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AeroVironment Aktie: 641 Millionen Umsatz, aber Sammelklagen drohen

Trotz Umsatzplus von 133 Prozent belasten Klagen und Bilanzkorrektur die Aktie. Die Wachstumsstory des Drohnenherstellers wird vom Markt aktuell nicht honoriert.

Die wichtigsten Punkte im Überblick

  • Umsatzsprung um 133 Prozent
  • Sammelklagen nach Bilanzfehler angekündigt
  • Aktie fällt trotz starker Zahlen
  • Expansion in Griechenland geplant

Es gibt Aktien, die erzählen zwei Geschichten gleichzeitig – und bei AeroVironment könnten die beiden Erzählstränge kaum weiter auseinanderliegen. Auf der einen Seite ein Rüstungs- und Drohnenkonzern, der gerade ein Rekordquartal vorgelegt hat. Auf der anderen Seite ein Kurs, der nur noch 7,7 Prozent über seinem 52-Wochen-Tief notiert und binnen Jahresfrist rund 40 Prozent verloren hat. Wie passt das zusammen?

Die Antwort liegt in einem Vertrauensbruch, der noch immer nachwirkt. Bereits im Frühjahr hatte AeroVironment den mit 1,4 Milliarden Dollar dotierten SCAR-Auftrag der US Space Force verloren, wenig später musste das Unternehmen einen Fehler bei der Bilanzierung des Goodwill in Höhe von 89 Millionen Dollar korrigieren.

Beide Ereignisse liegen inzwischen Monate zurück, doch ihre Folgen sind noch nicht ausgestanden: Medienberichten zufolge haben mehrere Anwaltskanzleien in dieser Woche Sammelklagen wegen der damaligen Offenlegungen angekündigt. Ausgerechnet jetzt, während das operative Geschäft brummt, holt die Vergangenheit das Unternehmen ein.

Zahlen, die eigentlich überzeugen sollten

Und operativ läuft es tatsächlich beeindruckend. Für das vierte Geschäftsquartal meldete AeroVironment einen Umsatz von 641,62 Millionen Dollar – ein Plus von 133,3 Prozent gegenüber dem Vorjahr und deutlich über der Konsensschätzung von 555,97 Millionen Dollar.

Auch beim bereinigten Gewinn je Aktie lag das Unternehmen mit 1,84 Dollar klar über den erwarteten 1,47 Dollar. Für das kommende Geschäftsjahr 2027 stellte das Management einen Gewinn je Aktie zwischen 3,02 und 3,34 Dollar in Aussicht – eine Guidance, die auf anhaltendes Wachstum schließen lässt.

Das ist die Geschichte eines Rüstungstechnologie-Unternehmens, das vom globalen Nachrüstungstrend profitiert: mehr Drohnen, mehr autonome Systeme, mehr Nachfrage aus Konfliktregionen.

Passend dazu hat AeroVironment vor gut einer Woche eine Vereinbarung mit dem in Athen ansässigen Unternehmen Eyeonix SA unterzeichnet, um mit „AV Eagle“ ein Gemeinschaftsunternehmen für die lokale Produktion unbemannter Luftfahrtsysteme, Loitering-Munition und Counter-UAS-Technologie in Griechenland aufzubauen.

Auch die Investitionsentscheidung, in Moorpark, Kalifornien, für 100 Millionen Dollar einen 20 Hektar großen, unternehmenseigenen Campus zu errichten, passt in dieses Bild von Expansion und Zukunftsplanung – fünf verstreute Standorte in Südkalifornien sollen dort bis zum Geschäftsjahr 2029 zusammengeführt werden.

Warum der Markt trotzdem misstraut

Doch der Kapitalmarkt honoriert diese Wachstumsstory derzeit nicht. Der Kurs verlor allein in den vergangenen sieben Handelstagen 15 Prozent und notiert mit 126,45 Euro rund 9,8 Prozent unter dem gleitenden 50-Tage-Durchschnitt. Der RSI von 36,8 signalisiert eine überverkaufte Aktie, während die annualisierte 30-Tage-Volatilität von 70 Prozent zeigt, wie nervös der Handel geworden ist.

Ergänzend wirken Insider-Verkäufe wie jener von Direktor Stephen F. Page, der Mitte August 250 Aktien im Rahmen eines vorab festgelegten Handelsplans veräußerte, sowie eine gemeldete Verkaufsabsicht von Brian Shackley über 205 Aktien – beides für sich genommen unauffällig, in Summe aber ein weiterer Belastungsfaktor für die Stimmung.

Das eigentliche Spannungsfeld bei AeroVironment ist damit klar umrissen: Ein Unternehmen liefert operative Bestwerte in einem strukturell wachsenden Markt für Verteidigungstechnologie, während juristische Nachwehen früherer Bilanzierungsprobleme das Vertrauen der Anleger belasten.

Ob die neue Guidance und die internationalen Expansionsprojekte ausreichen, um diesen Vertrauensverlust auszugleichen, wird sich erst zeigen, wenn die angekündigten Klageverfahren konkretere Formen annehmen. Bis dahin bleibt AeroVironment ein Lehrstück dafür, wie schwer es ist, Wachstumszahlen gegen einen einmal erschütterten Ruf durchzusetzen.

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Diskussion zu AeroVironment

Dr. Robert Sasse

Dr. Robert Sasse ist promovierter Ökonom und Unternehmer mit umfassender Expertise in Finanzmärkten und Wirtschaftstheorie. Seine akademische Ausbildung verbindet er mit praktischer Unternehmenserfahrung, um fundierte Analysen zu langfristigen Anlagestrategien zu liefern.

Als Verfechter einer marktwirtschaftlichen Ordnung fokussiert sich Dr. Sasse auf die Vermittlung von Strategien für nachhaltigen Vermögensaufbau durch Aktieninvestments. Seine wissenschaftlich fundierten Beiträge auf stock-world.de richten sich an Anleger, die eigenverantwortliche, informierte Entscheidungen für ihre finanzielle Zukunft treffen möchten.

Dr. Sasse spezialisiert sich auf die verständliche Aufbereitung komplexer ökonomischer Zusammenhänge und die praktische Anwendung von Investmentstrategien für die Altersvorsorge. Sein Ansatz kombiniert theoretisches Wissen mit klarem Praxisbezug, um Lesern Orientierung in einem dynamischen Marktumfeld zu bieten.

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