Accenture-CEO Julie Sweet erhöht kurz vor dem Ende des Geschäftsjahres am 31. August den Druck auf die Belegschaft. Um die Ziele für das vierte Quartal zu erreichen, erlaubt das Beratungsunternehmen seinen Mitarbeitern, ungenutzte Urlaubstage in das nächste Geschäftsjahr zu übertragen. Medienberichten zufolge drängt die Unternehmensspitze auf einen starken Abschluss, da die Aktionäre auf die Ergebnisse des laufenden Quartals zählen.
Kampf um das vierte Quartal
Hintergrund für die ungewöhnliche Maßnahme ist die zuletzt schwächere Dynamik bei den Auftragseingängen. In dem am 31. Mai beendeten Quartal verzeichnete das Unternehmen bei den Neubestellungen einen Rückgang um 2 Prozent. Die Umsatzprognose für das vierte Quartal liegt mit einer Spanne von 17,75 bis 18,4 Milliarden US-Dollar unter den Erwartungen der Analysten, die im Konsens von 18,47 Milliarden US-Dollar ausgegangen waren.
Bereits am 18. Juni hatte die Aktie auf die gedämpften Aussichten mit einem Kurssturz von 18 Prozent an einem einzigen Handelstag reagiert. Zwar bezeichnete Sweet den Bereich der Künstlichen Intelligenz zuletzt als „Rückenwind“, doch am Markt bleiben Bedenken hinsichtlich der kurzfristigen Wachstumsraten bestehen. Die Aufforderung, Urlaube zu verschieben, unterstreicht die Bemühungen, im Endspurt des Geschäftsjahres so viele Projekte wie möglich abzuschließen und in Umsatz umzumünzen.
Strategische Partnerschaften und Outsourcing-Trends
Trotz des internen Drucks treibt Accenture seine globale Expansion voran. Am Freitag wurde eine langfristige Zusammenarbeit mit der italienischen Großbank UniCredit und dem Technologiekonzern IBM bekannt. Im Zentrum der Kooperation steht eine Mehrheitsbeteiligung an einem gemeinsamen Technologie-Joint-Venture.
Parallel dazu profitiert der Dienstleister von Umstrukturierungen bei australischen Großunternehmen. Der Einzelhändler Coles baut derzeit hunderte Stellen im Heimatmarkt ab und verlagert Aufgaben an Accenture, wobei Teile der Arbeit künftig in Indien erledigt werden sollen. Auch die Fluggesellschaft Qantas prüft Berichten zufolge eine weitreichende, von Accenture geführte Umstrukturierung, von der bis zu 1.000 Arbeitsplätze betroffen sein könnten. Hintergrund dieser Entwicklung sind unter anderem gestiegene Gehaltshürden für Arbeitsvisa in Australien, die Unternehmen dazu bewegen, vermehrt auf Outsourcing-Modelle im Ausland zu setzen.
Datenpanne und Marktreaktion
Überschattet wurde die operative Offensive am Freitag durch die Bestätigung einer Sicherheitsverletzung. Ein Angreifer mit dem Pseudonym „888“ behauptet, rund 35 Gigabyte an Daten entwendet zu haben, darunter Quellcodes sowie diverse Sicherheits-Token. Das Unternehmen erklärte jedoch, die Ursache der Sicherheitslücke bereits behoben zu haben. Demnach gebe es keine Auswirkungen auf den laufenden Betrieb oder die Daten der Kunden. Es handelt sich bereits um den dritten öffentlich gewordenen Sicherheitsvorfall für den Konzern seit 2021.
An der Börse zeigte sich das Papier zum Wochenabschluss dennoch gefestigt. Die Aktie beendete den Handel am Freitag bei 151,95 Euro, was einem Tagesplus von 2,67 Prozent entspricht. Damit setzt der Wert seine Erholung der letzten Wochen fort, bleibt jedoch weiterhin deutlich unter seinem bisherigen Jahresbestwert: Der Abstand zum 52-Wochen-Hoch von 250,95 Euro beträgt aktuell rund 39,45 Prozent.
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