Accenture holt sich einen Milliardenauftrag von der NATO. Der Aktienkurs interessiert das kaum. Während der Konzern sein Geschäft mit sicherheitskritischer Digitalinfrastruktur ausbaut, hat das Papier binnen zwölf Monaten mehr als die Hälfte seines Wertes verloren.
Ein Sieben-Jahres-Deal mit der NATO
Die NATO Communications and Information Agency (NCIA) vergibt an Accenture einen Auftrag über rund 200 Millionen Euro. Die Laufzeit beträgt sieben Jahre. Gemeinsam mit dem italienischen Rüstungskonzern Leonardo baut Accenture das sogenannte Protected Business Network auf.
Das Projekt bildet künftig die Basis für klassifizierte digitale Abläufe im gesamten NATO-Bündnis. Rund 29.000 Nutzer sollen Zugang zu einer Multi-Cloud-Umgebung erhalten, die von der NCIA bereitgestellt wird. Ziel ist eine sichere Kommunikationsplattform für Entscheidungsträger und Militärpersonal.
Für Accenture passt der Auftrag ins strategische Bild. Der Konzern setzt seit Jahren verstärkt auf Großprojekte mit Regierungen und Verteidigungsbehörden. Technologie-Beratung für staatliche Sicherheitsinfrastruktur gilt als margenstarkes und stabiles Geschäftsfeld.
Kurs bleibt unter Druck
Trotz der Nachricht bewegt sich die Aktie kaum. Am Donnerstag schloss das Papier bei 121,45 Euro, aktuell notiert es bei 119,60 Euro. Das entspricht einem Tagesminus von 1,52 Prozent.
Der Blick auf die längerfristige Entwicklung zeigt das eigentliche Problem. Seit Jahresbeginn hat die Aktie fast die Hälfte ihres Wertes eingebüßt, auf Zwölfmonatssicht sind es 51,47 Prozent. Vom Rekordhoch bei 250,95 Euro aus dem Januar trennen das Papier inzwischen mehr als 52 Prozent.
Etwas Entspannung gibt es immerhin gegenüber dem Jahrestief. Im Juni fiel die Aktie auf 103,60 Euro, aktuell liegt sie gut 15 Prozent darüber. Der 50-Tage-Durchschnitt von 138,62 Euro bleibt aber weit entfernt — der Kurs notiert fast 14 Prozent darunter. Der RSI von 42,2 deutet auf keine überverkaufte Lage hin, eher auf anhaltend schwache Dynamik.
Zusätzlicher Gegenwind aus zwei Richtungen
Der NATO-Auftrag steht nicht isoliert. Accenture Capital, eine Finanzierungseinheit des Konzerns, plant offenbar eine Anleiheemission über fünf Milliarden Dollar. Details zu Zinssatz oder Laufzeit sind bislang nicht bekannt.
Hinzu kommt ein Sicherheitsvorfall. Ein Angreifer behauptet, im Juli rund 35 Gigabyte an Daten erbeutet zu haben — darunter Quellcodes und Zugriffsschlüssel. Accenture bestätigt den Vorfall, spricht aber von einem „isolierten Fall“. Der Konzern habe die Ursache behoben, Geschäftsbetrieb und Serviceleistungen seien nicht betroffen gewesen.
Der NATO-Vertrag zeigt, dass Accenture im Geschäft mit staatlichen Großkunden weiterhin gefragt ist. Der Kursverlauf der vergangenen Monate erzählt aber eine andere Geschichte. Mit einer Marktkapitalisierung von 73,4 Milliarden Euro und einer annualisierten Volatilität von knapp 65 Prozent bleibt das Papier ein Fall für Anleger mit starken Nerven.
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