Künstliche Intelligenz frisst das klassische Beratungsgeschäft. Diese Angst treibt Investoren bei Accenture gerade in Scharen in die Flucht. Nach einer gesenkten Umsatzprognose verlor das Papier binnen einer Woche fast ein Viertel seines Wertes. Das Management reagiert nun mit einem radikalen Kurswechsel.
Aktuell notiert der Titel bei 108,85 Euro. Damit trennen die Aktie nur noch knapp fünf Prozent vom 52-Wochen-Tief. Seit Jahresbeginn hat sich der Börsenwert mehr als halbiert. Auslöser für den jüngsten Absturz waren die Zahlen zum dritten Quartal.
Der Vorstand kappte das obere Ende der Umsatzprognose für das Gesamtjahr von fünf auf vier Prozent. Parallel dazu fielen die Neuaufträge leicht. Analysten sehen darin ein strukturelles Problem. Generative KI automatisiert zunehmend Aufgaben, die bisher teure Beraterstunden füllten.
Die Reaktionen an der Wall Street fielen drastisch aus. TD Cowen strich das Kursziel um mehr als 100 US-Dollar zusammen. Jefferies senkte den fairen Wert auf 130 US-Dollar und verwies auf eine schwache Nachfrage. Auch Truist und Baird passten ihre Erwartungen nach unten an.
Angriff auf den Mittelstand
Um die Abhängigkeit von Großkonzernen zu verringern, sucht Accenture neue Kunden. Mit der neuen Einheit „Accenture Edge“ zielt der Konzern auf den Mittelstand. Im Fokus stehen Firmen mit Umsätzen zwischen 300 Millionen und drei Milliarden US-Dollar.
CEO Julie Sweet will damit die schwankenden IT-Budgets der Großkunden ausgleichen. Das Management schätzt diesen neuen Markt auf ein Volumen von 240 Milliarden US-Dollar. Microsoft-Tochter Avanade liefert dafür die nötige Cloud- und KI-Infrastruktur.
Milliarden-Wette auf Cybersicherheit
Das zweite Standbein der neuen Strategie ist die operative Cybersicherheit. Accenture kauft dafür gleich drei Spezialisten: Dragos, runZero und NetRise. Die Folge: Das Budget für Übernahmen im laufenden Geschäftsjahr steigt massiv an.
Ursprünglich plante der Vorstand mit Zukäufen im Wert von fünf Milliarden US-Dollar. Nun hebt das Management diese Summe auf neun Milliarden US-Dollar an. Die neuen Firmen bringen zwar verlässliche Abo-Erlöse mit. Allerdings belasten die Deals kurzfristig den Gewinn.
Solides Kerngeschäft
Abseits der düsteren Prognosen lief das operative Geschäft im abgelaufenen Quartal stabil. Der Umsatz stieg währungsbereinigt um drei Prozent. Der Gewinn je Aktie kletterte sogar um neun Prozent auf 3,80 US-Dollar.
Ein Bremsklotz bleibt die Geopolitik. Der Konflikt im Nahen Osten kostete das Unternehmen rund 100 Millionen US-Dollar an Umsatz. Kunden in der gesamten EMEA-Region zögern derzeit mit großen Vertragsabschlüssen.
Für das vierte Quartal rechnet Accenture mit einem währungsbereinigten Wachstum von maximal fünf Prozent. Der Relative-Stärke-Index (RSI) signalisiert mit einem Wert von 21,3 eine massive Überverkauf-Situation. Eine Bodenbildung hängt nun an einer klaren Bedingung. Die teuren Zukäufe im Sicherheitsbereich müssen zügig die wegbrechenden Berater-Margen ersetzen.
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