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Adobe: Dan Durn geht, Aktie fällt 5,5 Prozent

Trotz Rekordumsatz und Gewinnplus bricht Adobe-Aktie ein. Analysten reagieren verunsichert auf Führungswechsel und Strategieänderung.

Die wichtigsten Punkte im Überblick

  • Rekordumsatz von 6,62 Milliarden Dollar
  • Gewinn je Aktie übertrifft Erwartungen
  • CFO-Verlust und offene CEO-Nachfolge
  • Freemium-Strategie belastet ARR-Wachstum

Rekordergebnisse, und trotzdem fällt die Aktie. Bei Adobe klafft gerade eine ungewöhnlich große Lücke zwischen dem, was das Unternehmen liefert, und dem, was der Markt honoriert.

Zahlen glänzen, Strategie beunruhigt

Adobe meldete für das zweite Quartal einen Rekordumsatz von 6,62 Milliarden Dollar — ein Plus von 13 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Der bereinigte Gewinn je Aktie lag bei 5,96 Dollar und übertraf die Konsensschätzung von 5,82 Dollar. Die Jahresumsatzprognose hob das Unternehmen auf 26,5 bis 26,6 Milliarden Dollar an.

Trotzdem brachen die Aktien nach Börsenschluss am 11. Juni um rund 5,5 Prozent ein. Der Grund: CFO Dan Durn verlässt das Unternehmen zum 15. Juni. Damit sind nun zwei Führungspositionen gleichzeitig vakant — auch die CEO-Nachfolge von Shantanu Narayen ist noch offen.

Das Freemium-Wette und ihre Kosten

CEO Narayen kündigte einen bewussten Strategiewechsel an. Adobe priorisiert künftig monatlich aktive Nutzer statt kurzfristiges Wachstum bei wiederkehrenden Erlösen. Geplante Preiserhöhungen für Creative Cloud verschiebt das Unternehmen. Die Zahl der Freemium-Nutzer — über Firefly, Express, Photoshop und andere Apps — stieg von 50 auf 90 Millionen.

Das klingt nach Wachstum. Allerdings sehen Analysten die Kehrseite: Das organische ARR-Wachstum lag bei 10,5 Prozent — und das nach zehn aufeinanderfolgenden Quartalen der Verlangsamung. Die organische ARR-Prognose wurde um rund 480 Millionen Dollar gesenkt.

Wall Street zieht die Reißleine

Die Reaktion der Analysten fiel deutlich aus. Stifel stufte die Aktie auf „Hold“ herab und senkte das Kursziel auf 200 Dollar. Analyst J. Parker Lane verwies auf den schwer absorbierbaren Zielkonflikt zwischen Nutzerakquise und Umsatzwachstum. Wolfe Research folgte mit einer Abstufung auf „Peer Perform“ — Begründung: verlangsamtes ARR und der Führungswechsel an der Spitze. Evercore ISI setzte das Rating ebenfalls auf „Hold“ mit einem Kursziel von 225 Dollar. Analyst Kirk Materne machte klar: Die Stimmung dreht erst, wenn ein neuer CEO und CFO im Amt sind und die Freemium-Strategie messbare Ergebnisse zeigt.

Mizuho warnte zusätzlich vor dem Wettbewerbsdruck durch günstige KI-Tools — besonders im Prosumer- und Kleinunternehmenssegment. Canva mit über 260 Millionen monatlichen Nutzern setzt Adobes Express-Produkt unter Druck.

Technisches Bild nahe Mehrjahrestief

Die Aktie schloss die Woche bei 172,48 Euro — fast 40 Prozent unter dem Jahresanfangsniveau. Am 18. Juni markierte sie mit 165,72 Euro ein neues 52-Wochen-Tief. Der aktuelle Kurs liegt nur 4 Prozent darüber. Mit einem RSI von 30,3 steht die Aktie am Rand des überverkauften Bereichs, handelt aber noch rund 32 Prozent unter ihrem 200-Tage-Durchschnitt.

Parallel zum Kursverfall trieb Adobe das Produktgeschäft voran. Firefly erhielt erweiterte KI-Agenten-Funktionen. Creative-Cloud-Apps sind nun in Plattformen wie ChatGPT, Claude und Copilot integriert. Mit LinkedIn startete Adobe zudem eine globale Initiative zur KI-Weiterbildung für Marketingfachleute — präsentiert auf dem Cannes Lions Festival 2026.

Die eigentliche Frage für die nächsten Quartale: Wie viele der 90 Millionen Freemium-Nutzer werden zahlende Abonnenten? Solange diese Zahl nicht überzeugt, dürfte die Aktie schwer zu verteidigen sein.

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