Rekordumsatz, Rekord-Kurssturz: Adidas hat am Donnerstag Quartalszahlen vorgelegt, die zeigen, wie unterschiedlich Markt und Bilanz ein Ergebnis lesen können. Die Aktie brach zeitweise um mehr als 17 Prozent ein und markierte damit den größten Tagesverlust seit über sechs Jahren.
Rekordumsatz trifft auf Margendruck
Der Nettoumsatz kletterte im zweiten Quartal um 13,3 Prozent auf 6,74 Milliarden Euro — ein Bestwert, getragen von starken Fußball- und Running-Verkäufen rund um die Fußball-Weltmeisterschaft. China legte um 19 Prozent zu. Beim operativen Ergebnis reichte es jedoch nur für ein Plus von rund 5 Prozent auf 574 Millionen Euro, deutlich unter der Analystenerwartung von 615 bis 623 Millionen Euro.
Der Grund: Adidas pumpte im Zuge der WM rund 200 Millionen Euro zusätzlich in Marketing, dazu kamen höhere Fracht-, Beschaffungs- und US-Zollkosten. Die operative Marge rutschte von 9,2 auf 8,5 Prozent. Unterm Strich sank der Nettogewinn um 4 Prozent auf 355 Millionen Euro.
Analyst James Grzinic von Jefferies sprach von einer operativen Kostensteigerung, die die Schätzungen deutlich übertroffen habe — die starke Wachstumsdynamik rücke dadurch in den Hintergrund. Piral Dadhania von RBC bezeichnete das Zahlenwerk insgesamt als durchwachsen.
Prognose rauf, Gewinnausblick unverändert
Adidas hob die Umsatzprognose für 2026 auf ein währungsbereinigtes Wachstum von 9 bis 10 Prozent an, nach zuvor „hoch einstelligem“ Ausblick. Beim operativen Gewinn bleibt es jedoch bei rund 2,3 Milliarden Euro — Analysten hatten hier bereits mit 2,4 Milliarden gerechnet. Genau diese Diskrepanz zwischen angehobenem Umsatzziel und unverändertem Gewinnziel dürfte den Kurssturz erklären: Der Markt hatte offenbar beides erwartet, bekam aber nur die halbe Rechnung erfüllt.
Immerhin in Aussicht: Aus Rückerstattungen unrechtmäßig erhobener US-Zölle rechnet der Konzern mit 250 bis 300 Millionen Dollar, eine erste, geringe Rückerstattung ist bereits eingegangen. In den aktuellen Zahlen ist dieser Effekt noch nicht enthalten.
Zusätzlich zur Ergebnisenttäuschung sorgte ein Wechsel im Finanzvorstand für Unsicherheit. Langjähriger CFO Harm Ohlmeyer, seit 2017 im Amt und fast 30 Jahre im Unternehmen, verlängert seinen Vertrag nicht. Nachfolgerin wird Birgit Kretschmer, die zum 1. September in den Vorstand berufen wird und das Amt zum Jahresende übernimmt. Sie bringt 25 Jahre Adidas-Erfahrung mit und war zuletzt sechs Jahre lang Finanzchefin des Modehändlers C&A.
Der Kurssturz strahlte auch auf den Wettbewerber Puma aus, dessen Aktie im Sog nachgab. Der DAX selbst kam kaum vom Fleck — die US-Notenbank hatte am Vorabend erwartungsgemäß die Zinsen unverändert bei 3,5 bis 3,75 Prozent belassen, was für zusätzliche Zurückhaltung an den Märkten sorgte.
Für die kommenden Quartale bleibt die zentrale Frage, ob Adidas die im zweiten Halbjahr hohen Marketingausgaben zurückfahren kann, ohne das nun angehobene Umsatzwachstum zu gefährden. Das bestätigte Gewinnziel von 2,3 Milliarden Euro für 2026 gibt dafür bereits die Leitplanke vor.
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