Rekordeinnahmen, aber sinkende Überzeugung: Adobe hat im ersten Quartal des Geschäftsjahres 2026 mit 6,4 Milliarden Dollar Umsatz einen neuen Höchstwert erreicht — und trotzdem häufen sich die Abstufungen. Zwei Analystenteams haben die Aktie innerhalb weniger Tage herabgestuft. Der Grund: wachsende Skepsis, ob Adobe im KI-Zeitalter seine Marktstellung wirklich verteidigen kann.
Wettbewerb frisst sich vor
Am 28. März stufte Analyst Arjun Bhatia Adobe auf „Hold“ herab und setzte ein Kursziel von 237 Dollar. Sein Kernargument: sinkende Preissetzungsmacht, Margendruck und offene Fragen zur KI-Monetarisierung. Zwei Tage zuvor hatte William Blair die Aktie von „Outperform“ auf „Market Perform“ zurückgenommen — mit Verweis auf „intensiven Wettbewerb“.
Konkret bedeutet das: Canva kommt mittlerweile auf rund vier Milliarden Dollar annualisiertem Abo-Umsatz, Figma auf etwa 1,2 Milliarden. Beide wachsen schneller als Adobes Digital-Media-Segment. Hinzu kommen KI-native Plattformen wie Midjourney, Runway und Synthesia sowie das wachsende Interesse von Google, OpenAI und Apple an kreativen Werkzeugen. Das Feld wird enger — und lauter.
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Starke Zahlen, schwaches Vertrauen
Die Quartalszahlen vom 12. März waren objektiv solide: 12 Prozent Umsatzwachstum, ein KI-bezogener ARR, der sich im Jahresvergleich mehr als verdreifacht hat, und ein Gesamt-ARR von 26,06 Milliarden Dollar. Dennoch reichte das nicht aus, um das Vertrauen der Investoren zurückzugewinnen.
Zu viele Belastungsfaktoren überlagern die positiven Zahlen. CEO Shantanu Narayen hat seinen geplanten Abgang angekündigt. Ein 150-Millionen-Dollar-Vergleich mit dem US-Justizministerium wegen undurchsichtiger Abo-Praktiken steht im Raum. Und britische Regulierer prüfen Adobes Stornierungsgebühren. Auch der institutionelle Investor Amiral Gestion hat seine Position im vierten Quartal um rund 20 Prozent reduziert.
Konsens mit Fragezeichen
Das durchschnittliche Kursziel der Analysten liegt zwischen 319 und 344 Dollar — rechnerisch deutlich über dem aktuellen Kurs, der zuletzt auf einem 52-Wochen-Tief notierte. Der Konsens lautet „Hold“. Das klingt neutral, ist aber eine Aussage: Wer auf KI-Wachstum gesetzt hat, wartet ab, bis Adobe zeigt, dass seine Firefly-Modelle und KI-Integrationen echte Umsatztreiber werden — ohne das bestehende Abo-Geschäft zu kannibalisieren. Solange dieser Beweis aussteht, bleibt der Druck auf die Aktie strukturell.
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