur geschlossen, der sensible Industrie- und Verteidigungsanwendungen absichern soll. Parallel dazu bahnt sich vor der kommenden Farnborough Airshow ein weiterer Großauftrag an.
KI-Strategie setzt auf europäische Infrastruktur
Der Scaleway-Deal ist die praktische Fortsetzung der im Mai geschlossenen Partnerschaft mit dem französischen KI-Unternehmen Mistral. Airbus will die dort entwickelten Modelle künftig für Flugzeugdesign, Engineering, Fertigung und Unternehmensprozesse nutzen — inklusive militärischer Anwendungen und zertifizierter Luftfahrtsysteme. Genau dort verlangt der Konzern, dass geistiges Eigentum, Forschung und sensible Daten in europäischer Hand bleiben.
Airbus-Digitalchefin Catherine Jestin sprach von mehr als 150 geprüften technischen und rechtlichen Kriterien, bevor die Wahl auf Scaleway fiel. Ausschlaggebend war laut Jestin insbesondere der Schutz vor einem möglichen „Kill Switch“ und vor dem Zugriff extraterritorialer Gesetze — ein Punkt, der angesichts der Debatte um die geplante europäische Cloud- und KI-Gesetzgebung an Brisanz gewinnt. Rund 70 kritische Anwendungen sollen bis Ende 2028 migriert werden, das Gesamtprogramm könnte in den kommenden fünf bis sechs Jahren auf bis zu 900 Anwendungen anwachsen. Den finanziellen Umfang der Vereinbarung nannte Airbus nicht.
Neue Jets für Flynas im Gespräch
Auf der operativen Seite zeichnet sich unterdessen ein weiteres Geschäft ab: Airbus verhandelt mit der saudischen Billigfluggesellschaft Flynas über zusätzliche A330neo-Großraumflugzeuge. Eine Ankündigung könnte bereits kommende Woche auf der Farnborough Airshow fallen, im Raum stehen acht Maschinen. Berichte, wonach auch die deutsche Condor Flugdienst rund ein halbes Dutzend A330neo bestellen wolle, wurden von Branchenkennern eher zurückhaltend eingeordnet. Airbus selbst äußerte sich dazu nicht.
Jefferies bleibt vor Zahlen zurückhaltend
Mit Blick auf die anstehenden Halbjahreszahlen hat Jefferies die Einstufung für Airbus auf „Hold“ belassen, das Kursziel liegt bei 200 Euro. Analystin Chloe Lemarie rechnet im Commercial-Segment mit einem Anstieg des bereinigten operativen Ergebnisses um 53 Prozent — die zivile Sparte bleibt damit der zentrale Ergebnistreiber des Konzerns.
Die Halbjahreszahlen sind für den 29. Juli angesetzt. Bis dahin dürften vor allem die Farnborough Airshow und mögliche neue Auftragsmeldungen das Bild bestimmen.
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