Airbus schickt Spezialisten nach Indien und verschärft die Untersuchung eines brenzligen Zwischenfalls. Der Flugzeugbauer hatte bereits am 10. August angekündigt, Experten zur Aufklärung des Vorfalls vom 4. August zu entsenden, bei dem ein A320 von Air India kurzzeitig an Höhe verlor.
Nach einer vorläufigen Analyse geht Airbus davon aus, dass die Maschine für rund vier Sekunden zentrale Flugsteuerungsfunktionen verlor, nachdem in allen drei Hydrauliksystemen der Druck abgefallen war. Airbus bat Air India nun, Hydraulik, Sensoren, Schalter und möglicherweise auch die Verkabelung zu überprüfen.
Der Fall wiegt schwer, weil ein dreifacher Hydraulikausfall bei einem derart verbreiteten Muster wie dem A320 grundsätzliche Fragen zur Systemredundanz aufwirft.
Für Anleger bleibt entscheidend, ob sich aus der Untersuchung technische Konsequenzen für die A320-Flotte ergeben oder ob sich der Vorfall als isoliertes Wartungsproblem bei Air India herausstellt. Bislang deutet nichts auf eine flottenweite Maßnahme hin, doch die laufende Prüfung dürfte in den kommenden Wochen weitere Erkenntnisse liefern.
Auslieferungen und Auftragslage bleiben robust
Operativ zeigt sich Airbus derweil in guter Verfassung. Im Juli wurden 67 Flugzeuge ausgeliefert, damit kommt der Konzern im laufenden Jahr auf 418 Auslieferungen.
Zugleich gingen im Juli 204 neue Bestellungen ein, darunter ein Großauftrag über 100 Maschinen der A320neo-Familie von SMBC Aviation. Gegengerechnet wurden 15 Stornierungen von A330neo-Bestellungen im Zusammenhang mit dem A220-Deal von AirAsia X.
Ergänzend bestätigte die vietnamesische Fluggesellschaft Sun PhuQuoc Airways, in diesem Jahr ihre ersten vier A330 zu erhalten – die ersten zwei planmäßig im kommenden Monat, zwei weitere bis Jahresende.
Vier zusätzliche Maschinen sollen 2027 folgen. Solche Aufträge unterstreichen, dass die Nachfrage nach Airbus-Großraumflugzeugen ungebrochen ist, während der Konzern zugleich mit dem operativen Druck der Hochlaufkurve bei den Schmalrumpfjets kämpft.
Vor gut drei Wochen hatte Airbus mit überraschend starken Quartalszahlen aufgewartet und seine Jahresziele bekräftigt, seither hat die Aktie rund fünf Prozent zugelegt. Der Rückenwind aus dem operativen Geschäft überlagert damit bislang die Unsicherheit rund um den Air-India-Vorfall.
Auch regulatorisches Kapitel abgeschlossen
Neben der technischen Aufarbeitung hat Airbus zudem einen zweijährigen Streit mit britischen Behörden beigelegt: Wegen einer Untersuchung zu Exportkontrollen zahlte der Konzern rund 6,4 Millionen Pfund an die britische Steuer- und Zollbehörde. Der Fall ist damit vom Tisch und dürfte das operative Geschäft nicht weiter belasten.
Kursreaktion bleibt verhalten
Am Markt zeigte sich die Aktie zuletzt wenig beeindruckt von den Nachrichten. Am Montag schloss das Papier bei 213,95 Euro, ein Minus von 0,8 Prozent gegenüber dem Vortag. Damit notiert die Aktie weiterhin deutlich über ihrem 50-Tage-Durchschnitt von 191,77 Euro, was den mittelfristigen Aufwärtstrend unterstreicht.
Zum 52-Wochen-Hoch von 221,25 Euro, erreicht im Januar, fehlen der Aktie noch gut drei Prozent. Die laufende Untersuchung zum Air-India-Zwischenfall dürfte in den kommenden Wochen zeigen, ob sich daraus konkrete Konsequenzen für die A320-Flotte ergeben.
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