Wachstum allein reicht Adecco nicht mehr. Der Personaldienstleister legt zum Jahresstart zu, gewinnt Marktanteile und verdient mehr. Am Markt zählt aber eine andere Kennzahl: die Marge. Genau dort zeigt sich die Schwäche.
Starkes Wachstum, schwächere Qualität
Zum Jahresstart erzielte Adecco einen Umsatz von 5,66 Milliarden Euro. Nominal lag das Plus bei 2 Prozent. Organisch wuchs der Konzern um 5,3 Prozent und schlug damit wichtige Wettbewerber.
Die Dynamik kam vor allem aus Amerika und Asien-Pazifik. In Americas stiegen die Erlöse um 15 Prozent, in APAC um 8 Prozent. Die Kernmarke Adecco legte organisch um 6,6 Prozent zu.
Auch beim Ergebnis sah das Bild auf den ersten Blick solide aus. Das operative Ergebnis kletterte um 24 Prozent auf 148 Millionen Euro. Die EBITA-Marge lag bei 2,6 Prozent.
Der Nettogewinn stieg auf 69 Millionen Euro. Das zeigt: Das Geschäft wächst nicht nur auf der Umsatzseite. Der Markt zweifelt jedoch daran, wie viel davon dauerhaft hängen bleibt.
Warum die Aktie fällt
Die Aktie schloss am Mittwoch bei 17,25 Euro und damit auf einem neuen 52-Wochen-Tief. Seit Jahresanfang summiert sich das Minus auf 31,17 Prozent.
Der Abstand zum 200-Tage-Durchschnitt beträgt nun 27,93 Prozent. Das unterstreicht, wie deutlich der Markt die Bewertung gesenkt hat.
Auslöser ist nicht das Wachstum. UBS und Bernstein verweisen auf die Bruttomarge. Sie sank organisch um 40 Basispunkte auf 18,8 Prozent.
Besonders belastet die Schwäche in der Feststellenvermittlung. Dieses Geschäft liefert normalerweise höhere Margen als klassische Zeitarbeit. Wenn dort die Nachfrage nachlässt, wird Wachstum weniger wertvoll.
Hinzu kommt ein schwieriges Umfeld in wichtigen Märkten. In Deutschland dämpfen geopolitische Unsicherheiten rund um den Iran-Konflikt die Geschäftsaktivität. Einige Experten rechnen deshalb damit, dass die Gewinnerwartungen für das Gesamtjahr um mehr als 10 Prozent sinken könnten.
KI soll Kosten senken
CEO Denis Machuel setzt stärker auf Agentic AI. In Großbritannien läuft ein Pilotprojekt mit einer automatisierten Antwortrate von 50 Prozent. Pro Dossier spart das System 28 Prozent der Bearbeitungszeit.
Rund 27.000 Recruiter arbeiten bereits auf einer gemeinsamen Technologieplattform. Der Roll-out der KI-Agenten für Kontinentaleuropa ist im weiteren Verlauf von 2026 geplant. Das Ziel: Prozesse beschleunigen und Vertriebs- sowie Verwaltungskosten senken.
Kurzfristig kostet der Umbau allerdings Geld. Das Management erwartet im nächsten Quartal leicht höhere SG&A-Kosten. Die Bruttomarge soll gegenüber dem Vorquartal ebenfalls leicht schwächer ausfallen.
Adecco liefert Wachstum, aber der Markt bewertet derzeit die Qualität dieses Wachstums. Im nächsten Quartal zählt deshalb vor allem, ob höhere Volumina die schwächere Marge ausgleichen. Gelingt das nicht, bleibt der Druck auf die Gewinnschätzungen hoch.
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