Ein Kursverlust von über 50 Prozent binnen zwölf Monaten schreckt normalerweise Käufer ab. Bei Accenture ist das Gegenteil der Fall. Institutionelle Investoren stocken ihre Positionen auf, während der IT-Beratungskonzern gleichzeitig zur Dividendenperle stilisiert wird.
Die Aktie schloss am Freitag bei 118,45 Euro, ein Minus von 2,63 Prozent zum Vortag. Auf Wochensicht bewegt sich der Kurs damit noch relativ stabil, seit Jahresbeginn steht allerdings ein Verlust von 46,61 Prozent zu Buche. Vom 52-Wochen-Hoch bei 250,95 Euro aus dem Januar trennen die Aktie inzwischen 52,80 Prozent.
Institutionelle kaufen bei historisch niedrigen Bewertungen
Sequoia Financial Advisors hat seine Accenture-Position im vierten Quartal um 197,2 Prozent ausgebaut. Der Vermögensverwalter kaufte 93.880 zusätzliche Aktien, die Offenlegung erfolgte Anfang Mai. Der Schritt passt zu einem breiteren Muster: Die Aktie notiert derzeit 14,54 Prozent unter ihrem 50-Tage-Durchschnitt und 36,62 Prozent unter dem 200-Tage-Durchschnitt.
Marktbeobachter verweisen auf Bewertungsniveaus, die Accenture seit fast einem Jahrzehnt nicht mehr gesehen hat. Das operative Geschäft zeigt sich derweil widerstandsfähiger als der Aktienkurs vermuten lässt. Im jüngsten Quartal erzielte der Konzern ein EBIT von 3,18 Milliarden Dollar und übertraf damit die Analystenschätzungen leicht — trotz geopolitischer Belastungen im Nahen Osten, die den Umsatz um rund 100 Millionen Dollar drückten.
Die Prognose für das Gesamtjahr fällt vorsichtiger aus. Das Umsatzwachstum in lokaler Währung soll nur noch 3 bis 4 Prozent erreichen, eine Eingrenzung gegenüber früheren Zielen.
Dividende wird zum Kaufargument
Accenture hat die Dividende kürzlich um 10 Prozent auf 1,63 Dollar je Aktie angehoben. Für einkommensorientierte Anleger macht das den gefallenen Kurs zunehmend attraktiv. Mehrere Finanzplattformen führen die Aktie inzwischen als Top-Pick für Dividendenwachstum.
Die Zahlungen stehen auf solidem Fundament. Der freie Cashflow erreichte im letzten Quartal 3,6 Milliarden Dollar und deckt die Ausschüttung deutlich ab.
Charttechnik zeigt Spielraum nach unten und oben
Der RSI auf 14-Tage-Basis liegt bei 41,2 Punkten. Das Papier gilt damit noch nicht als überverkauft — die klassische Schwelle liegt bei 30 Punkten. Gleichzeitig bleibt der Druck auf die Aktie erkennbar hoch, auch die annualisierte 30-Tage-Volatilität von 65,03 Prozent unterstreicht die Nervosität im Papier.
Aktuell liegt der Kurs 14,33 Prozent über dem 52-Wochen-Tief von 103,60 Euro vom 22. Juni. Diese Marke gilt für die kommenden Wochen als entscheidende Unterstützung. In der neuen Handelswoche wird sich zeigen, ob sich die Aktie oberhalb der psychologisch wichtigen 120-Euro-Marke stabilisieren kann.
Fünf Milliarden Dollar für Cybersicherheit
Parallel zur Kursschwäche treibt Accenture eine strategische Wende voran. Der Konzern hat am 10. Juli eine Anleihe über 5 Milliarden Dollar platziert. Das Geld fließt in den Ausbau der Sparte für Cybersicherheit im Bereich Operational Technology, einschließlich der geplanten Mehrheitsübernahme von Dragos.
Weitere Übernahmen im Cybersicherheits-Bereich, runZero und NetRise, befinden sich ebenfalls in der Abwicklung. CEO Julie Sweet setzt zudem auf steigende Nachfrage im KI-Geschäft, um die Schwäche im klassischen Beratungsgeschäft auszugleichen. Ob sich diese Nachfrage in größeren Umsetzungsverträgen niederschlägt, dürfte für die Kursentwicklung in den kommenden Wochen eine größere Rolle spielen als einzelne Quartalszahlen — der nächste Bericht steht erst Anfang Oktober an.
Bis dahin dürfte der Kurs vor allem von technischen Erholungsversuchen und Neuigkeiten zu den laufenden Übernahmen im Cybersicherheits-Bereich getrieben werden. Zusätzlich könnten US-Konjunkturdaten zu Inflation und Einzelhandel in der kommenden Woche die Erwartungen an die IT-Budgets für 2027 beeinflussen.
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