Ein schmaler Grat zwischen Hoffnung und Realität: Der Aktienkurs von AFC Energy, die inzwischen als H-Power firmiert, beendete die Woche mit rund 0,14 Euro im Minus. Die jüngsten Verluste kaschieren allerdings, dass sich das Wasserstoff-Unternehmen an entscheidenden Wendepunkten befindet.
Der Juni brachte gleich mehrere kommerzielle Erfolge. Die erste Lieferung von grünem Wasserstoff aus gekracktem Ammoniak – 5.000 Kilogramm für Protium – gilt als Beleg, dass die hauseigene Technologie funktioniert. Verspricht sie tiefere Kosten als klassische Elektrolyse, eröffnet das dem Unternehmen ein Milliardenfeld.
Zeitgleich expandiert AFC Energy in den Nahen Osten. Zwei Brennstoffzellen vom Typ LC30 gehen an TAMGO nach Saudi-Arabien, zunächst für Testläufe. Das ist mehr als ein Pilotprojekt. Die Geräte sollen künftig Dieselgeneratoren auf Baustellen ersetzen – ein riesiger Markt für das „Fuel-as-a-Service“-Modell.
Verluste schrumpfen, Kasse gefüllt
Die Halbjahreszahlen bis Ende April 2026 geben erste Einblicke in die neue Ausrichtung. Dank des strategischen Umbruchs fallen die Verluste geringer aus als zuletzt. Die Liquidität ist mit rund 20,4 Millionen Pfund noch solide, auch wenn sie gegenüber dem Vorjahresende (25,3 Millionen) gesunken ist.
Vor allem ein Wert sticht heraus: Die Produktionskosten für die 30-kW-Zellen sanken um rund 85 Prozent. Das Management peilt die Kostenparität mit Diesel an. Klingt simpel, wäre aber ein Gamechanger für die gesamte Branche.
Noch fehlt allerdings die entscheidende Zertifizierung. Erst das CE-Zeichen im August öffnet den europäischen Markt. Die alten Generator-Modelle wurden eingestellt, die Umsätze sind entsprechend dürftig. Volumenwachstum erwarten Analysten frühestens in der zweiten Jahreshälfte – wenn die neuen Geräte ausgeliefert werden.
Technisch im Niemandsland
Die Aktie notiert mit 29 Prozent unter ihrem Mai-Hoch von 0,20 Euro. Der RSI von 39 signalisiert, dass die Verkäufer langsam nachlassen. Der 200-Tage-Schnitt bei 0,13 Euro hält als Unterstützung – ein Durchrutschen wäre das nächste Signal für schwächere Hände.
Kurz gesagt: AFC Energy steht vor der Bewährungsprobe. Gelingen die ersten Auslieferungen der LC30-Zellen und bestätigt sich das Joint Venture mit der Industrial Chemicals Group, könnte die Aktie die jüngste Konsolidierung hinter sich lassen. Geschieht das nicht, bleibt das Papier ein Geduldsspiel für den ganz langen Atem.
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